VonStella Tringalischließen
Der Einzelhandel in der B-Ebene der Hauptwache fürchtet um seine Sicherheit.
Auch wenn die Frankfurter Hauptwache am Mittwochmorgen aussieht wie an jedem anderen Wochentag, ist das Unbehagen bei allen, die hier durcheilen, verweilen, schnell eine Kleinigkeit am Kiosk kaufen, oder ihren Geschäften nachgehen, zu spüren.
Gemurmelte Gespräche über das Geschehen am Vortag sind zu hören. Die Bahnen fahren wie üblich, Fahrgäste steigen ein und aus. Während der Sperrung am Dienstag mussten die Züge ohne Halt durchbrausen. Nichts lässt darauf schließen, dass an jenem Morgen eine funktionsfähige Handgranate bei einem der Läden gefunden wurde.
Um 4.36 Uhr morgens hat ein Mann, der sein Gesicht mithilfe einer Mund-Nasen-Maske und einer Kapuze unkenntlich gemacht hatte, den Sprengkörper offenbar dort abgelegt. Nach dem Verdächtigen wird aktuell gefahndet. Er soll sich zuvor auch in der C-Ebene aufgehalten haben, wo die U-Bahnen fahren, wie auf Überwachungsvideos, die den vermummten Mann zeigen, zu sehen ist. Davon will auch Enrico Sciarra gehört haben. Er arbeitet in dem E&M Media-Kiosk in der B-Ebene der Hauptwache und wollte gerade seinen Dienst antreten, als die Polizei die vielfrequentierte U- und S-Bahnstation absperrte. Die Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber sowie die Belegschaft haben laut Sciarra oben auf der Zeil vor dem Eingang zur Hauptwache auf Informationen gewartet, die sie „von rechts und links“ bekommen haben.
Der Einzelhandel auf der B-Ebene der Hauptwache fühlt sich schon länger unsicher in Frankfurt, besonders nach Anschlägen in anderen europäischen Großstädten wie Brüssel, Berlin oder Paris. Enrico Sciarra glaubt, dass der Fund der Handgranate mit dem Wiederaufflammen des Nahostkonflikts zu tun hat. Der junge Mann sieht aber nicht die Polizei in der Verantwortung, sondern die Politik: „Es wird viel schwarz und weiß gesehen. Ich wünsche mir von unseren Politikern, dass sie die Spaltung der Gesellschaft verhindern statt weiter voranzutreiben“, sagt er. In der Allianz Passage ist der lange Gang um 12 Uhr am Mittwoch noch menschenleer. Bei „Handy Bades“ berät Bouza Lmat-Mohamed gerade eine Frau in Sachen geeignetes Smartphone-Zubehör. Als der Geschäftsmann auf die Handgranate angesprochen wird, nickt er wissend. Er glaubt, dass es „einfach ein Verrückter“ war. Trotzdem fühlt er sich nicht sicher und wünscht sich mehr Polizei vor Ort. Er weiß, vor welchem Geschäft in der B-Ebene die Handgranate gelegen haben soll.
Fahndung
Die Kriminalpolizei sucht Zeugenaussagen und bittet um Hinweise zu dem Handgranaten-Fund an der Hauptwache. Diese erreichen Sie unter der Telefonnummer 069 755 53110.
Weitere Fahndungsfotos online unter: https://k.polizei.hessen.de/1105957958
Der betroffene Ladenbesitzer bestätigt zwar der FR gegenüber, dass die Handgranate in der unmittelbaren Nähe seines Ladens abgelegt worden war, möchte sich aber nicht dazu äußern. „Ich habe Angst“, sagt er.
Diese Angst und Unsicherheit begleitet auch die Menschen, die an einem der größten Verkehrsknotenpunkte Frankfurts unterwegs sind. „Das Sicherheitsgefühl leidet“, findet etwa Henri Klein. Er steht an einem der Pfeiler und isst Mie-Nudeln aus einer kleinen Papp-Box. Er pendelt jeden Tag nach Frankfurt, nur gestern konnte er an der Hauptwache nicht aussteigen. In letzter Zeit habe er auch nicht viele Polizeibeamte gesehen, sagt er und weist mit dem Kopf auf zwei Polizisten, die mit ihren Handys beschäftigt scheinen.
Brigitte Thomas läuft auf ihrem Weg zur U-Bahn an den Beamten vorbei. Sie wirkt gelassen: „Mehr Polizei wäre schön“, sagt sie, „aber sowas wie gestern kann überall passieren. 100 Prozent sicher kann man nirgends sein“.
