Im hohen Gras

Seit mehr als 100 Jahren - Frauenberg-Milbe sorgt für juckende Sommer in Fulda

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Grasmilben sorgen bereits seit über 100 Jahren am Frauenberg für unangenehme Bisse. Weil sie im Rest Fuldas nicht vorkommt, wird sie die Frauenberg-Milbe genannt.
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Es kreucht und fleucht und das nicht erst seit Kurzem. Am Fuldaer Frauenberg gibt es sie schon seit mehr als 100 Jahren - die sogenannte Frauenbergmilbe. Bis heute bekommen die Anwohner in den Sommermonaten Besuch von ihr.

Fulda - Mit den warmen Sommermonaten kehrt auch ein kleiner, aber lästiger Bewohner in die Wiesen Fuldas zurück: die sogenannte Frauenbergmilbe. Diese winzige Milbe, die sowohl Menschen als auch Tiere heimsucht, ist ein Spinnentier, das bevorzugt in hohem Gras lebt. Die Grasmilbe, die oft auch an anderen Stellen auftaucht, hat es sich schon seit über 100 Jahren auf den Wiesen am Frauenberg gemütlich gemacht.

Seit mehr als 100 Jahren - Frauenberg-Milbe sorgt für juckende Sommer in Fulda

Neu Zugezogene wundern sich und die Alteingesessen kennen sie. Bruder Gerhard Busche aus dem Franziskanerkloster am Frauenberg, das seit 400 Jahren dort besteht, hat schon öfter Bekanntschaft mit ihr gemacht: „Bei meinen abendlichen Spaziergängen mit unseren Schafen hat sie mich schon sehr oft gebissen.“ Er erzählt, dass die Fuldaer Stadtbürger ihre Bekanntschaft mit der Frauenbergmilbe bereits in der sogenannten Gründerzeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemacht haben dürften.

Denn der Frauenberg und der Kalvarienberg wurden in dieser Zeit zum ersten Naherholungsgebiet für die Fuldaer gestaltet und haben zum Sonntagsausflug mit Picknick auf der Wiese eingeladen. Bei diesen Picknicken um das Jahr 1900 haben die Besucher das erste Mal von den Bissen berichtet. Dadurch hat die Milbe ihren Namen bekommen. Die Verbreitung der Frauenbergmilbe soll an der Leipziger Straße abrupt enden.

„Hier beginnt der Innenstadtbereich ohne ungemähte Wiesen“, so Busche. Diese Trennung führt dazu, dass die Milben sich nicht weiter ausbreiten können. Um die Spinnentiere einzudämmen, empfiehlt es sich, den Lebensraum der Milben einzugrenzen. Busche erklärt: „Wir halten die Ränder der Grasflächen kurz, lassen aber die Innenflächen der Wiesen länger wachsen.“ Diese Praxis soll helfen, die Population der Milben zu kontrollieren, ohne die Vielfalt der Natur zu beeinträchtigen.

Frauenberg-Milbe versteckt sich im hohen Gras - Bisse hinterlassen rote, juckende Flecken

Die Bisse des Tierchens sind leicht erkennbar: Sie hinterlassen rote, stark juckende Flecken, die oft eine Woche lang Beschwerden verursachen. Die Larve der Frauenbergmilbe ist hauptsächlich in den heißen Sommermonaten aktiv und verschwindet erst mit den kühleren Nächten und dem Regen im September.

Besonders betroffen sind Menschen, die sich in hohen Gräsern aufhalten, sei es beim Spaziergang mit kurzen Hosen oder beim Picknick auf der Wiese. Die Bisse finden sich meist in Bereichen, wo die Kleidung eng anliegt, es feucht und warm ist, wie unter dem Sockenbund, in der Kniekehle, im Schritt oder unter dem Gummibund von Hosen. Die Larve des Spinnentiers ernährt sich vom Zellsaft, welcher nach dem Biss Enzyme freisetzt. Die Folge ist der anhaltende Juckreiz.

Die Grasmilbe

Die Grasmilbe gehört zu der Familie der Spinnentiere. Mit ihren acht Beinen ist sie 0,2 bis 0,3 Millimeter groß. Ihr Erscheinungsbild ist orange-rot und sie ist für ihre Beweglichkeit bekannt. Sie trägt auch den Namen Herbst- oder Erntemilbe. Der lateinische Begriff ist Neotrombicula autumnalis.

Ob diese Milbe auch in Ihrem Garten lebt, ist schnell getestet: Legen Sie ein weißes Blatt Papier oder einen weißen Teller auf eine sonnige Stelle der Wiese. Falls Sie dort organge-rote Punkte erkennen, ist ihr Garten von den Larven der Grasmilbe befallen.

Lokale Apotheken sind mit den Beschwerden durch die Frauenbergmilbe vertraut. Frederic Raupach von der Hirsch Apotheke in der Adalbertstraße berichtet, dass viele Kunden wegen der juckenden Bisse Rat suchen. „Die Einstichstellen sind rötlich und jucken stark, sind aber nicht gefährlich und übertragen keine Krankheiten“, erklärt er.

Dass sie keine Krankheiten überträgt, unterscheidet die Grasmilbe von Zecken, die ebenfalls zu der Art der Milben gehören. Mittel wie antiallergische oder kortisonhaltige Salben können nach dem Biss der Grasmilben-Larven Linderung verschaffen. Um die Frauenbergmilbe loszuwerden, müssten größere Maßnahmen getroffen werden, indem man die betroffenen Grasflächen am Frauenberg entwurzelt. Das sei bei der Größenordnung jedoch nicht möglich und auch keine Versicherung, dass die ungebetenen Gäste nicht wieder kommen.

Video: Wurden Sie auf einer Wiese gestochen? Das könnten Grasmilben sein.

In den Privatgärten wäre es einfacher die kleinen roten Krabbeltiere zu entfernen. Dort kann ein spezielles Nervengift gegen Grasmilben eingesetzt werden. Die Frauenbergmilbe bleibt ein saisonales Ärgernis in Fulda. Doch mit gezielten Maßnahmen und etwas Vorsicht kann man die Sommermonate auch weiterhin in den Wiesen des Frauenbergs genießen.

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