Homeoffice weiter beliebt: Viele Firmen im Kreis Kassel bieten seit Corona tageweise mobiles Arbeiten an

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Auch nach der Corona-Zeit nutzen viele Arbeitnehmer gern die Möglichkeit, zumindest teilweise mobil von Zuhause aus zu arbeiten. ACHI
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Mobiles Arbeiten ist seit der Corona-Pandemie für viele Arbeitnehmer zur Normalität geworden. Wie halten es Firmen im Landkreis Kassel mit der Homeoffice-Regelung?

Kreis Kassel – Seit der Corona-Pandemie ist das Arbeiten von Zuhause aus für viele zur Normalität geworden. Manche Firmen werben sogar in ihren Stellenausschreibungen mit Homeoffice. Wie ist das bei Unternehmen im Landkreis Kassel?

„Seit Corona ist Mobiles Arbeiten zum Usus geworden“, sagt Jasmin Katrina, Chefin der Personalabteilung beim Immenhäuser Unternehmen Sera. Es sei eine gute Möglichkeit, den Mitarbeitern eine gewisse Flexibilität ihrer Arbeitszeit zu ermöglichen. Bei der Sera GmbH, die im Bereich Dosiersysteme, Pumpen und Wasserstofftechnik tätig ist, seien etwa 40 Prozent der Mitarbeiter ständig vor Ort, 60 Prozent könnten fünf Tage im Monat auch mobil arbeiten. Aber nicht in jeder Abteilung ist das möglich: „Wir sind ein produzierendes Unternehmen.“ Die Mitarbeiter der Produktion seien natürlich auf die Geräte und Werkzeuge vor Ort angewiesen.

Auch für das Klinikpersonal von Vitos Kurhessen kann es wegen der Patientenversorgung kein Homeoffice-Angebot geben, heißt es aus der Geschäftsführung. In der Verwaltung werde Homeoffice seit Corona unterschiedlich genutzt. Im Zuge der Pandemie sind auch im öffentlichen Dienst viele Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet worden.

Flexible Arbeitszeiten machen Arbeitsplatz attraktiver

Etwa in der Gemeindeverwaltung in Habichtswald. Flexible Arbeitsbedingungen seien enorm wichtig, das steigere die Attraktivität des Arbeitsplatzes – vor allem derer in der Verwaltung, sagt Bürgermeister Daniel Faßhauer. So sind ein bis zwei Tage pro Woche Homeoffice das gängige Modell – auch im Vellmarer Rathaus. In Habichtswald seien individuelle Regelungen möglich. In einigen Abteilungen muss das natürlich gut geplant sein, wie etwa im Bürgerbüro, wo jemand vor Ort sein muss, sagt Faßhauer.

Anteil von Homeoffice hat sich fast verdoppelt

24,2 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland waren im Jahr 2022 gelegentlich im Homeoffice. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Gegenüber 2019 hat sich die Zahl fast verdoppelt (12,8 Prozent). Wie häufig Arbeitnehmer von Zuhause aus arbeiten, hänge stark von der jeweiligen Branche ab. 2022 war der Anteil an Homeoffice im Bereich IT-Dienstleistungen mit 76 Prozent am höchsten. Im Gesundheitswesen ist der Anteil mit 6,6 Prozent am niedrigsten.

Bei der SMA Technology AG in Niestetal läuft momentan ein Pilotprojekt zum Thema Mobiles Arbeiten, berichtet Anja Jasper, verantwortlich für die Arbeitgeberkommunikation im Personalbereich. Bei dem Projekt arbeiten die Mitarbeiter 40 Prozent im Unternehmen, 60 Prozent Zuhause. Noch fehlt die Auswertung. „Man kann jedoch schon jetzt sagen, dass die Mischung entscheidend ist.“

Im VW-Werk Kassel in Baunatal wird hybride Arbeit „im Sinne von Beschäftigten und Unternehmen gestaltet“, sagt ein Sprecher. Allerdings: „In Projektarbeit und in der Produktion ist die Arbeit vor Ort unerlässlich.“

Arbeitnehmer schätzen Flexibilität

Kreis Kassel – Was vor der Corona-Pandemie in machen Büros noch undenkbar war, ist jetzt in vielen Firmen Alltag geworden: Homeoffice. Selbst ohne Angst vor ansteckenden Krankheiten finden weiter Konferenzen online statt und Wohnzimmer werden im Nu umgerüstet. Wer einen weiten Weg zur Arbeit hat, spart so Zeit.

