Rechtsextremismus

Hessen: Neonazi-Razzia im nordhessischen Bad Wildungen

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Polizisten sichern beim Auftakt des Prozesses gegen „Knockout 51“ am Oberlandesgericht Jena im August den Gerichtssaal. Foto: dpa
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Eine 19-Jährige aus Bad Wildungen in Nordhessen soll die militante Gruppierung „Knockout 51“ aus Thüringen unterstützt haben.

Bei einer großangelegten Razzia gegen Thüringer Neonazis aus dem Umfeld der militanten Gruppierung „Knockout 51“ hat es am Mittwochmorgen auch eine Hausdurchsuchung in Nordhessen gegeben. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage sagte, sei in Bad Wildungen im Landkreis Waldeck-Frankenberg die Wohnung einer 19-Jährigen durchsucht worden. Der jungen Frau werde die Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Weitere Details wollte der Sprecher mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Am frühen Mittwochmorgen hatte die Thüringer Polizei mit etwa 200 Einsatzkräften insgesamt 16 Wohnungen durchsucht, vor allem in Eisenach, aber auch in Jena und die bereits genannte in Nordhessen. Die Ermittlungen richten sich gegen zwölf Beschuldigte im Alter von 16 bis 59 Jahren, ein 21-Jähriger wurde am Mittwoch festgenommen.

Hessen: Es geht um Waffen- und Gewaltdelikte

Allen Beschuldigten wird der Staatsanwaltschaft Gera zufolge die Mitgliedschaft, überwiegend jedoch die Unterstützung der mutmaßlich kriminellen Vereinigung „Knockout 51“ vorgeworfen. Außerdem geht es auch um Waffen- und Gewaltdelikte.

Bei „Knockout 51“ handelt es sich um eine militante Gruppierung aus der rechtsextremen Kampfsportszene. Die Gruppe soll ab 2019 in Eisenach und Erfurt, aber auch in ganz Thüringen versucht haben, durch gewaltsames Auftreten politische Gegner:innen einzuschüchtern und einen „Nazikiez“ zu etablieren. Dabei sollen Mitglieder auch für den Straßenkampf trainiert und die Tötung von Linken geplant haben. „Knockout 51“ soll bundesweit mit der rechtsextremen Szene vernetzt sein.

Hessen: Vier Mitglieder stehen bereits vor Gericht

Seit August wird vier mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppe vor dem Oberlandesgericht Jena der Prozess gemacht, unter ihnen Bastian A. aus dem hessischen Rotenburg an der Fulda. In dem Prozess geht es unter anderem um die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, schwere Körperverletzung und versuchte Gefangenenbefreiung. Einer der Angeklagten soll zudem versucht haben, mit einem 3-D-Drucker eine Maschinenpistole herzustellen. Die Anklage wird von der Bundesanwaltschaft vertreten, die bundesweit für schwerste politisch motivierte Gewalttaten und Terrorismus zuständig ist.

Die vier Männer waren bei einer bundesweiten Polizeiaktion im April festgenommen worden, die sich gegen „Knockout 51“, aber auch gegen Ableger der aus den USA stammenden „Atomwaffen Division“ und das verbotene Nazinetzwerk „Combat 18“ richtete. Neben der Durchsuchung bei Bastian A. hatte es damals auch Hausdurchsuchungen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, in Kassel sowie im Landkreis Fulda und im Landkreis Limburg-Weilburg gegeben. Die hessische und die thüringische Naziszene gelten schon seit den 1990er Jahren als traditionell eng miteinander verknüpft. (Hanning Voigts)

Lesen Sie hier, wie sich die große Polizeiaktion gegen Knockout 51 im April abgespielt hat.

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