Denkwürdige Weihnachten

Angespannte Hochwasser-Lage im Kreis Northeim – Sandsäcke werden im Akkord verfüllt

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Einsatzkräfte beim Verbauen von Sandsäcken in der Gemeinde Katlenburg-Lindau.
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  • Konstantin Mennecke
    Konstantin Mennecke
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Erst Sturm, jetzt Dauerregen: Der Landkreis Northeim ist zum Jahresendspurt gebeutelt von Unwetter. Aktuell sorgt Hochwasser für Probleme.

Update vom Montag, 25. Dezember, 9.19 Uhr: Die Feuerwehren waren nach Mitteilung der Kreisfeuerwehr am Sonntag mehrfach im Einsatz, weil Autofahrer sich nicht an die Absperrungen gehalten haben und dann vom Wasser eingeschlossen wurden. „Dieses Verhalten bindet unnötig Einsatzkräfte und bringt unsere Retter in Gefahr“, kritisiert sie. Zudem beobachteten die Einsatzkräfte, dass es in Teilen der Region einen „Hochwassertourismus“ gebe und Menschen zu nah an Gewässer gehen. Das ist laut Kreisfeuerwehr unter anderem direkt am Leinepolder der Fall. Dort verließen Menschen die befestigten Wege und gehen an die Wasserkante. „Das ist lebensgefährlich“, warnt sie.

Die Feuerwehren haben mittlerweile eine mittlere fünfstellige Zahl an Sandsäcken befüllt und direkt verbaut oder als Reserve bereitgestellt. In der Gemeinde Katlenburg-Lindau wurden die Einsatzkräfte im Laufe des Sonntages von Feuerwehrleuten aus dem Flecken Nörten-Hardenberg und der Stadt Moringen beim Befüllen der Sandsäcke, sichern von Gebäuden und Leerpumpen von Kellern abgelöst. Für die Retter gab es an Versorgungspunkten Kuchen, es lief Weihnachtsmusik – ein Heiligabend, von dem man vermutlich noch in Jahrzehnten erzählen wird. In der Spitze waren dort laut Kreisfeuerwehr 170 Kräfte vor Ort.

Bei Höckelheim hat sich eine Seenlandschaft entwickelt.

Auch zur klassischen Zeit der Bescherung waren rund 50 Kräfte mit der Bewältigung von Hochwassereinsätzen im Landkreis Northeim beschäftigt.

In der Nacht zu Montag wurde die Produktion von weiteren Sandsäcken im Stadtgebiet Einbeck aufgenommen. Mehr als 50 Kräfte waren dabei im Einsatz. In Greene musste eine Trafostation vor dem steigenden Leinepegel gesichert werden.

Der sich zunehmend füllende Leinepolder.

Für den Harz gibt es eine Unwetterwarnung. Es wird am 1. und 2. Weihnachtstag mit weiteren ergiebigen Regenfälle gerechnet, sodass ein Sinken der Pegel weiterhin nicht zu erwarten ist. Die Söse- und die Odertalsperre sind laut Harzwasserwerken zu jeweils 90 Prozent gefüllt. Die am Sonntag gesteigerten Abgabenmenge werden deshalb kaum reduziert werden können.

Das Hochwasserrückhaltebecken in Salzderhelden ist inzwischen mit 21 Millionen Kubikmeter (Stand Montag, 7 Uhr) zu über der Hälfte gefüllt (56,5 Prozent).

Update vom Sonntag, 24. Dezember, 18.03 Uhr: Die Feuerwehr hat Samstag Abend und in der Nacht zu Heiligabend diverse Keller ausgepumpt und mit Unterstützung durch THW und Johanniter gefährdete Gebäude und Infrastrukturen mit Sandsäcken gesichert. 12.000 Sandsäcke wurden nach Mitteilung der Stadt Einbeck befüllt. Personen, die sich in Kleingartenanlagen aufhalten, werden aufgefordert, sich und ihre Sachwerte umgehend in Sicherheit zu bringen.

Die überflutete Kreisstraße zwischen Garlebsen und Olxheim.

Die Pegel der Ilme und des Krummen Wassers sind am Mittag gleichbleibend. es ist allerdings laut Kreisfeuerwehrt damit zu rechnen, dass gegen Abend sowohl in der Leine, als auch in den Nebenflüssen die Pegel deutlich steigen, da aus dem Leinepolder aufgrund starken Zulaufs wieder größere Wassermengen abgelassen werden müssen. „Es besteht die Gefahr, dass die Pegel die Höchststände der letzten Tage übersteigen“, hieß es. Es könne noch keine Entwarnung gegeben werden.

Überflutete Kleingartenanlage in Greene.

Das Hochwasserrückhaltebecken war am Samstagmittag, 12 Uhr, mit 11,9 Millionen Kubikmeter zu knapp einem Drittel gefüllt. Die abgelassene Menge betrug 158 Kubikmeter pro Sekunde, sollte aber nach Angaben der Kreisfeuerwehr nach und nach auf 200 Kubikmeter pro Sekunde gesteigert werden.

Der Leine-Pegel bei Kreiensen betrug am Mittag 6,16 Meter. Zum Vergleich: Beim letzten größeren Hochwasser 2011 betrug der Höchststand 6,10 Meter, der mittlere Wasserstand liegt dort bei 2,22 Meter.

