Die Gerhart-Hauptmann-Schule wird nach den Sommerferien ihren Standort an der Marktstraße in Wanfried verlassen und auf den Schulcampus ziehen. Zum Abschied gab es ein großes Fest.
Wanfried – Achtung, jetzt wird’s kitschig: Der Himmel weinte dicke Tränen am Donnerstagabend, als sich die Schulgemeinde der Gerhart-Hauptmann-Schule von ihrem alten Standort in der Wanfrieder Innenstadt verabschiedete. Mit einem großen Schulfest unter freiem Himmel wollten sie Lebewohl sagen. Starke Regenfälle machten den Planungen einen dicken Strich durch die Rechnung. Der ausgelassenen Stimmung tat das keinen Abbruch.
Den Schulstandort an der Marktstraße gibt es seit 181 Jahren
Kurzerhand wurde der offizielle Teil in die benachbarte evangelische Kirche verlegt. Eine gute Entscheidung, denn nur im größten Versammlungsraum der Stadt war Platz für die rund 600 Schüler, Eltern und Freunde der Wanfrieder Grundschule. Nach diesem Schuljahr, wenn die Gerhart-Hauptmann-Schule auf dem neuen Schulcampus mit der Gesamtschule zusammenzieht, geht eine Ära zu Ende, die 1843 an diesem Ort begann. Damals wurde die heute noch existierende Uralt-Schule errichtet, die 1903 durch das dahinter liegende neugotische rote Backsteingebäude vergrößert wurde. Weitere knapp 60 Jahre später wurde der Platz auch hier zu eng. In den Jahren 1958/1959 wurde ein zehnklassiger Neubau nebenan errichtet. Seit 1968 fungiert die Gerhart-Hauptmann-Schule als Grundschule.
4224 Schüler seit 1970 an der Gerhart-Hauptmann-Schule
Im Spitzenjahrgang 1972 wurden 156 Schüler in fünf Klassen eingeschult. Aktuell sind es 56 Erstklässler, 2024 werden es 64. Der ehemalige Schulleiter Bernd Hiddemann und Schulsekretärin Manuela Gerhardt haben gezählt, dass seit 1970 genau 4224 Jungen und Mädchen die Grundschule besuchten – darunter auch Landrätin Nicole Rathgeber oder Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard.
Nach den Sommerferien geht es an den Schulcampus in Wanfried
Gebhard berichtete aus eigener Erfahrung, dass seit seiner Einschulung 1982 sich wenig verändert hatte am Schulgebäude. Die ehemalige Schulleiterin Bärbel Speck erinnerte sich, dass bei ihrem Start 2002 schon von einem Umzug die Rede war. 2017 wurden die Sanierungspläne konkret, blickte die Schulaufsichtsbeamtin Astrid Pallas zurück. Renovierung oder ein gemeinsamer Schulcampus waren die Alternativen. Nach kontroversen Diskussionen entschied sich der Kreis für den Schulcampus. Im Sommer 2019 wurde mit dem Bau begonnen, 2021 sollte alles fertig sein. Pandemie, Krieg, Lieferengpässe und Umplanungen verzögerten alles erheblich. Und teurer wurde es auch. Statt angedachter 7,5 Millionen wird der Umbau am Ende wohl knapp zehn Millionen Euro kosten. „Es ist das größte Schulprojekt der vergangenen und auch der nächsten Jahre“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Friedel Lenze, der Landrätin Rathgeber vertrat. Eine Tür schließe sich, eine schöne neue gehe dafür am Stadtrand auf.
Ungewissheit, was mit den Gebäuden passiert
Was mit dem alten Gebäude in der Innenstadt passiert, wenn die 249 Grundschüler nach den Sommerferien ausziehen, ist indes weiter ungeklärt. Eine Übernahme der Stadt und Umbau zu einer Kindertagesstätte scheiterten 2021 an den Kosten.
Am Donnerstagabend verabschiedete sich die Schulgemeinde in großer Zahl erst mal von den alten Gebäuden. Das Kollegium hatte in monatelanger Planung eine Feier auf dem Schulhof mit einem guten Dutzend Unterhaltungsstationen geplant. Es gab eine große Tombola, bei dem jedes Los gewann, an einer Button-Maschine, beim Blumentopfbemalen und beim Kinderschminken konnten sie kreativ werden. Es gab Dosenwerfen, Torwandschießen und eine Wissensstraße. Der DJ hatte auch noch eine Fotobox mitgebracht, in der Erinnerungsfotos an dieses letzte Schulfest geschossen wurden.
Abschied von der Gerhart-Hauptmann-Schule in Wanfried
Im Computerraum wurde die Schulchronik als Film gezeigt. Weil es draußen Hunde und Katzen regnete, wurden die verschiedenen Stationen kurzerhand in den Klassenräumen aufgebaut. So entwickelte sich ein Laufgeschäft wie auf einem Jahrmarkt. Hinter jeder Tür gab es Neues zu entdecken. Auf den Fluren kamen die Eltern, Großeltern und Freunde miteinander ins Gespräch. Trotz des miesen Wetters war es ein harmonischer Abschied mit einigem Wehmut. Fast kitschig eben. (Tobias Stück)