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In der Förderperiode von 2015 bis 2022 konnte der Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e. V. hessenweit die meisten Leader-Mittel einwerben. Das geht aus einer offiziellen Pressemitteilung hervor.
Werra-Meißner – 7,5 Millionen Euro Fördersumme aus EU-, Landes- und Bundesprogrammen flossen in den Kreis; damit wurden 260 Projekte umgesetzt. Auf einer Exkursion als „Sommertour“ stellte der Verein interessierten Teilnehmern jetzt einen Ausschnitt aus erfolgreich abgeschlossenen und noch weiter laufenden Projekten vor Ort vor.
Die Markthalle
Gut 15 Kilo Kartoffeln kann die neue Schälmaschine in zwei Minuten verarbeiten. Träger der Markthalle Werra-Meißner ist der Kreisbauernverband. Hier werden regionale landwirtschaftliche Erzeugnisse von konventionellen und Bio-Betrieben an Großküchen, Caterer und die Gastronomie verkauft. „Die Erzeuger selbst haben meistens keine Zeit, einzeln zu den Kunden zu fahren“, erklärt Leiterin Ines Wollschak.
„Bei uns werden die Produkte aus der Region wie Gemüse, Fleisch, Milch- und Getreideprodukte gebündelt angeboten.“ Sie kommen frisch vom Feld, werden in der Markthalle auf dem Brauereihof in Eschwege kühl gelagert und können gleich weitergeliefert werden.
So wissen die Küchen, woher die Zutaten kommen für das Essen, das etwa in Schulen und Kitas geliefert wird. Und auch bereits geschält können Kartoffeln und Wurzelgemüse geliefert werden. Durch die Förderung aus dem Leader-Programm wurde es möglich, neue Vermarktungsstrukturen für regionale Produkte aufzubauen.
Das Medienwerk
Bei überregionalen Bands hat es sich schon herumgesprochen: Im Tonstudio in Eschwege kann man professionelle CD-Aufnahmen machen. Im Fokus steht im Medienwerk in Eschwege aber vor allem die Aus- und Fortbildung im Bereich Bild und Ton. Zehn Azubi wurden neben dem E-Werk, wo ein moderner Studio-Neubau entstanden ist, bereits zum Mediengestalter ausgebildet und arbeiten nun in Medienbetrieben in der Region. Ein wichtiger Teil der Wissensvermittlung richtet sich an Jugendliche, etwa in Workshops an Schulen oder im Medienwerk selbst. Auch Praktika können hier gemacht werden. Aber auch für Vereine, Museen und Kommunen wird das Medienwerk tätig, erstellt für sie beispielsweise Filme für Jubiläen und Festivitäten.
Das Wyzenborne
Markus und Ellen Persch sowie Marco Haukwitz möchten die Region touristisch attraktiv machen. In Weißenborn bei Sontra bauen sie mitten im Dorf ein kleines Ressort mit Ferienwohnungen. 14 Wohneinheiten vom Gästezimmer über Apartments bis zum Tiny-House sollen bis Ende 2024 hier entstehen, daneben ein Wellness-Bereich, ein Bauerngarten und Elektroladesäulen, die von den Einwohnern mitbenutzt werden können. Dazu hat das Team benachbarte Häuser erworben, darunter ein historisches Fachwerkhaus, die aufwendig saniert werden.
„Die Feriengäste sind begeistert von unsrer Region“, weiß Ellen Persch. „Wir möchten sie ins Dorfleben integrieren.“ In Sontra hat die Unternehmerin erfolgreich Ferienwohnungen eingerichtet, außerdem führt sie ein Reisebüro. In der nahe gelegenen Windhause betreibt das Team zudem ein Hüttencafé.
