Kassel-Marburg

„Gefährlicher Mix für die heimische Konjunktur“: IHK warnt wegen Rezession in Nordhessen

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Der Konjunkturbericht der IHK Kassel-Marburg benennt „gefährlichen Mix“ von Faktoren für die Entwicklung der Wirtschaft in Nordhessen.

Kassel/Marburg – „Hohe Kosten, eine schwächelnde Binnennachfrage und die zunehmend ins Stocken geratene Auslandsnachfrage bilden einen gefährlichen Mix für die heimische Konjunktur.“ So hat die Industrie- und Handelskammer Kassel Marburg (IHK) die Lage in der nordhessischen Wirtschaft in ihrem Konjunkturbericht einleitend zusammengefasst. Am Mittwochnachmittag (1. November) hat die IHK den Bericht vorgestellt.

Über 250 Unternehmen haben sich bei der Umfrage im IHK-Bezirk Kassel-Marburg beteiligt. Der Konjunkturklimaindex sei im Vergleich zum Frühsommer um 20,7 Punkte auf 85,5 gefallen. Deutschlandweit rechnet die Bundesregierung dieses Jahr mit einem Rückgang von 0,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, aber auch damit, dass 2024 moderates Wachstum zurückkehre.

IHK Kassel-Marburg: Investitionen in Nordhessen gehen wahrscheinlich zurück

Zur Binnennachfrage erklärte Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, dass das Konsumkreditgeschäft deutlich zurückgegangen sei. Bei Unternehmenskrediten sei das Volumen der Neuvergaben um 35 Prozent zurückgegangen, bei Baukrediten um 40 Prozent. Ähnliche Zahlen erwarte er auch in anderen Regionen. Mit einer Insolvenzwelle rechnet der Banker dagegen nicht, eher mit einer schleichenden Verschlechterung der Lage von Betrieben. Angesichts der schlechten Stimmung in der Wirtschaft sei es höchste Zeit, dass die Politik handele. „So zum Beispiel beim Bürokratieabbau, in der Fachkräftesicherung und in der Energiepolitik“, forderte IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan.

Der Konjunkturklimaindex sei über alle Branchen hinweg eingebrochen, teilte die IHK mit. Ob Industrie, Verkehrsgewerbe oder Einzelhandel: Hier wird vor allem mit Stagnation oder Rückgängen gerechnet. Am pessimistischsten zeigen sich Baugewerbe und Großhandel. Etwas robuster zeigen sich in der Umfrage Verbrauchsgüterproduzenten. Es gebe nur wenige Branchen, die mit einer positiven Entwicklung in naher Zukunft rechnen, darunter das Gastgewerbe, das sich laut IHK „überraschend stabil“ zeige, sagte Oskar Edelmann, stellvertretender IHK-Geschäftsführer. Auch das Kreditgewerbe und der Dienstleistungssektor sind optimistischer.

IHK Kassel-Marburg: „Arbeitsmarkt in Nordhessen wird sich abkühlen“

Die geplanten Investitionen gehen laut IHK deutlich zurück. 40,3 Prozent der Unternehmen erwarten gleichbleibende Investitionen, 35,9 Prozent gehen von geringeren Investitionssummen aus. Die Hauptmotive für die Investitionen seien derzeit Ersatzbedarf, mit Abstand gefolgt von Maßnahmen zur Rationalisierung. Für viele Unternehmen seien Investitionen im Ausland derzeit oft attraktiver als solche in Deutschland, heißt es weiter.

Der Arbeitsmarkt kühle sich deutlich ab, der Fachkräftemangel bleibe laut IHK aber weiter hoch. Nur noch 6,9 Prozent der befragten Betriebe erwarten eine Steigerung der Mitarbeiterzahl. Etwas über ein Drittel geht von Stagnation aus, knapp ein Viertel erwartet sinkende Beschäftigungszahlen.

Die Exporterwartungen der exportierenden Betriebe im IHK-Bezirk seien weiter deutlich zurückgegangen. Nur 13,2 Prozent der Betrieb rechnen mit wachsenden Exporten, 33,7 Prozent mit einem Rückgang. Geopolitische Risiken, die weiterhin hohen Inflationsraten in wichtigen Industriestaaten und Kaufkraftverluste sowie weiter steigende Zinsen sorgen laut IHK für große Unsicherheiten im Auslandsgeschäft. Als größtes Problem nennen die Unternehmen hohe Energie- und Rohstoffpreise. Viele Länder hätten bei der Wettbewerbsfähigkeit auch aufgeholt. (Johannes Rützel)

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