Das Land Hessen will mit einem Förderprogramm das Gaststätten-Sterben im ländlichen Raum verhindern. Zwei Gasthöfe in der Rhön und einer im Vogelsberg profitieren nun.
Fulda - Staatsministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) ist am Donnerstag durch Hessen gereist und hat gleich vier Gaststätten besucht, um Förderbescheide zu übergeben. Hinz machte zweimal Halt im Kreis Fulda, einmal im Vogelsberg und einmal Kreis Marburg-Biedenkopf.
Rhön: Diese beiden Gasthöfe dürfen sich über Förderung freuen
„Restaurants, Kneipen und Cafés sind ein wichtiger Bestandteil jedes Dorflebens. Deswegen unterstützen wir sie dabei, sich für die Zukunft zu rüsten“, wird die für die ländliche Entwicklung zuständige Ministerin in einer Mitteilung zitiert. „Alle vier Gastronomiebetriebe haben eine lange Tradition: es sind Familienunternehmen, einige schon über Generationen in Familienbesitz, fest verwurzelt und bekannt in der Region und über sie hinaus“, heißt es weiter
Einer davon ist der Gasthof Erlengrund in Gersfeld-Maiersbach, der von Ralf Goldbach und seiner Familie geführt wird. Das Gasthaus, das seit der Nachkriegszeit besteht und nach und nach erweitert wurde, wird bei seinen Investitionen in Gesamtkostenhöhe von 668.587 Euro vom Land Hessen mit 200.000 Euro unterstützt.
„Durch die Investitionen sollen den Einwohnern auch Veranstaltungen im größeren Rahmen ermöglicht werden, denn das ist durch den Wegfall des DHG in dem Ort nur noch eingeschränkt möglich“, heißt es in der Mitteilung. „Dafür möchte Ralf Goldbach den Saal durch einen Anbau ergänzen. Neues Mobiliar wird angeschafft, und die bestehende Theke wird erneuert und erweitert. Im Zuge des Umbaus werden auch neue Lagermöglichkeiten und neue Parkplätze geschaffen.“
Auch der Landgasthof Zum Stern in Poppenhausen, der von Andreas und Miriam Jahn geführt wird, wird bei seinem geplanten Investitionen in Höhe von 406.349 Euro gefördert - und zwar mit 153.622 Euro. Zur Modernisierung des Gasthauses soll ein Küchenanbau mit Einrichtung einer neuen Gastroküche umgesetzt werden. In diesem Zug wird auch die Gebäudeinfrastruktur saniert.
„Das Ehepaar Jahn hat aber noch mehr vor“, so die Landesregierung. „Mittelfristig soll in einer alten Scheune auf demselben Grundstück ein Irish Pub entstehen.“
Neben den beiden Rhöner Gasthöfen sowie dem Gasthof Burgruine Frauenberg in Ebsdorfergrund profitiert auch der Landgasthof zur Post in Freiensteinau, der seit 1870 im Familienbesitz ist und von Sebastian Heil und seiner Frau Katharina Koros geführt wird, von der Förderung.
Sebastian Heil möchte den Nebenraum neugestalten und mit einer neuen Fensterfassade ausstatten. Dazu kommen noch Investitionen in Mobiliar und ein neuer Kombidämpfer für die Küche. Bei den Investitionen in Höhe von 191.715 Euro wird er mit 72.497 Euro unterstützt.
Das Land Hessen hat außerdem seine Unterstützung für den „Masterplan Hoherodskopf“ zugesichert.
Sonderprogramm der hessischen Landesregierung gut nachgefragt
Das Sonderprogramm der Landesregierung zur Stärkung der Gastronomie im ländlichen Raum wurde im Herbst 2021 mit dreijähriger Laufzeit eingeführt. Bisher haben vier Förderaufrufe stattgefunden. „Seitdem konnten bisher insgesamt 202 Anträge mit einer Zuschusssumme von über 8 Millionen Euro bewilligt werden“, teilt die Landesregierung mit.
Das entspreche einer Gesamtinvestition in Höhe von über 22 Millionen Euro, denn „natürlich kommen zu jeder Bewilligung, die bis zu 45 Prozent der Investitionskosten bezuschusst, noch die Eigenmittel der Betriebe hinzu, sodass das Programm auch eine erhebliche Stärkung des regionalen Handwerks und der regionalen Wirtschaft zur Folge hat“, erklärte Hinz.
Hintergrund zur Förderung
Gefördert werden Investitionen und Anschaffungen ab 15.000 Euro - von der Gastraumrenovierung, über den Bau einer neuen Außenterrasse oder der Modernisierung der Küche bis zur Anschaffung eines neuen Transporters oder Kassensystems.
Die Förderquote beträgt 45 Prozent bei einer Höchstfördersumme in Höhe von 200.000 Euro. Für das Sonderprogramm gegen das Gaststättensterben im ländlichen Raum hat die Landesregierung insgesamt rund zehn Millionen Euro bereitgestellt. Alle Details zum Förderprogramm sind auf der Internetseite der Wibank einsehbar.
„Das Sonderprogramm Gaststätten fördert den Erhalt des Kulturgutes Gasthaus im ländlichen Raum und sichert die Fortführung der Betriebe, indem zukunftsfähige Betriebsmodelle unterstützt werden. Ziel der Förderung ist es daher insbesondere, Gastronomiebetriebe abseits der urbanen Räume bei erforderlichen Investitionen zu begleiten, damit die vorhandenen Angebote aktuelle Anforderungen an Aufenthaltsqualität, Serviceangebot und den Aspekt der Nachhaltigkeit erfüllen können“, findet Gerald Kink, Präsident des Dehoga Hessen. (lio)

