VonFlorian Leclercschließen
Die Abschleppunternehmen in Frankfurt haben zuletzt tausende Aufträge abgelehnt. Der ADFC findet das ziemlich unbefriedigend. Und auch die Verwaltung ist nicht gerade glücklich.
Frankfurt – Wenn in Frankfurt ein Fahrzeug verkehrswidrig auf einem Behindertenparkplatz parkt, einen Fahrradweg blockiert oder so dicht an den Gleisen steht, dass die Straßenbahn nicht mehr durchkommt, kann es mitunter sehr lange dauern, bis ein beauftragtes Abschleppunternehmen eintrifft.
Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) weiß das nur zu gut. „2023 waren wir 105 Stunden und 41 Minuten durch Falschparker im Straßen- und Stadtbahnbereich behindert“, sagte die Sprecherin Juliane Herzog. Die Wartenzeiten seien durch 183 einzelne Fälle entstanden.
5800 Abschleppaufträge in Frankfurt abgelehnt
Langes Warten, bis der Abschleppdienst kommt: Beim zuständigen Straßenverkehrsamt ist man sich des Problems bewusst. „Allein im zweiten Halbjahr 2023 wurden über 5800 Abschleppaufträge von den Auftragnehmern abgelehnt“, sagte Sprecher Ingmar Bolle. Das entspricht etwa 30 Aufträgen am Tag.
Nach einer europaweiten Ausschreibung hat die Stadt seit Frühjahr 2023 fünf Unternehmen mit dem Abschleppen beauftragt. Dabei handelt es sich um die Abschleppdienste Auto-Dentz, Auto Treutel, Safar, ABC und Loosen.
Wer einen Falschparker bemerkt, kann bei der städtischen Verkehrspolizei anrufen (unter der Rufnummer 069/212-36360, Montag bis Freitag, 7 bis 22 Uhr, Samstag, 9.30 bis 18 Uhr). Außerhalb dieser Zeiten ist die Landespolizei zuständig. Melden kann man Falschparken auch über die städtische Website: frankfurt.de/anzeige-ruhender-verkehr
220 Stunden Stillstand, in denen kein Abschleppdienst Zeit hat
Die Telefon-Zentrale der städtischen Verkehrspolizei rufe dann die Unternehmen in einer festen Reihenfolge reihum an, erläutert Markus Kalb von der städtische Verkehrspolizei im Straßenverkehrsamt. Falls ein Unternehmen einen Auftrag nicht annehmen könne, werde das nächste Unternehmen kontaktiert.
Sei die Reihe durch, fange das Ganze von vorne an. Der Stillstand, also die Zeit, wenn kein Unternehmen Kapazität habe, habe sich seit Frühjahr 2023 auf 220 Stunden summiert.
Bußgeld
Wer unzulässig auf dem Radweg hält oder parkt und dabei den Radverkehr behindert, zahlt 70 Euro Bußgeld und bekommt einen Punkt im Fahreignungsregister, das in Flensburg verwaltet wird. Ebenfalls einen Punkt und 70 Euro gibt es für Gehwegparken, das den Fußverkehr behindert.
Halten in zweiter Reihe mit Behinderung kostet 70 Euro plus einen Punkt in Flensburg.
Im Fahrraum von Schienenfahrzeugen parken und dabei die Straßenbahn oder U-Bahn behindern kostet 70 Euro plus ein Punkt. fle
Auf die Frage nach den Gründen für die abgelehnten Aufträge reagierten auf FR-Anfrage vier von fünf Unternehmen nicht. In einem Falle hieß es, es liege mitunter an der Kapazität.
Das Straßenverkehrsamt erfasst neben Kapazitätsgründen auch das Risiko, die erforderliche Frist von 30 Minuten nicht einhalten zu können, als Absagegrund. Manchmal gehe auch nur die Mailbox ran. Eine Sanktionierung einzelner Unternehmen sei aber nicht zielführend - schließlich brauche die Stadt die Unternehmen zum Abschleppen.
Aus Sicht des ADFC in Frankfurt ist diese Situation sehr unbefriedigend. „Für die Verkehrssicherheit ist es essentiell, das Falschparker zeitnah abgeschleppt werden“, sagte der Sprecher Ansgar Hegerfeld. Er findet die Zahl, 30 Absagen am Tag, zu hoch. Hegerfeld sagte, seiner Meinung nach gab es vor der europaweiten Ausschreibung weniger Probleme.
Bei nächster Ausschreibung von Abschleppungen will die Stadt Frankfurt nachbessern
Das kann das Straßenverkehrsamt aber so nicht bestätigen. Von März 2022 bis Februar 2023 wurden laut Ingmar Bolle 11 294 Abschleppungen durchgeführt; von März 2023 bis 19. Februar 2024 waren es 9 631 Mal - also etwa 15 Prozent weniger.
Weil die Situation weder für die Verkehrssicherheit, noch die Angestellten in der Telefonzentrale und wahrscheinlich genauso wenig für die Abschleppunternehmen erfreulich sei, wolle die Stadt bei der nächsten Ausschreibung nachsteuern, führte Markus Kalb aus.
Es bleibe aber bei der europaweiten Ausschreibung, wo ein Höchstpreis vorgegeben werde. In der Arbeitsgemeinschaft vor der Ausschreibung hätten die Unternehmen die Preise faktisch diktieren können. Erste Gespräche mit den Unternehmen habe es gegeben. Bis Sommer 2025 soll die nächste Vergabe erfolgen.
