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Franz Viohl- Thomas Thiele
Florian Hagemann- Gerd Henke
Gibt es bald ein Handyverbot an allen Schulen? Hessens Kultusminister Schwarz plädiert dafür.
Kreisteil Hofgeismar – Minister Armin Schwarz (CDU) plädiert für eine bundesweit einheitliche Regelung und will das Thema auf der nächsten Bildungsministerkonferenz im Dezember mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern besprechen. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt er: „Es geht bei dem Vorstoß darum, die Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen. Sie brauchen eine Schutzzone, in der sie nicht von ihren Handys abgelenkt werden.“
Schwarz erklärte, es müssten pragmatische und unbürokratische Regelungen geschaffen werden. Über die verschiedenen Ansätze ließe sich dabei reden.
„Striktes Verbot macht keinen Sinn“
Bei den Schulen in Stadt und Landkreis stößt die Aussicht auf ein Handyverbot auf ein geteiltes Echo. „Ein striktes Verbot macht keinen Sinn“, sagt Christine Saure, Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Kaufungen. Das Smartphone gehöre bei Jugendlichen zum Leben dazu. Die Schule könne es nicht verbannen. „Und das Mobbing unter Schülern findet auch in der Freizeit statt“, so Saure. Vielmehr könne die Schule helfen, Medienkompetenz zu vermitteln.
Anders sieht es Cornelia Schein von der Grundschule Harleshausen. Dort sind die Geräte grundsätzlich verboten. „Kein Kind braucht ein Handy auf dem Pausenhof“, so die Schulleiterin. Bei weiterführenden Schulen sei ein pauschales Verbot jedoch nicht unbedingt sinnvoll.
Regeln je nach Alter
Für unterschiedliche Regeln je nach Alter plädiert auch Joachim Bollmann, Schulleiter des Kasseler Goethe-Gymnasiums. „Ich begrüße den Vorschlag des Kultusministers, aber bei älteren Schülern sollte das Handy erlaubt sein.“ In den Klassen 9 bis 13 würden Smartphones im Unterricht eingesetzt.
Über dramatische Folgen der Handynutzung berichtet Tabita Lenhard von der Diakonie. Sie berät Jugendliche, die unter Depressionen und Schlafstörungen leiden.
„Vorschlag richtig gut“
„Den Vorschlag finde ich richtig gut“, begrüßt Driton Mazrekaj den Vorstoß von Hessens Kultusminister Armin Schwarz zu einem einheitlichen Handy-Verbot an Schulen. Der Schulleiter der Marie-Durand-Schule in Bad Karlshafen sieht in Handys „ein riesiges Ablenkungspotenzial“, das die Konzentration der Schülerinnen und Schüler beeinflusst. Ein Verbot widerspreche nicht dem Gedanken, die Digitalisierung an Schulen zu forcieren. Denn im Unterricht würden digitale Geräte, wo es sinnvoll ist, auch genutzt. In der freien Handynutzung in der Schule allerdings sieht der Schulleiter der IGS großes Konfliktpotenzial. Mit Fotos und Posts würden Mitschüler oft gemobbt. Daher habe man in der Schulkonferenz bereits ein schulinternes Handy-Verbot beschlossen. „Wer im Unterricht oder auf dem Schulhof mit dem Handy erwischt wird, dem wird es abgenommen“, sagt der Leiter der IGS. Erst nach Schulschluss könne es wieder abgeholt werden.
An der Gustav-Heinemann-Schule in Hofgeismar gibt es schon seit vielen Jahren ein generelles Handyverbot auf dem gesamten Schulgelände. Schüler dürfen die Geräte zwar mitnehmen, aber nicht nutzen. Abschreckend ist nach Worten der Schule die hohe Strafe, denn bei Verstößen würden die Geräte den Schülern abgenommen und erst um 15 Uhr wieder ausgehändigt. Das ist so auch in der Schulordnung festgelegt. Ähnlich regelt das auch die Heinrich-Grupe-Schule in Grebenstein. Von der Schulleitung war dort gestern zwar keine Stellungnahme zu den Plänen des Ministers zu erhalten, aber ein Verweis auf die Schulordnung. Diese regelt, dass „Handys und andere multimediale Geräte ausgeschaltet“ sein müssen. Im Unterricht werden die Geräte in eine Box am Lehrerpult abgelegt. Eine Benutzung im Unterricht erfolgt nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Lehrkraft.
Bei Regelverstoß wird Handy eingezogen
Auch an Grundschulen sind Handys mitunter schon ein Problem. An der Würfelturmschule in Hofgeismar beispielsweise, der größten Grundschule im Landkreis, gelten für Handys und Smartwatches strenge Regeln. Ein einheitliches Verbot wäre eine große Hilfe, weil es Rechtfertigungen und Diskussionen ersparen würde, erklärt Konrektor Ilfen Celik. Grundsätzlich komme das Problem aber eher selten vor. Da der Schulweg in der Verantwortung der Eltern liegt, akzeptiert die Schule, dass manche Eltern wegen eventueller Probleme auf dem Schulweg ihre Kinder mit einem Handy oder einer Smartwatch ausstatten. Das Handy muss aber vor Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet werden, soll im Schulranzen aufbewahrt und darf erst wieder nach dem Verlassen des Schulgeländes einschließlich der Bushaltestelle eingeschaltet werden. Bei einer Smartwatch darf nur die Uhrzeitfunktion im Unterricht eingeschaltet sein. Bei Regelverstößen werden die Geräte eingezogen und den Eltern ausgehändigt. Die Schule empfiehlt zudem, die Handys der Kinder funktionell einzuschränken (nur Telefonie und SMS).
Die Wolfhager Walter-Lübcke-Schule regelt den Umgang per Handy-Ordnung. „Es gibt Regeln. Wir haben eine Handy-Ordnung an der Schule, die auch im Schulplaner abgedruckt ist“, sagt der stellvertretende Schulleiter Florian Pohlmann. Unter anderem ist darin festgehalten, dass ab der 1. Schulstunde Handys auszuschalten und wegzupacken sind. Eingeschaltet werden sie nur im Unterricht, wenn der Lehrer es erlaubt und mit Gerät etwas recherchiert werden soll. Wenn die das Schulgelände verlassen ist, können die Schüler mit ihren Smartphones wieder tun und lassen, was sie wollen.
Auch während der Pausen dürfen die Geräte nicht eingeschaltet werden. „Knackpunkt ist die große Pause“, sagt Pohlmann. Denn wenn ein Schüler über sein Smartphone den Vertretungsplan einsehen möchte, „fängt die Grauzone an. Da ringen wir, was sind sinnvolle und durchsetzbare Regeln, die eingefordert und umgesetzt werden können“. Ein Handy bei Fahrschülern habe unbestritten Vorteile. Es sei den Eltern schwer vermittelbar, dass die Geräte zuhause bleiben müssen. (Franz Viohl, Florian Hagemann, Thomas Thiele, Gerd Henke)

