VonEike Zennerschließen
Welche Kandidaten haben in welchen Wahlkreisen bei der Bundestagswahl die besten Chancen? Ein Wahlforschungsinstitut errechnet für jeden Wahlkreis Gewinnwahrscheinlichkeiten.
Fulda/Berlin - Das unabhängige Wahlforschungsinstitut Election.de berechnet, welcher Wahlausgang in welchem der 299 Wahlkreise in Deutschland am wahrscheinlichsten ist. Dafür betrachten die Statistiker aktuelle Umfragen, bisherige Ergebnisse im Wahlkreis und auch die Beliebtheit der jeweiligen Direktkandidaten. Für jeden Wahlkreis werden so mehr als 100.000 mögliche Wahlausgänge simuliert, um die Gewinnwahrscheinlichkeit zu ermitteln.
Prognose zur Bundestagswahl: Diese Direktkandidaten haben die besten Chancen
Die Prognose für Fulda und Vogelsberg (Wahlkreis 173) sieht Michael Brand (CDU) mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit klar in Front. Der Wahlkreis ist seit Jahrzehnten fest in der Hand der CDU - und ist der Union auch 2025 wohl nicht zu nehmen. 2021 hatte Brand den Wahlkreis mit 38,1 Prozent der Erststimmen gewonnen.
Pierre Lamely (AfD) kommt in der Gewinn-Prognose von Election.de auf 1 Prozent Wahrscheinlichkeit. Die weiteren Direktkandidaten spielen in der Rechnung keine Rolle.
Im Wahlkreis 174 (Main-Kinzig-Wetterau II-Schotten) sehen die Statistiker einen Sieg des CDU-Kandidaten ebenfalls als wahrscheinlich an. Johannes Wiegelmann (CDU) liegt bei 85 Prozent Wahrscheinlichkeit, Jürgen Mohn (AfD) kommt auf 10 Prozent, Michael Neuner von der SPD auf 5 Prozent.
Video: Umfragen - Konnte CDU punkten?
Die Chancen der SPD auf Direktmandate sind in Nordhessen am größten. Und auch im Wahlkreis 168 (Werra-Meißner-Hersfeld-Rotenburg) sieht Election.de einen Sozialdemokraten in Front: Daniel Iliev kommt auf 74 Prozent, Wilhelm Gebhardt (CDU) auf 26 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit. Bislang vertritt Michael Roth (SPD) den Wahlkreis im Parlament, er kandidiert aber nicht erneut.
Im Wahlkreis Gießen (172), zu dem auch Teile des Vogelsbergkreises gehören, hat Frederik Bouffier (97 Prozent) die besten Chancen. Besonders klar ist das Bild in Unterfranken: Dorothee Bär (CSU) kommt in Bad Kissingen (Wahlkreis 247) auf 100 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit.
Insgesamt zeigt die Wahlkreis-Karte von Election.de mit Blick auf Deutschland einen schwarzen Westen - mit einigen roten und auch grünen Ecken - und einen blauen Osten. Abgesehen von Berlin hat die AfD im Osten gute Chancen, eine Vielzahl an Direktmandaten zu erringen.
Wichtig: Wenn Deutschlands Wählerinnen und Wähler am 23. Februar ihre Stimmzettel in die Urnen werfen, werden sie erstmals nach dem neuen Wahlrecht der Ampel-Koalition über die Zusammensetzung des nächsten Bundestages entscheiden. Durch die Wahlrechtsreform wird die Größe des Bundestages auf 630 Abgeordnete begrenzt.
Das hat Folgen für die Wahlkreis-Kandidaten. Denn mit der Reform wird die Zweitstimme wichtiger als bisher. Um ein errungenes Direktmandat sicher zu erhalten, muss dieses inzwischen durch das Zweitstimmenergebnis gedeckt sein. Bisher war es so, dass derjenige, der ein Direktmandat gewann, seinen Sitz im Bundestag sicher hatte. Dies ist jetzt nicht mehr zwangsläufig der Fall. Heißt: Nicht jeder Wahlkreis-Gewinner zieht auch in den Bundestag ein.
Neues Wahlrecht für zu Änderungen bei Bundestagswahl 2025
Eine Beispiel-Rechnung: Holt eine Partei in einem Bundesland 50 Direktmandate, nach dem Zweitstimmenergebnis stehen ihr aber nur 48 Mandate zu, dann gehen die beiden Direktkandidaten mit den schlechtesten Erststimmergebnissen leer aus.
In Hessen könnte das nach der Prognose von Election.de einen Wahlkreis in Frankfurt betreffen. Michael Brand muss sich - betrachtet man die Ergebnisse der vergangenen Wahlen und die Prognosen für die CDU in Hessen - keine großen Sorgen machen. (mit dpa-Material)
