VonJutta Rippegatherschließen
Von der Tarifeinigung profitieren 160 000 Landesbeschäftigte. Die Beamtenschaft soll gleichziehen.
Das Land Hessen und die Gewerkschaften haben sich am Freitag auf einen Tarif für den öffentlichen Dienst verständigt. „Die Einigung bringt deutlich mehr Geld für die Beschäftigten in Hessen sowie besondere Attraktivitätssteigerungen für Fachkräfte“, sagte Innenminister Roman Poseck (CDU), Verhandlungsführer des Landes.
3000 Euro Sonderzahlung
Auf eine steuerfreie Sonderzahlung von insgesamt 3000 Euro im laufenden Jahr folgt demnach „ein ordentliches Lohnplus“ von monatlich 200 Euro zuzüglich 5,5 Prozent im kommenden Jahr. Eine Anhebung der Jahressonderzahlung sowie „weitere hessenspezifische Verbesserungen“ kommen hinzu, so Poseck. Bei der Fachkräftezulage konnte eine hessenspezifische Sonderregelung vereinbart werden. „Diese Ergebnisse verfolgen auch das Ziel, dass Hessen im Wettbewerb um die besten Köpfe weiterhin eine gute Rolle spielt“, sagte Poseck. Das bewährte Landesticket werde fortgesetzt. Die hessischen Grünen hatten dies am Donnerstag in Zweifel gezogen. „Behauptungen im politischen Raum, das Landesticket stehe vor dem Aus, entbehren jeder Grundlage“, so der Innenminister. Für ihn zeige der Tarifvertrag abermals die Vorteile der Sonderrolle Hessens, das als einziges Bundesland allein verhandelt. „So sind punktgenaue Vereinbarungen möglich.“ Er werde sich dafür einsetzen, dass das Verhandlungsergebnis eins zu eins auf die Besoldung und Versorgung der Beamt:innen und Richter:innen übertragen werde, sagte Poseck.
Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) ergänzte, dass das Land sich verpflichte, studentischen Hilfskräften einen Mindeststundenlohn von 13,46 Euro zu zahlen und diesen künftig entsprechend den Tarifsteigerungen zu erhöhen. Auch die Regelmindestbeschäftigungsdauer von einem Jahr und ein Regelbeschäftigungsvolumen von zehn Wochenstunden seien vorgesehen.
Die Eckpunkte
Inflationsausgleich in Höhe von 3000 Euro, steuer- und sozialabgabenfrei mit dreistufiger Auszahlung. Die Tabellenentgelte steigen um 200 Euro als Sockelbetrag ab 1. Februar. Im August 2025 noch mal um 5,5 Prozent (mindestens 340 Euro).
Ausbildungs - und Praktikantenentgelte steigen im Februar um 100 Euro, im August danach um weitere 50 Euro.
Die Jahressonderzahlung bis Entgeltgruppe 8 erhöht sich auf 90 Prozent, ab Entgeltgruppe 9a auf 60 Prozent.
Zeitgleiche und systemkonforme Übertragung der linearen Einkommensverbesserungen auf Beamtinnen und Beamte sowie auf Versorgungsempfängerinnen und -empfänger.
Laufzeit bis 31. Januar 2026. jur
„Wir haben einen akzeptablen Abschluss erzielt“, sagte Heini Schmitt, Landesvorsitzender des Deutschen Beamtenbunds. Im Bundesvergleich bleibe Hessen weiter leicht über dem Niveau. Mit der Übertragung des Ergebnisses auf die Beamt:innen sei es gelungen, einzelne Gruppen nicht gegeneinander auszuspielen. Die Gewerkschaften hätten um jeden Prozentpunkt gerungen, so die Gewerkschaft der Polizei. Die Arbeitgeberseite habe sich im Vorfeld schnell einseitig positioniert. „Die Inflationsausgleichszahlung ist längst überfällig.“
Hessen geht Sonderweg
Die Einigung betrifft rund 55 000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes des Landes. Einschließlich der Beamtinnen und Beamten sind es mehr als 160 000. Hessen ist als einziges Bundesland nicht im Arbeitgeberverband Tarifgemeinschaft deutscher Länder.