Das betrifft auch Marius Zippel, der bis vor Kurzem Teamleiter der Personalverwaltung im Vellmarer Rathaus war. 42 Kilometer fuhr er von Bad Arolsen aus zu seinem Arbeitsplatz. Einmal in der Woche arbeitete er zu Hause. Dass das klappte, findet er „mega“.

Von den rund 80 Mitarbeitern, die im Vellmarer Rathaus arbeiten, tun das etwa 20 an zwei Tagen pro Woche von zu Hause aus. Dafür gibt es eine Dienstvereinbarung und es muss ein Antrag gestellt werden. Wer nur gelegentlich von zu Hause aus arbeitet, muss das nicht beantragen. Marius Zippel war zufrieden mit dem Homeoffice-Angebot. Dass er zu seiner neuen Arbeitsstelle im Heimatort nun kaum mehr Anfahrtsweg hat, hat das aber nicht toppen können.

Homeoffice und mobiles Arbeiten gehören für viele Arbeitnehmer mittlerweile zum Arbeitsalltag dazu. (Symbolbild)

Das Vorurteil, Menschen würden im Homeoffice weniger arbeiten, ist für Habichtswalds Bürgermeister Daniel Faßhauer unverständlich: „Untersuchungen zeigen, dass im Homeoffice sogar noch mehr gearbeitet wird.“ Generell habe er keine Bedenken, dass die Mitarbeiter der Verwaltung Zuhause ihre Arbeit vernachlässigen. „Wir wissen, die Arbeit wird gemacht und die Mitarbeiter haben den Vorteil von flexibler Arbeitszeit“, betont Faßhauer.

Trotz Angebot für mobiles Arbeiten fahren viele freiwillig ins Büro

Auch bei der Immenhäuser Pumpentechnik-Firma Sera gehört Mobiles Arbeiten mittlerweile zum normalen Arbeitsalltag dazu, sagt Jasmin Katrina, Chefin der Personalabteilung. Doch nicht jeder nutze das Angebot aus. „Viele unserer Mitarbeiter sagen, sie kommen lieber in die Firma“, berichtet Katrina. Viele würden nicht alleine Zuhause arbeiten wollen. Mitarbeiter im Forschungs- und Entwicklungsteam bevorzugen meist die Arbeit im Betrieb, da sie sich oft – auch mit anderen Abteilungen – absprechen müssen, berichtet die Personalchefin.

Viele nutzen die Möglichkeit des Mobilen Arbeitens jedoch auch, um in Ruhe „Konzentrationsarbeit“ zu erledigen, sagt Katrina. Dazu zählen zum Beispiel Programmierarbeiten, Statistiken oder Dokumentationen.

Hybrides und Mobiles Arbeiten ist bei der SMA Technology AG ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags, berichtet Anja Jasper, verantwortlich für die Arbeitgeberkommunikation im Personalbereich. Schon lange vor der Pandemie seien alternative Arbeitsformen Thema bei SMA gewesen. „Für uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter auch gut über Landesgrenzen hinweg miteinander arbeiten können“, sagt Jasper. Daher haben sich vor allem Videokonferenzen schon lange bewährt, so Jasper.

Die meisten Mitarbeiter bei SMA arbeiten im Wechsel Zuhause und im Büro, so Jasper. Damit habe man bisher gute Erfahrungen gemacht. Wie oft Angestellte vor Ort arbeiten, hänge generell stark von der Abteilung, vom Wohnort und der familiären Situation ab. Manche seien immer im Betrieb, manche, die weiter weg wohnten, kämen seltener. Mitarbeiter und Führungskräfte in der Produktion seien immer vor Ort. Generell sei es nach einer Betriebsvereinbarung allerdings möglich, zu 100 Prozent mobil zu arbeiten. Das werde jedoch kaum in Anspruch genommen.

Neben der Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten, gibt es bei der Firma in Niestetal auch Räume mit verschiedener Ausstattung, die für Team-Arbeit oder als Rückzugsort für Konzentrationsarbeiten genutzt werden können, erklärt Anja Jasper. (Valerie Schaub/Natascha Terjung)

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