VonOliver Teutschschließen
Der Hauptbahnhof wird 135 Jahre alt, soll aber noch groß rauskommen. Zur EM 2024 soll dann die B-Ebene zumindest teilweise wieder geöffnet werden.
Kein denkmalgeschütztes Gebäude in Frankfurt hat eine so hohe Funktionalität wie der Hauptbahnhof. In dem am 18. August 1888 eröffneten Kopfbahnhof fahren täglich rund 1800 Züge ein und aus, etwa 500 000 Reisende werden gezählt. Der Frankfurter Hauptbahnhof ist nicht nur eines der Drehkreuze der Republik, sondern neben den deutschen Pendants in München und Leipzig auch einer der flächenmäßig größten in Europa.
Besonders stolz sind die Einheimischen ob dieser Rekorde aber nicht. Das liegt vor allem an dem wenig vorzeigbaren Umfeld und dem in die Jahre gekommenen Inneren. Die B-Ebene des Bahnhofs ist seit drei Jahren geschlossen, viele Auf- und Abgänge sind mit Sperrholz und Stacheldraht abgeriegelt, was auf ankommende Gäste, gelinde gesagt, wenig einladend wirkt.
Damit sich das wieder ändert, investieren Stadt, Bund und Deutsche Bahn alleine im ersten Bauabschnitt 375 Millionen Euro. Insbesondere in den Untergeschossen und im Nordteil des Bahnhofs werden Umbauten vorgenommen, gegen welche die von 2002 bis 2006 erfolgte Erneuerung der Bahnsteighallendächer nur eine kosmetische Verschönerung war.
Drei von der Deutschen Bahn jetzt veröffentlichte Zahlen verdeutlichen die Dimension des Umbaus in den Untergeschossen ganz gut: Die Bauarbeiten erstrecken sich auf einer Fläche von zwölf Fußballfeldern. Die Wege und Gänge in den Katakomben sind inklusive Technik- und Lagerräumen elf Kilometer lang. Und seit dem Beginn der Bauarbeiten im Herbst 2020 wurden aus der 1978 in Betrieb genommenen B-Ebene und den darunter liegenden Geschossen 150 Tonnen schadstoffbelastete Abfälle abtransportiert.
Anbindung an Fernbahntunnel
Bis zur Fußball-Europameisterschaft im Juni 2024 sollen Teile der dann vollständig neu strukturierten B-Ebene wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und damit wohl auch die unschönen Barrikaden an den Zugängen verschwunden sein. Auch ansonsten wird der Hauptbahnhof aufgehübscht. Eine Deckenöffnung zur Schalterhalle soll die B-Ebene mit einem großzügigen Lichthof versehen und sie heller und freundlicher machen. Bei der Sanierung im Nordteil sollen Vorbauten verschwinden und die Natursteinfassade nach historischem Vorbild wieder freigelegt werden.
Die umfangreichen Bauarbeiten bedeuten nach Angaben der Deutschen Bahn aber nicht nur eine Modernisierungs-, sondern auch eine „Kapazitätsoffensive“. Zum einen, weil bei den Arbeiten im Untergrund bereits an eine künftige Anbindung des geplanten Fernbahntunnels mit unterirdischen Gleisen gedacht werde. Zum anderen, weil zu den bislang vorhandenen 25 oberirdischen Gleisen ein weiteres hinzukommen soll. Zwar endet die Nummerierung der Gleise bei 24, die Bahn weist aber darauf hin, dass es ein zweigeteiltes Gleis 1 und 1a gibt. Bei der Eröffnung im August 1888 verfügte der Bahnhof lediglich über 18 Gleise. Daher ist es sicherlich nicht ganz verkehrt, wenn die Bahn ihre Modernisierungsoffensive mit dem Slogan „135 Jahre alt, aber fit wie nie“ bewirbt.
Denn schließlich heißt es auch bei den täglich 1800 Zügen zu 300 Zielen im In- und Ausland: „Tendenz steigend“.