Aktiv in Sontra
In Sontra können Kinder und Jugendliche – im Grunde die ganze Familie – die Natur aktiv erleben und dabei auch noch etwas lernen, und zwar auf dem Wald- und Naturerlebnispfad. Im Naherholungsgebiet Hollstein verbinden sich außerdem ein Premiumwanderweg, die Hütte Windhause sowie der Pumptrack in Sontra als Anziehungspunkt für die Sportbegeisterten zu einem Gesamtkonzept.
Hier kann man wandern, einkehren oder mit dem Fahrrad über die Piste flitzen und Schwung aus den Wellen herausholen.
Der Grenzpark
Zu ergänzen sei der „Demokratiepark“, der Grenzpark in Herleshausen, sagt Heidrun Henning vom Verein. Das Projekt entstand aus der 1000-Jahr-Feier Herleshausens heraus, damals als Teil des stehenden Festzuges. Jetzt ist der frei zugängliche Park fest installiert entlang des Fahrradwegs am Ortsausgang, nahe der Autobahn und des ehemaligen Grenzübergangs Herleshausen. Die Menschen, die hier entlangkommen, sollen für einen Moment innehalten und nachdenken über die deutsch-deutsche Teilung, die Wiedervereinigung und das Konzept von Demokratie im Allgemeinen. Auch, wie weltweit Grenzen nicht etwa ab- sondern zunehmend aufgebaut werden, thematisieren die Schautafeln in eindrucksvoller Weise.
„Die Bilder, Texte und Ideen haben die Menschen vor Ort zusammengestellt“, erklärt der Vorsitzende Gero von Randow. „Wichtig ist uns die Frage: Wie kommt man zur Demokratie und wie erhält man sie?“
Mohnregion Ringgau
Mit der Ernte sind die Mohnbauern dieses Jahr aufgrund der Witterung nicht ganz zufrieden. „Aber das ist Natur“, sagt Antonia Jacob vom Teichhof in Grandenborn und nimmt es gelassen. Die Besucher, darunter viele Busreiseunternehmen, sind dennoch auch in diesem Jahr zur farbenfrohen Mohnblüte gekommen. Im Meißner-Vorland und im Ringgau arbeiten die Tourismus- und Erzeugerbetriebe zusammen.
So wird der Mohn aus Grandenborn von Björn Sippel in Germerode verarbeitet und veredelt und die Mohnprodukte werden in der ganzen Region angeboten. Sie sind auch Teil der Weihnachtsbox der Initiative „Lokal – einfach genial“. Im Teichhof kann man dann den Mohnkuchen essen oder die Wurstkammer der hauseigenen Schlachterei besichtigen.
Das Gerberhaus
Es ist ein Angebot als Veranstaltungsort für das umliegende Stadtquartier in der Eschweger Neustadt. Um 1910 wurde das Backsteinhaus gebaut, um hier Leder zu gerben und Kohle zu lagern. 1940 ging es in den Bestand der Schlosserei Klages über. Der Verein Aufwind, der Angebote für Menschen mit seelischer Behinderung macht, hat das Gelände vor einigen Jahren übernommen und saniert.
Jetzt ist auch das Gerberhaus fertig saniert, die Räume modern ausgestattet und der Außenbereich neu gestaltet mit Wiese, Sitzgelegenheiten und Boule-Bahn. In dem Haus können Feiern stattfinden, Seminare oder Yoga-Stunden, eine Gruppe Ehrenamtlicher führt den Belegungsplan.
Sabine Wilke, Geschäftsführerin des Vereins für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V., sowie der neue Vereinsvorsitzende, Thomas Eckhardt, freuten sich auf der Sommerexkursion über das rege Interesse an den umgesetzten Projekten. „Es zeigt, wie vielfältig die Initiativen sind, die in unserem Kreis von Privatleuten und Unternehmen, von Vereinen, Kommunen und Verbänden in die Hand genommen werden. Jedes umgesetzte Projekt ist eine Bereicherung für die Allgemeinheit und steigert die Attraktivität unserer Region.“
Von Kristin Weber

