Welche Kosten kommen mit der Grundsteuerreform auf Immobilienbesitzer zu? Die Frage kann erst beantwortet werden, wenn eine Kommune ihre neuen Hebesätze beschlossen hat. Das Land macht nun Vorschläge.
Wiesbaden/Fulda - Im Zuge der Grundsteuerreform empfiehlt das Land Hessen 344 Kommunen, ihren Hebesatz zur Berechnung der Abgabe zu senken. 72 Städte und Gemeinden sollten diesen Prozentsatz dem Vorschlag zufolge erhöhen und 5 Kommunen sollten den bisherigen Wert beibehalten, wie Finanzminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden erläuterte.
Grundsteuerreform: Land Hessen empfiehlt niedrigere Hebesätze für viele Kommunen
Der Hebesatz ist im Gemeindesteuerrecht die Bezeichnung für einen Faktor, mit dem die Steuerschuld ermittelt wird. Von diesem hängt es ab, welche Kosten nach der Grundsteuerreform auf Immobilienbesitzer zukommen.
Die Grundsteuer B wird deutschlandweit reformiert, von 2025 an gelten neue Berechnungsgrundlagen. Politisches Ziel ist eine Aufkommensneutralität - eine Kommune soll also mit dem neuen Recht etwa gleich viel Grundsteuer einnehmen wie 2024. Maßgebliche Stellschraube dafür ist der Hebesatz.
| Gemeinde | Aktueller Hebesatz B | Empfehlung des Landes | Anpassung (in Prozentpunkten) |
| Fulda | 340 % | 312,85 % | - 27,15 |
| Hünfeld | 300 % | 189,52 % | - 110,48 |
| Künzell | 330 % | 309,50 % | - 20,50 |
| Petersberg | 365 % | 342,60 % | - 22,40 |
| Gersfeld | 600 % | 364,83 % | - 235,17 |
| Schlüchtern | 400 % | 257,02 % | - 142,98 |
| Schlitz | 625 % | 413,39 % | - 211,61 |
Um die Reform vorzubereiten, wurden Grundstücks- und Immobilieneigentümer verpflichtet, Grundsteuererklärungen mit etlichen Informationen abzugeben. Mit der Reform wird erwartet, dass Gemeinden ihre Hebesätze anpassen. Die Empfehlungen des Landes sind für die Kommunen nicht bindend. Erst wenn eine Kommune ihre Hebesätze für 2025 beschlossen hat, kann ausgerechnet werden, wer wie viel Grundsteuer zahlen muss.
| Gemeinde | Aktueller Hebesatz A | Empfehlung des Landes | Anpassung (in Prozentpunkten) |
| Fulda | 220 % | 143,95 % | -76,05 |
| Hünfeld | 300 % | 236,12 % | -63,88 |
| Künzell | 310 % | 234,78 % | -75,22 |
| Petersberg | 332 % | 334,24 % | 2,24 |
| Gersfeld | 600 % | 298,00 % | -302,00 |
| Schlüchtern | 340 % | 163,21 % | -176,79 |
| Schlitz | 625 % | 588,36 % | -36,64 |
Die Vorschläge für die Hebesätze basieren auf rein rechnerischen Ergebnissen, die laut Ministerium „unverändert und transparent“ veröffentlicht werden. Die bisherigen Hebesätze sowie die vorgeschlagenen Anpassungen für alle Kommunen in Hessen finden Sie hier. Es wurde für jede Kommune das gesamte Volumen der Steuermessbeträge aller Grundstücke nach altem und neuem Recht verglichen. Die Veränderung dieser Summe bestimmt, wie der jeweilige Hebesatz angepasst werden müsste, um Aufkommensneutralität zu erreichen.
Auch die Stadt Fulda betont in einem Statement, dass die 2025 in Fulda tatsächlich geltenden Hebesätze von den Empfehlungen des Landes Hessen abweichen könnten. „Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt können sich somit nicht darauf berufen“, heißt es seitens der Stadt. Es seien zudem auch noch nicht alle Messbeträge neu ermittelt.
Was ist die Grundsteuer?
Die Grundsteuer ist eine rein kommunale Steuer. Alle 421 Städte und Gemeinden in Hessen dürfen sie erheben und den Hebesatz selbst festlegen. Die Steuer wird auf inländischen Grundbesitz erhoben.
Neben der Grundsteuer B für unbebaute und bebaute Grundstücke sowie Eigentumswohnungen gibt es noch die Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliche Betriebe und deren Flächen.
Die Einnahmen gehen an die Kommunen. 2023 flossen aus der Grundsteuer 1,36 Milliarden Euro an hessische Kommunen. Mit dem Geld werden etwa Kindergärten oder die örtliche Infrastruktur finanziert.
Das Land habe teilweise wegen noch fehlender Daten die Lücken per Berechnung durch Künstliche Intelligenz aufgefüllt, weshalb insgesamt noch Ungenauigkeiten bestünden. „Die Stadt muss, wenn alle neuen Bemessungsgrundlagen vollständig erfasst sind, eine eigene Berechnung der neuen Hebesätze vornehmen“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.
Auch die Frage, was diese Empfehlung nun für den einzelnen Steuerzahler konkret bedeute, könne nicht pauschal beantwortet werden. „Zwar werden die Hebesätze in der Stadt Fulda im Jahr 2025 voraussichtlich sinken. Daraus kann aber nicht zwingend abgeleitet werden, dass weniger Steuern zu zahlen sind, da sich die Bemessungsgrundlagen (Grundsteuermessbeträge) geändert haben.“ Insofern müsse jeder Fall individuell betrachtet werden.
Video: Grundsteuerreform 2025 - Was Eigentümer jetzt wissen müssen
Die alten Hebesätze enden mit Ablauf dieses Jahres, daher muss jede Kommune einen neuen Faktor für 2025 festlegen. Dafür hat sie bis 30. Juni 2025 Zeit. Nach dem Beschluss über den Hebesatz wird der Grundsteuerbescheid an die Bürger verschickt. Erst aus diesem Papier geht dann ganz konkret hervor, wie viel Grundsteuer 2025 an die Kommune gezahlt werden muss. (mit dpa-Material)