Hessen-Trend auch im Werra-Meißner-Kreis Thema

Gesundheitsrisiko Pflegeberuf: Höchste Krankenstände gemeldet

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Pflegekräfte haben eine besonders hohe Belastung - sowohl körperlich als auch seelisch.
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Pflegekräfte stehen täglich vor großen Herausforderungen, sowohl körperlich als auch seelisch. Ihre Gesundheit leidet unter der enormen Belastung. Ein Blick auf die Statistiken offenbart, dass sie die meisten Krankheitstage aller Berufsgruppen aufweisen.

Werra-Meißner – Insbesondere für viele ältere Menschen sind sie wichtige Unterstützung bei alltäglichen Dingen, für Patienten, die beispielsweise nach einem Unfall unverhofft ins Krankenhaus kommen, sind sie darüber hinaus ein Teil des Genesungsprozesses, der auch Empathie bedarf: Pflegekräfte haben sich tagtäglich körperlichen, aber auch seelischen Herausforderungen zu stellen. Das belastet: Sie bilden mit Blick auf landesweite und regionale Zahlen die Berufsgruppe mit dem höchsten Krankenstand.

Laut Techniker-Krankenkasse (TK) waren Pflegekräfte im vergangenen Jahr 29,8 Tage krankgeschrieben – länger als je zuvor. Der Durchschnittswert habe 2021 noch bei 23,3 Tagen gelegen.

„Der Krankenstand in der Pflegebranche hat erneut den Vorjahreswert überschritten und liegt damit weitaus höher als in anderen Berufsfeldern“, sagt Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK. „Knapp 30 AU-Tage pro Jahr sind ein unmissverständliches Signal, das die starke Belastung durch den physisch wie psychisch fordernden Arbeitsalltag in der Pflege widerspiegelt.“ Zum Vergleich: Über alle Beschäftigungsgruppen hinweg waren TK-Versicherte 2023 im Schnitt 18,6 Tage krankgeschrieben, heißt es.

Diese Tendenz kann auch die BKK Werra-Meißner um Patrick Schneider auf Anfrage unserer Zeitung mit Blick auf die Arbeits-Unfähigkeits-Tage bestätigen. „Beschäftigte in der Altenpflege (33,2 AU-Tage je Beschäftigte) und Krankenpflege (25,7 AU-Tage) weisen deutlich höhere Fehlzeiten auf als der Durchschnitt aller Beschäftigten (18,2 AU-Tage). Diese Differenz ist in den letzten beiden Corona-Pandemiejahren sogar noch größer geworden“, heißt es von der BKK.

Vor allem weisen Pflegekräfte überdurchschnittlich viele Fehltage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen (Altenpflege 9,5 AU-Tage; Krankenpfleger 6,5 AU-Tage) und psychischen Störungen (Altenpflege 7,3 AU-Tage; Krankenpfleger 5,5 AU-Tage) auf.

„Viele Pflegende kümmern sich voller Hingabe um andere und stellen dabei ihre eigene Gesundheit zurück, bis eine Krankschreibung nicht mehr zu vermeiden ist“, so Ballast. „Um aber das eigene Wohlbefinden und auch die Qualität der ausgeübten Pflege sicherzustellen, ist es unerlässlich, auch für sich selbst zu sorgen. Neben dem eigenen Verhalten können insbesondere auch die am Arbeitsplatz herrschenden Verhältnisse die Gesundheit stark beeinflussen.“

Pflegende Angehörige haben trotz Pflegeversicherung höhere Kosten

Eine jetzt veröffentlichte Studie im Auftrag der AOK belegt, dass pflegende Angehörige im Schnitt 49 Stunden pro Woche für häusliche Pflege aufwenden – und dann unter ähnlichen Problemen wie hauptberufliche Pfleger leiden. Jeder vierte Befragte gab und gibt an, hoch belastet zu sein und die Pflegesituation „eigentlich gar nicht mehr“ oder „nur unter Schwierigkeiten“ bewältigen zu können. 290 Euro investiert diese Gruppe zudem trotz Pflegeversicherung selbst.

Von Konstantin Mennecke

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