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Die Frankfurter Uniklinik hofft auf Finanzhilfe vom Land. Hacker-Attacken nehmen zu. Die Behörden sind seit dem Ukrainekrieg noch wachsamer.
Frankfurt – Seit einem Vierteljahr kämpft das Universitätsklinikum Frankfurt mit den Folgen des Hackerangriffs auf das IT-System. Allmählich offenbaren sich die Dimensionen, Jürgen Graf nennt erstmals Zahlen. Der Ärztliche Direktor geht wegen der Folgekosten von einem Schaden in siebenstelliger Höhe aus – obwohl keine sensiblen Daten abgegriffen worden waren.
Mitte Oktober hat ein Mitarbeiter bei einer Routinekontrolle entdeckt, dass ein Externer versuchte, in das System einzudringen. Dies konnte verhindert werden – um den Preis, dass das Internet der Klinik runtergefahren wurde. Gearbeitet wurde fortan wieder vermehrt mit Faxgeräten, Papier, Terminabsprachen fanden telefonisch statt.
Hacker-Angriffe nehmen zu – Polizei seit Beginn des Ukraine-Krieges noch wachsamer
Nach wie vor bestehe ein internes und – davon getrennt – ein externes IT-System für die Kommunikation nach außen, sagt Kliniksprecher Christoph Lunkenheimer. In der Krankenversorgung sei eine Kommunikation der verschiedenen Fachgebiete nach außen aber inzwischen wieder möglich – wenn auch nach wie vor mit Einschränkungen. „Wir stärken gerade weiter unser System“, ergänzt Graf. Auch in nächster Zeit sollen in Hessens größtem Krankenhaus weitere Systeme wieder online gehen.
In der Verwaltung etwa sind nach Angaben des Kliniksprechers die meisten IT-Systeme wieder mit externen Partnern vernetzt. Mit größerer Kraftanstrengung sei es wieder möglich, digital Bestellungen zu tätigen und Rechnungen zu schreiben.
Die Einschränkungen seien aber immer noch erheblich, berichtet Graf. In den kommenden Monaten sollen die Weichen für den Aufbau des zukünftigen IT-Systems gestellt werden. Trotz aller negativen Auswirkungen habe der Hackerangriff auch etwas Positives. Man habe nun die Chance, das System für die Zukunft zu planen und von Grund auf technisch sinnvoll aufzusetzen, ohne an gewachsene Strukturen gebunden zu sein.
IT-Sicherheitsvorfall an Uniklinik in Frankfurt sorgt für Millionenschaden
Die durch den IT-Sicherheitsvorfall entstehenden Sonderkosten fließen in den Gesamthaushalt des Universitätsklinikums ein. Die Landeshaushaltsordnung Hessen sieht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit einer Kompensation vor. Hierzu stehe das Universitätsklinikum mit dem Land Hessen als Träger in einem engen Austausch.
Die Uniklinik ist kein Einzelfall. Immer häufiger werden auch Kommunen oder Energieversorger Opfer von Hackerattacken. „Vor dem Hintergrund des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine hat sich eine allgemeine Verschärfung der Cyberbedrohungslage eingestellt“, bestätigt das hessische Innenministerium. Alleine im vergangenen Jahr seien dem Ministerium 25 Vorfälle von Kommunen gemeldet worden. Aber Gemeinden, Kreise oder Firmen sind gegenwärtig nicht verpflichtet, so etwas zu melden. „Die Mehrzahl der Fälle stellt niederschwelligere Angriffsformen dar, bei denen keine Daten abgeflossen sind oder Systeme komplett zum Erliegen gebracht wurden.“
Hacker-Angriffe nehmen zu: Auch Stadtverwaltung in Rodgau getroffen
Der gravierende Fall der Stadtverwaltung Rodgau (Kreis Offenbach) ist demnach eher die Ausnahme: Dort kam es vor einem Jahr zu einem kompletten Systemausfall wegen eines Hackerangriffs.
„Die Erhöhung der Cybersicherheit und Widerstandsfähigkeit von IT-Systemen gegen Cyberbedrohungen im kommunalen Bereich ist in Hessen ein Schwerpunkt“, heißt es beim Innenministerium. Hierzu sei 2022 ein Ausbildungszentrum ins Leben gerufen worden. Alle 21 Landkreise in Hessen sowie vier der fünf kreisfreien Städte hätten ihr Interesse an einem dreitägigen Schulungsprogramm bekundet. (Jutta Rippegather/Steven Miksch/dpa)
Hilfe
Das hessische CyberCompetenceCenter Hessen3C arbeitet seit 2019 daran, die Sicherheit in der Informationstechnik zu erhöhen, Gefahren durch Cybercrime abzuwehren und die Cyberkriminalität besser zu bekämpfen.
Die dort beschäftigten IT-Experten sind keine Polizeiermittler, sondern unterstützen etwa Unternehmen im Fall einer Cyberattacke. Über eine Hotline sind die Fachleute rund um die Uhr erreichbar. Hessen3C gehört zum hessischen Innenministerium. dpa

