Stadt prüft Schwachstellen mit Simulation

Hochwasserprävention in Schwarzenborn: Gefahr durch Kessellage

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Immer wieder sorgen starke Regenfälle in Schwarzenborn für Überschwemmungen und rufen die Feuerwehr auf den Plan. (Symbolbild)
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Schwarzenborn kämpft mit Starkregen. Bürgermeister Liebermann betont die Wichtigkeit der Vorbereitung. Eine Simulation soll neue Erkenntnisse liefern.

Starkregenereignisse treten in Folge des Klimawandels immer häufiger auf. Feuerwehren haben zunehmend mit vollgelaufenen Kellern und verstopften Regenabflüssen zu kämpfen. Sie ziehen teilweise verheerende Schäden nach sich und können auch zur Gefahr für Einwohnerinnen und Einwohner werden. Um für solche Situationen besser gewappnet zu sein, hat die sich die Stadt Schwarzenborn dafür entschieden, eine Starkregen-Simulation durchführen zu lassen.

Steile Gassen verwandeln Regenwasser in kleine reißende Flüsse.

„Grebenhagen und die Kernstadt liegen in einer Art Kessel. Wenn es regnet, kommt von den steilen Feldlagen eine ganze Menge Wasser herunter geschossen“, berichtet Bürgermeister Jürgen Liebermann. Teilweise liege zwischen den Häusern in den Orten ein Höhenunterschied von 150 Metern. Das ganze Wasser sammele sich dann im Tal und müsse dort von der Feuerwehr weiter gepumpt werden. Um das zu vermeiden, wurden bereits Maßnahmen wie Gräben und sogenannte Vorfluter umgesetzt. Diese sorgen dafür, dass ein Teil des Regenwassers bereits auf seinem Weg die steilen Straßen hinunter abgefangen und umgeleitet wird und versickern kann. Die Wartungsarbeiten für die Abläufe sind sehr aufwändig, da schon bei kleinstem Wind und Regen Blätter und Schlamm den Zugang verstopfen können.

Mehr versiegelte Flächen

„Bei Umbauarbeiten in der Unterstadt haben wir extra große Rohre verlegt, um uns auf die veränderten Wassermengen einzustellen und dennoch gibt es gewisse Punkte, an denen die Feuerwehr bei Starkregen vermehrt im Einsatz ist“, sagt Liebermann. Man wisse zwar, von welchen Hanglagen eine besondere Gefahr ausgehe und kenne die Gemarkung, doch durch klimatische Veränderungen hätten sich auch die Mengenverhältnisse verändert und darauf wolle man sich einstellen.

Hinzu komme, dass es immer mehr versiegelte Flächen gebe, auf denen das Wasser nicht einsickern könne. „Wir achten bei der Planung von Neubaugebieten darauf, genügend Ausweichmöglichkeiten für den Niederschlag zu schaffen“, erklärt der Bürgermeister. Auch den Einbau von Zisternen begrüße man in Hessens kleinster Stadt sehr. Zu einer verpflichtenden Auflage wolle man es jedoch nicht machen.

Um die Massen an Regenwasser abzufangen, gibt es besonders an den Hanglagen solche Abflüsse.

Starkregen-Gefahrenkarte

Durch die Analyse, die ebenfalls aufzeigen kann, wo Potenzial für Hochwasser besteht, wolle man herausfinden, wie man sich noch besser vorbereiten könne. Außerdem soll die Simulation zeigen, mit welchen Dimensionen man es künftig zu tun haben wird. Dann könne man auch die Abwasserrohre entsprechend anpassen. Bei der Erstellung der Starkregen-Gefahrenkarte wird auch berücksichtigt, wie viele Liter Regen auf einen Quadratmeter kommen und wie viel der Boden an dieser Stelle aufnehmen kann. Im Vergleich zu den vielerorts bereits vorhandenen Fließkarten berücksichtigen die Gefahrenkarten auch kleinteiligere Strukturen wie Gräben, Durchlässe und Kanalisation.

Simulation wird mit
verschiedenen Daten gefüttert

Derzeit läuft die Ausschreibung für ein Planungsbüro, welches sich um die Analyse kümmern wird. Die Starkregen-Simulation läuft in folgenden Phasen ab:

1. Datenerfassung: Informationen über das Gebiet werden gesammelt, wie Topografie, Bebauungsdichte, Entwässerungssysteme, Bodenbeschaffenheit und Niederschlagsmuster.

2. Modellierung: Auf dieser Basis wird ein hydrologisches Modell erstellt. Dieses simuliert das Verhalten von Wasser auf der Oberfläche bei Starkregen.

3. Szenarien: Das Verhalten des Regenwassers wird in verschiedenen Szenarien geprüft mit unterschiedlicher Intensität und Dauer.

4. Simulation: Das Modell wird mit den definierten Starkregenereignissen gefüttert und das Verhalten des Wassers wird berechnet. Dabei werden Abflusswege, Überflutungstiefen, Fließgeschwindigkeiten und die Dauer der Überflutung ermittelt.

5. Ergebnisse auswerten: Es entstehen Karten, die unter anderem Fließwege, Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten aufzeigen. Diese können dann genutzt werden, um Gefährdungskarten und Risikokarten zu erstellen.

6. Maßnahmen planen: Auf Basis der Simulation können zum Beispiel Mulden und Rückhaltebecken, Anpassungen der Kanalisation, Schutzwälle oder Anpassungen der Bebauungspläne geplant werden.

„Starkregen ist und wird auch zukünftig ein Thema sein, mit dem sich alle Kommunen auseinandersetzen müssen“, betont Liebermann. Gefördert wird die Starkregen-Simulation vom Land Hessen mit 59.000 Euro, die Kommune muss noch 6000 Euro beisteuern. Die Summe wird über die nächsten drei Jahre ausgezahlt.

Durch die Kessellage von Grebenhagen und der Kernstadt Schwarzenborn kann Starkregen im Tal schnell zu einer Gefahr werden.

Feuerwehr soll unterstützt werden

Die gewonnenen Erkenntnisse können sowohl die Feuerwehr bei ihren Einsätzen unterstützen als auch für die Planung von weiteren präventiven Maßnahmen dienen. Eine Idee sei es, in den höheren Lagen Mulden zu bauen, sodass dort bereits ein Teil des Regenwassers abgefangen werden kann, bevor die Massen in das Tal fließen. Die Analyse soll veranschaulichen, wie sinnvoll diese Idee ist.

Derzeit läuft die Ausschreibungsphase. Eine Auswahl möglicher Ingenieurbüros wurde vom Land Hessen zuvor bereitgestellt. Bürgermeister Liebermann rechnet mit einer Umsetzung bis spätestens 2026.

Förderungen in Höhe von 900.000 Euro

Im Schwalm-Eder-Kreis haben bereits 14 Kommunen die Förderoption im Rahmen der kommunalen Klimarichtlinie des Landes Hessen in Anspruch genommen, wie eine Sprecherin des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat mitteilt. Dazu gehören neben Schwarzenborn auch die Städte und Gemeinden Gudensberg, Bad Zwesten, Jesberg, Niedenstein, Neukirchen, Oberaula, Ottrau, Willingshausen, Edermünde, Schrecksbach, Malsfeld, Homberg und Borken. Insgesamt wurden bisher 188 Kommunen Fördermittel in Höhe von 13,5 Millionen Euro für die Erstellung von einer Starkregen-Gefahrenkarte bewilligt.

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