VonChristoph Manusschließen
Kathrin Anders aus Bad Vilbel und Andreas Ewald aus Darmstadt führen jetzt die hessischen Grünen. Dieser setzte sich beim Parteitag in Frankfurt erst in der zweiten Stichwahl durch.
Die Bad Vilbeler Landtagsabgeordnete Kathrin Anders und der Darmstädter Ingenieur Andreas Ewald sind am Samstagnachmittag in Frankfurt zur neuen Doppelspitze der hessischen Grünen gewählt worden. Sie folgen auf Sigrid Erfurth und Sebastian Schaub, die jeweils nicht erneut kandidiert hatten.
Ewald wirkte extrem erleichtert, als er um kurz vor 15.30 Uhr mit Anders auf die Bühne im Casino der Stadtwerke trat. Dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Darmstadt war es erst im dritten Wahlgang gelungen, die absolute Mehrheit der Stimmen zu erhalten. Und das mit 55,5 Prozent auch noch relativ knapp vor Tobias Dondelinger aus Offenbach, für den 42,8 Prozent der 609 am Wahlgang teilnehmenden Mitglieder votierten. Der Landtagsabgeordnete Felix Martin aus dem Werra-Meißner-Kreis, der im ersten Wahlgang die drittmeisten Stimmen erhielt, hatte seine Kandidatur nach der zweien Abstimmung zurückgezogen.
Neuer hessischer Grünen-Chef wirbt für Politik der Verantwortung
Ewald hatte in seiner Rede für einen selbstbewussten Aufbruch in eine grüne Zukunft und eine Politik der Verantwortung geworben. Die größte Herausforderung bleibe die Klimakrise, sagte der 35-Jährige. Doch davon spüre er im Koalitionsvertrag von CDU und SPD nichts. Dabei sei er als Ingenieur überzeugt: „Wir haben alles, was es braucht, um klimaneutral zu werden.“ Wichtig sei es aber, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern, um die Menschen in Stadt und Land besser zu erreichen.
Dondelinger, Fraktionschef der Grünen in Offenbach, hatte für seine kämpferische Rede viel Applaus im Saal erhalten. „Wir müssen den Mut haben, zu dem zu stehen, was wir sind: Wir sind Idealisten, die für das Klima kämpfen, für die Vielfalt und dafür, dass alle die gleichen Rechte haben!“, rief dieser etwa. Martin hatte sich als Dorfkind und Sozialpolitiker vorgestellt und dafür geworben, Klimaschutz sozialgerecht zu gestalten. Ihm könnte es Stimmen gekostet haben, dass zuvor bereits seine Landtagskollegin Kathrin Anders als weibliche Vorsitzende gewählt worden war.
Neue Vorsitzende der hessischen Grünen will Bündnisse gegen Hass und Hetze
Die 41 Jahre alte Sozialpädagogin hatte sich mit 59,7 Prozent der Stimmen gegen die Königsteiner Rechtsanwältin Patricia Peveling durchgesetzt, Anders hatte in ihrer Rede dafür geworben, Hessen in Bündnissen mit Gewerkschaften, Kirchen und Initiativen gegen Rassismus, Antisemitismus, Hass und Hetze zu verteidigten. Das sei „Heimatschutz“. Auch die Grünen in den Orts- und Kreisverbänden hätten zunehmend mit Anfeindungen zu kämpfen. „Ich will euch damit nicht alleine lassen“, versprach sie,
Peveling hatte davor gewarnt, Landtagsabgeordnete in die Doppelspitze zu wählen und geraten, sich auf die grünen Wurzeln zu besinnen, „Wir sind beim Klimaschutz das Original und stehen für einen anderen Politikstil.“
