Bevölkerungsstudie

Hessen: Mehr Menschen ziehen aufs Land

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Blick vom Hoherodskopf in Hessen: Ländliche Gegenden sind beliebt. Foto: dpa
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Neue Landlust in Hessen: Vor allem junge Menschen und Familien ziehen wieder verstärkt von der Stadt aufs Land. Den Trend zur Überalterung ländlicher Gebiete gleicht das aber nicht aus.

Die Menschen in Hessen zieht es wieder aufs Land. Kleinstädte und ländliche Gemeinden, die noch vor rund 15 Jahren unter schrumpfenden Einwohnerzahlen litten, haben in den vergangenen Jahren vermehrt Zuzüge erlebt. Das gilt für den Zeitraum 2019 bis 2021 für drei Viertel der hessischen Landgemeinden, 83 Prozent der größeren Kleinstädte und sogar 88 Prozent der kleineren Kleinstädte bis 10 000 Bewohner:innen. Hessens Großstädte wie Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Kassel erleben hingegen eine Abwanderung.

Das sind zentrale Ergebnisse einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die von der hessischen Landesregierung in Auftrag gegeben worden ist. Für die knapp 30 Seiten umfassende Studie „Vom Bleiben und der Rückkehr aufs Land – Wie sich das Wanderungsgeschehen in Hessen gewandelt hat“ haben drei Wissenschaftler:innen Daten des Statistischen Landesamts sowie der Statistischen Ämter anderer Länder und des Bundes ausgewertet. Die Auswertung umfasst die Jahre 2008 bis 2021 und konzentriert sich auf den Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Zu- und Wegzügen je 1000 Einwohner:innen.

Hessen: Den Trend zum Leben auf dem Land gibt es seit 2017

Den Trend zum Leben auf dem Land gibt es den Autor:innen zufolge schon seit dem Jahr 2017, er hat durch die Coronavirus-Pandemie und den Wandel der Arbeitswelt hin zu mehr Homeoffice aber einen deutlichen Schub erfahren. Für Bevölkerungszuwachs auf dem Land sorgen demnach vor allem junge Familien, die größere Städte verlassen, und junge Leute vom Land, die nach der Schule gar nicht erst in die Ballungsräume ziehen.

Die Zahlen

Die Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt, dass mehr Menschen aufs Land ziehen. Von 2019 bis 2021 haben Landgemeinden demnach 3,8 Bürger:innen pro 1000 Einwohner:innen gewonnen, kleine Kleinstädte 4,8 und größere Kleinstädte 4,3. Großstädte haben dagegen 0,7 Einwohner:innen je 1000 Bewohner:innen verloren.

Der Trend hat sich damit umgekehrt: 2009 bis 2011 zogen noch mehr Menschen vom Land in die Städte.

Den Prozess des Schrumpfens und Alterns ländlicher Gebiete kann der vermehrte Zuzug laut Studie allerdings nicht aufhalten: Von den 344 Gemeinden, die zwischen 2019 und 2021 mehr Zuzüge verzeichneten, ist trotzdem mehr als jede dritte geschrumpft. Dennoch könne der ländliche Raum von jungen Familien profitieren, die sich in lokalen Vereinen und Initiativen engagieren könnten, die Nachfrage vor Ort vergrößerten und zudem neue Lebens- und Geschäftsideen mitbrächten.

Hessen: Hohe Mieten treiben die Menschen aus der Stadt

Den zentralen Grund für die Tendenz zum Landleben sehen die Autor:innen in den steigenden Mietpreisen in den Städten. Im vorigen Jahr habe eine Mietwohnung in Frankfurt im Schnitt doppelt so viel gekostet wie Wohnungen im Vogelsberg- oder Werra-Meißner-Kreis. Studierende blieben zunehmend bei ihren Eltern wohnen, weil sie sich keine eigene Wohnung im Studienort leisten könnten oder wollten. Außerdem ermögliche der Trend zum Homeoffice vielen Menschen das Leben auf dem Land; während der Pandemie sei zudem bei Stadtbewohner:innen die Unzufriedenheit mit dem Wohnumfeld gewachsen.

Für Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) belegt die Studie die Attraktivität des ländlichen Raums. Mehr als die Hälfte der Hessinnen und Hessen lebe auf dem Land, sagte der Regierungschef in Wiesbaden. „Land hat Zukunft. Die Landesregierung wird die ländlichen Räume daher weiter stärken.“

Hessen: Drei Milliarden für den ländlichen Raum

Zuletzt hatte die schwarz-grüne Koalition angekündigt, bis zum Ende kommenden Jahres drei Milliarden Euro für die Förderung ländlicher Gegenden bereitzustellen. Die SPD wirft der Regierung schon länger vor, den ländlichen Raum zu vernachlässigen. (Hanning Voigts)

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