Einsatzkräfte bei Sicherungsarbeiten an der Aue in Kalefeld.

Bei Sudheim waren am Samstagabend Feuerwehr und Technisches Hilfswerk im Einsatz, um eine Überflutung des Hofes „Leinemühle“ zu verhindern.

An den Seeterrassen versucht die Feuerwehr ein Überfluten des Gebäudes zu verhindern.

Am Sonntag war der Nordhafen des Freizeitsees ein Einsatzschwerpunkt. Dort drohen mehrere Gebäude überflutet zu werden. Mit Sandsäcken und Tauchpumpen kämpfen die Einsatzkräfte gegen die Wassermassen. (Olaf Weiss)

Gesperrte Straßen

Gesperrt sind wegen des Hochwassers aktuell:• B241 | Höckelheim - Northeim
• L572 | Northeim – Hollenstedt
• K521 | Hillerse – Sudheim
• K416 | Gillersheim - Lindau
• K409 | Elvershausen – Katlenburg
• B64 | Holzmindener Str. - K642
• L592 | Kreiensen - Billerbeck
• L487 | Erzhausen - Freden
• K517 | Amelsen - Markoldendorf
• K504 | Eilensen - Krimmensen
• K511 | Hullersen - Huldersen (Ortsdruchfahrtsstraße)
• K511 | Ellensen - Markoldendorf
• K529 | Lüthorst - Deitersen
• K650 | Olxheim-Garlebsen
• Triftweg | Juliusmühle - Holtensen
• Greene | Hohler Weg
• Einbeck | Schlachthofstr.
• Einbeck | Am Dreckmorgen
• Einbeck | Reinserturmweg
• B64 | Bad Gandersheim: Zufahrt Hebersiedlung
• Bad Gandersheim | Roswithastraße
• K449 | Wiensen - Uslar
• Bodenfelde | Hafenstraße

Erstmeldung vom Samstag, 23. Dezember, 12.49 Uhr: „Die Lage ist angespannt, aber nicht kritisch.“ Diese Bilanz für den Samstag zogen am Abend Kreisbrandmeister Marko de Klein und Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Eine Aussage, die so auf den gesamten Landkreis Northeim übertragen werden kann.

Landkreisweit sind bis zum Samstagabend rund 700 Kräfte von Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Technischem Hilfswerk, Polizei, Straßenmeistereien sowie den Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Einsatz gewesen. Sie alle kämpfen, im Falle von Einbeck seit Freitagmittag, gegen ergiebigen Dauerregen. „Bereits am Freitagmittag den Stab zusammengerufen zu haben, ist ein Zeitvorteil, der sich jetzt auszahlt“, sagt Bürgermeisterin Michalek. In Zahlen bedeutet das alleine für die Bierstadt: Rund 8000 Sandsäcke wurden bis Samstagnachmittag gefüllt, die Bewohner aus Kernstadt und Ortsteilen hatten innerhalb weniger Stunden rund 600 Sandsäcke zum Sichern ihrer Gebäude entlang der Leine und Ilme abgeholt. 

Zwischenzeitlich haben fast alle Städte und Gemeinden im Landkreis Northeim ihre Führungsstellen besetzt und Einsätze von dort aus koordiniert abgearbeitet, beziehungsweise Vorkehrungen getroffen. So wurden bis zum Abend kreisweit mehr als 20.000 Sandsäcke befüllt, viele davon direkt verbaut. Aufgrund der weiter anhaltenden Regenfälle hat der Landkreis Northeim den Stab der Kreisfeuerwehr aus der Ruhe wieder in den Einsatz versetzt. 

In Einbeck ist der gemeinsame Krisenstab der Stadtverwaltung, von Rettungsorganisationen und der Kreisfeuerwehr als Einrichtung des Landkreises zusammengekommen. Die Hochwasserlage habe sich über Nacht weiter angespannt, heißt es am Samstag vor Ort. Die Pegel an der Leine und Ilme sind weiter gestiegen, rund 300 Kräfte der Rettungsorganisationen im Einsatz, teils im Schichtbetrieb.

Greene ist vom Hochwasser der Leine betroffen. Hier wurden bereits Sandsäcke verlegt.

„An der Hullerser Landstraße 10 findet heute von 13 bis 16 Uhr die Ausgabe von Sandsäcken statt. Betroffene können sich hier melden und gefüllte Sandsäcke abholen. In den betroffenen Ortschaften stehen die Ortsfeuerwehren und Ortsbürgermeister alsAnsprechpartner bereit“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Es wird dringend darum gebeten, dass sich nur Personen aus hochwassergefährdeten Arealen dort melden.

Hochwasser im Kreis Northeim: Dringender Appell der Feuerwehr

Der Landkreis Northeim bittet mit seiner Kreisfeuerwehr darum, den Notruf 112 unbedingt von Rückfragen nach Sandsäcken freizuhalten.

„Schaulustige und Interessierte werden gebeten, sich nicht in die Überschwemmungsgebiete zu begeben, da sie sich selbst in Gefahr bringen und die Rettungskräfte und Anwohner behindern. Auch Straßensperrungen sind unbedingt zu berücksichtigen“, heißt es seitens der Stadt. Laut Kreisfeuerwehr können Uferbereiche einbrechen, in überfluteten Flächen bestehe deshalb große Gefahr. (Konstantin Mennecke)

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