Betriebe nennen Gründe

Hotels im Kreis Kassel leiden trotz steigender Tourismuszahlen

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Betreibt das Hotel mittlerweile nur mit seiner Frau und ohne Angestellte: Marco Kuhaupt aus Leckringhausen. Die Zukunft der Hotelbranche sei ungewiss, sagt er.
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Trotz steigender Touristenzahlen schreiben viele Hoteliers und Gastronomen rote Zahlen. Wir haben Betriebe im Landkreis Kassel befragt, woran das liegt.

Kreis Kassel – Die Touristenzahlen erholen sich, die Hoteliers und Gastronomen profitieren aber kaum. Inflation und Personalkosten sorgen in vielen Betrieben für rote Zahlen. So beurteilt der Branchenverband Dehoga die Lage der Hotels in Hessen. Wir haben bei Hotels im Landkreis Kassel nachgefragt.

„Ich habe das Gefühl, dass weniger Urlauber zu uns kommen und mehr Geschäftsreisende“, sagt Elisa Hofmann, Mitinhaberin des Hotel Rappenhof in Breuna. Sie glaubt, dass das auch daran liegt, dass sie die Preise der ausländischen Konkurrenz nicht mitgehen kann. „Wir legen viel Wert auf regionale Produkte. Da sind die Preise schon stark gestiegen“. Die Kostensteigerung könne man nicht eins-zu-eins an die Kunden weitergeben. Die Gewinne seien dementsprechend zurückgegangen.

Hotels im Kreis Kassel leiden unter Personalmangel

Das Hauptproblem ist aber der Personalmangel. „Ich wäre auch bereit, mehr als Mindestlohn zu bezahlen, aber es kommen einfach kaum Bewerber“, sagt Hofmann. „Durch das fehlende Personal können wir nicht die komplette Nachfrage bedienen, was wiederum die Einnahmen drückt“.

Auch im Burghotel Trendelburg ist der Personalmangel ein Problem. Restaurantleiter David Stingl ist aber positiv: „Es wird besser. Wir haben gerade erst zwei neue Auszubildende eingestellt“.

Über weniger Besucher kann man in Trendelburg nicht klagen. „Es kommen nicht weniger Gäste, man merkt aber schon, dass die Leute weniger Geld haben. Viele trinken dann zum Beispiel ein Getränk weniger“, erzählt Stingl. Insgesamt erhole sich das Geschäft aber seit der Corona-Pandemie wieder. Die sei dramatisch gewesen „Wenn wir nicht zu einer Kette gehören würden, hätten wir das wahrscheinlich nicht überstanden“.

Hotels im Kreis Kassel: Allgemeine wirtschaftliche Lage spielt eine Rolle

Für das Hotel zur Post in Lohfelden spielt auch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung eine Rolle. „Wir haben hier weniger Urlauber, sondern mehr Geschäftsreisende und Monteure. Wie viele Gäste wir haben, ist also auch davon abhängig, wie sich die Industrie entwickelt“, sagt Mitarbeiterin Hiltrud Küfner.

Das Hotel musste seine Preise erhöhen. Die Kostensteigerungen fange das aber nicht vollständig auf. „Wir haben die Preise um sechs Prozent erhöht. Eigentlich müssten wir noch mal erhöhen, aber es ist davon auszugehen, dass dann die Nachfrage sinkt. Wir diskutieren im Moment noch, ob wir das machen“, sagt Küfner.

Hotels im Kreis Kassel trotz Krise gut ausgebucht

„Ich empfinde es so, dass die Gastronomie und Hotels in der Region gut ausgebucht sind. Die haben alle viel zu tun“, sagt Heike Dietrichkeit, Geschäftsführerin der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) aus Habichtswald. „Für das, was wir anbieten, kann ich auch sagen, dass es gut läuft. Bei unserem Angebot Wandern ohne Gepäck haben wir beispielsweise schon im März dieses Jahres den Umsatz von 2023 überboten“.

Jenniffer Lukesch vom Genohotel Baunatal ist ähnlich positiv. „Wir können die erhöhte Nachfrage für unser Haus bestätigen“. Man stehe vielmehr vor dem Problem, das hohe Gästeaufkommen zu bedienen, weil derzeit nicht alle Stellen besetzt seien. Deshalb blickt Lukesch positiv in die Zukunft. „Wir wollen durch Investitionen in das Hotel unseren Markt weiter ausbauen“.

Tourismus in Nordhessen: Keine klassische Urlaubsregion

Investitionen findet auch Lukas Frankfurth, Kreisvorsitzender des Branchenverbands Dehoga, wichtig. „Wir sind keine klassische Urlaubsregion, können aber eine werden, wenn wir die Potenziale weiter ausbauen.“ Der Bad Emstaler ergänzt: „Es gibt ja die Grimmwelt oder Angebote wie Meine Card Plus. Das müssen wir noch stärker nutzen und ausbauen“. Laut Heike Dietrichkeit von der TAG kann man nicht pauschal sagen, dass die Region kein klassischer Urlaubsort sei. „Es ist schon so, dass wenige Leute hier ihren Jahresurlaub verbringen. Es kommen aber viele für einen Wochenendausflug. Die meisten Gäste stammen aus dem näheren Umfeld“.

Ähnlich sieht man es auch im Waldhotel Schäferberg in Espenau. „Viele unserer Gäste machen eher kleinere Reisen zu uns, nicht den Haupturlaub. Wir merken schon, dass das weniger wird, vielleicht, weil die Leute weniger Geld haben“, sagt Angelika Freitag.

Marco Kuhaupt ist etwas skeptischer. Er betreibt zusammen mit seiner Frau das Landhotel Mulot in Leckringhausen. Wo die Reise der Hotelbranche hingehe, könne er nicht sagen. Kuhaupt und seine Frau betreiben das Hotel mittlerweile alleine, Mitarbeiter haben sie nicht mehr. „Es hat sich schon vieles verändert, da müssen wir uns nichts vormachen. Aber meine Frau und ich sind zufrieden. Für uns beide reicht es“, so der Leckeringhäuser. (Leon Kaiser)

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