In Ockstadt ist wieder gut Kirschen essen - die Ernte der Frühsorten hat angefangen. Einen besonders hohen Ertrag wird es gemäß der Kirschbauern aber wohl nicht geben. Frost nach der Blüte sowie der viele Regen zuletzt trüben die Ernteaussichten.
Die Kirschernte in Ockstadt hat begonnen. Auf mehreren Hektar Land zeigen sich die roten Farbtupfer im Friedberger Stadtteil. „Wir verkaufen unsere Kirschen bereits seit einigen Tagen im Hofladen und auf dem Wochenmarkt“, erzählt Jörg Gröninger vom Obsthof Gröninger. Mit der Frühernte auf seinen Plantagen ist der 65-Jährige bisher nur mäßig zufrieden. „In letzter Zeit war es zu kühl und zu nass“, erklärt er.
Dabei stellen Kirschen einige Anforderungen an das Wetter, um gut zu gedeihen: Die Winter sollten kalt genug, die Frühlinge frostfrei, die Sommer warm und die Erntezeit regenarm sein. Für die frühen Kirschen ist der aktuelle Starkregen ein Problem. Denn wie der Regen aus den Wolken platzt, so platzt auch die dünne Haut der roten Kirschen durch einen Druckanstieg, der mit ihrem Zuckergehalt zusammenhängt. Und auch ein anderes rotes Früchtchen kämpft gegen den Dauerregen an: „Bei den Erdbeeren haben wir das gleiche Problem.“ Sie zeigten mehr faule Stellen.
Aber nicht nur Starkregenereignisse nehmen zu, auch die Temperatur insgesamt steigt. Das stellt die Kirschbauern vor ein Problem: Mildes Wetter zum Jahresanfang lässt die Kirschbäume nämlich immer früher blühen. Kommt es nach der Blüte noch einmal zu einem Kälteeinbruch, erfrieren viele der zarten Blüten, noch bevor sie Früchte ausbilden können. Niedrige Temperaturen nach der Blüte verstärken zudem das sogenannte Röteln. Röteln ist eine Stressreaktion der Kirschbäume, bei der sie einen Teil ihrer Kirschen noch vor deren Reife abwerfen. Daher wird bereits an Kirschsorten geforscht, die ihre Blüten später austreiben und besser mit den neuen Bedingungen umgehen können.
Die neuen Sorten könnten auch den Kirschbauern aus Ockstadt helfen. Denn dieses Jahr seien je nach Lage einige Bäume stark gerötelt, berichtet Florian Hess, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Ockstadt und selbst Kirschbauer. Zumindest für die Ernte der Frühkirschen geht er daher in diesem Jahr von einem leicht unterdurchschnittlichen Ergebnis aus.
GESUND TROTZ ZUCKER
Obwohl Kirschen im Zuckervergleich mit anderen Obstsorten im Mittelfeld landen, sind die roten Früchte im Maß gesund, schreibt die Gesundheitskasse AOK: „Zucker und Kalorien von Kirschen [werden] durch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe mehr als aufgewogen, darunter: Vitamin A und C sowie B-Vitamine, Folsäure, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen.“ cos
Bei den Sorten im Hoch- und Spätsommer komme es nun auf die Wetterlage in den nächsten Wochen an. „Wenn das Wetter schön wird, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir dieses Jahr noch eine gute Ernte bekommen“, sagt Gröninger. Der Ockstädter baut eine ganze Palette an Sorten an, um den ganzen Sommer über frische Früchte anbieten zu können - von der Frühsorte Belisse über Satin und Kordia bis zur späten Regina. Auf das gleiche Prinzip setzt auch Kirschbauer Hess: „Wir haben um die 15 Sorten.“
Mit gestiegenen Betriebskosten durch höhere Preise für Maschinen, Sprit, Pflanzen- und Düngemittel sowie einem höheren Mindestlohn für die Mitarbeiter setzen die Kirschbauern den Preis für die Früchte etwa auf dem Niveau von 2023 an. Je nach Größe, Geschmack, Form und Festigkeit beläuft sich der Kilopreis für die frühen Sorten beim Obsthof Gröninger auf 7 bis 12 Euro und beim Obstbau Hess auf rund 9 Euro.
Im vergangenen Jahr sorgten sich die Ockstädter Kirschbauern zudem um ein Verbot für das Pflanzenschutzmittel Exirel. Das Mittel wirkt gegen die gefürchteten Kirschfruchtfliegen und Kirschessigfliegen. Es ist in Wasserschutzgebieten wie Ockstadt seit Kurzem aber eigentlich nicht mehr erlaubt. Der Vereinsvorsitzende ist nun froh, dass sie für dieses Jahr noch einmal eine Notfallzulassung für Exirel bekommen haben.
Eine kostspielige Alternative wären Netze über den Bäumen. „Aber selbst die bieten keinen hundertprozentigen Schutz“, sagt Hess. Beim Einzelhandel und bei den Kunden gehe die Toleranz für Maden aber gegen null. „Mit den Mitteln schaffen wir das.“ Er kenne Biobetriebe in der Region, die dieses Jahr die Ernte ihrer Frühkirschen ausfallen lassen müssten, weil sie das Madenproblem nicht in den Griff kriegen könnten.
Erfreulichere Nachrichten gibt es in Bezug auf den großangelegten Frucht-Diebstahl, der den Kirschbauern in den letzten Jahren zu schaffen gemacht hatte. Seitdem der Obst- und Gartenbauverein Ockstadt die Flächen seiner Mitglieder kontrollieren lasse, sei dieser deutlich zurückgegangen. Gröninger: „Mit den Detektiven haben wir das Problem im Griff.“