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Nachdem ein Foto von ihm und einem Kader von „Combat 18“ aufgetaucht ist, ist der hessische Landtagsabgeordnete Sascha Herr aus der AfD ausgetreten.
Der frisch gewählte hessische Landtagsabgeordnete Sascha Herr ist aus der AfD ausgetreten. Wie der Sprecher der teil rechtsextremen Partei im Hochtaunuskreis, Manfred Blatt, der Frankfurter Rundschau sagte, sei Herr aus dem Landesvorstand unter Druck gesetzt worden. „Dem hat er nicht standgehalten und von sich aus den Rückzug angetreten“, formulierte Blatt. Herr werde sein Landtagsmandat aber dennoch wahrnehmen. Herr selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Sascha Herr, der aus Schmitten kommt und bis vor kurzem stellvertretender AfD-Kreissprecher im Hochtaunuskreis war, war bei der Landtagswahl am 8. Oktober von Platz 27 der AfD-Landesliste in den Landtag eingezogen. Insgesamt hatte die Rechtsaußenpartei 18,4 Prozent der Stimmen erhalten und konnte damit 28 Kandidat:innen von ihrer Liste ins Landesparlament entsenden. Der neue Landtag wird am 18. Januar das erste Mal zusammentreten.
Hessen: Die FR hatte zuerst über die Fotos berichtet
Kurz vor der Wahl hatte die FR über ein auf Facebook veröffentlichtes Foto berichtet, das Herr mit einem führenden Kader der verbotenen rechtsterroristischen Gruppierung „Combat 18“ in einer Kneipe zeigt. Herr hatte dazu erklärt, der Neonazi sei von einem alten Jugendfreund mitgebracht worden, er selbst kenne den Mann nicht und habe kaum mit ihm gesprochen.
Da Herr bereits in der Vergangenheit Kontakte in die militante Neonaziszene einräumen musste – er hatte etwa 2017 ein Rechtsrockfestival im thüringischen Themar besucht –, hatte die sich bildende neue AfD-Fraktion beschlossen, Herr nicht aufzunehmen. Zuvor hatte die Spitze der alten AfD-Fraktion um den Landesvorsitzenden Robert Lambrou bereits erklärt, man schließe Herrs Aufnahme „kategorisch aus“. Herr selbst hatte der FR gesagt, er habe „definitiv noch Rückhalt in der AfD“ und wolle sein Landtagsmandat zur Not auch als fraktionsloser Abgeordneter wahrnehmen. Er sei kein Rechtsextremist, sondern Demokrat und „rechtskonservativ“.
Hessen: Kreisvorsitzender leugnet Kontakte zu Neonazis
Manfred Blatt, der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Hochtaunus, sagte der FR, Herrs Austritt aus der Partei sei nicht als Schuldeingeständnis zu verstehen. Nach seiner Kenntnis habe Herr keine Kontakte in die Neonaziszene. „Das hat er de facto nicht“, betonte Blatt. Er selbst sei „sehr unglücklich“ über die Entwicklung der letzten Wochen, weil Herr ein „absoluter Aktivposten“ gewesen sei, mit dem er politisch gut zusammengearbeitet habe. Herr müsse jetzt selbst einen Weg finden, sein Landtagsmandat als parteiloser Abgeordneter auszuüben.
Auf der Homepage der AfD Hochtaunus war das Foto von Sascha Herr am Freitag schon nicht mehr zu sehen, er war dort nicht mehr als stellvertretender Kreisvorsitzender genannt. Wegen des Skandals um ihn hatte Herr zuletzt auch seinen Job als Referent der AfD-Fraktion in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung verloren. (Hanning Voigts)
Lesen Sie auch den ersten Text über die Fotos, die Herr mit einem militanten Neonazi zeigen.
