Darmstadt

„In diesem Umfeld wollen wir nicht zu finden sein“: Hochschule Darmstadt verlässt Plattform X

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Wegen diskriminierender Inhalte und politischer Desinformation zieht sich die h_da vom Kurznachrichtendienst X – ehemals Twitter – zurück. Folgen andere nach?

Die Hochschule Darmstadt (h_da) zieht sich aus dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) zurück. An diesem Donnerstag soll die offizielle Präsenz der Hochschule beendet werden. „Der Rückzug erfolgt in Reaktion auf die drastische Veränderung des Debattenumfelds auf der Plattform seit dem Eigentümerwechsel 2022“, teilte die h_da mit.

Man habe mit wachsendem Unwohlsein die Folgen unzureichender Content-Moderation beobachtet: Diskriminierende und antisemitische Inhalte, Verschwörungserzählungen, politische Desinformation und sogar Aufrufe zur Gewalt hätten sich auf X rasant ausbreiten können, sagt h_da-Präsident Arnd Steinmetz. „Das können wir mit unseren Werten nicht mehr vereinbaren.“

Seit der Übernahme der Plattform durch den US-Milliardär Elon Musk steht dieser in der Kritik, weil er nicht nur selbst kontroverse Aussagen macht, sondern auch Rechtsextremen offen eine Bühne gibt. So ließ er kürzlich den rechtsextremen Verschwörungstheoretiker Alex Jones, dessen Account gesperrt war, wieder zu. Weil sich schon zahlreiche Unternehmen von der Plattform zurückgezogen haben, sind die Werbeeinnahmen von X in diesem Jahr auf 2,5 Milliarden Dollar gesunken, wie verschiedene Medien am Mittwoch berichteten.

Hochschule Darmstadt verlässt X: Künftig auf anderen Portalen

X hatte im Frühjahr erklärt, sich nicht mehr an den freiwilligen Verhaltenskodex der Europäischen Union gegen Falschinformationen in Online-Netzwerken halten zu wollen. „In diesem Umfeld wollen wir nicht mehr zu finden sein“, sagt der Hochschulpräsident. „Wir streben als wissenschaftliche Einrichtung nach belegbarer Erkenntnis.“

Seit 2008 war die Hochschule auf Twitter (X) präsent. Damals habe sich die Plattform als bedeutender Kanal zwischen Medienbranche, Politik und Gesellschaft etabliert. Jetzt ist die h_da offiziell noch auf Facebook, Tik Tok, Instagram, Youtube und LinkedIn vertreten. Daneben seien einige Serviceeinrichtungen, Fachbereiche und Hochschulmitglieder auf weiteren Plattformen aktiv.

Hochschule Darmstadt verlässt X: TU prüft Alternativen

Auch die Technische Universität Darmstadt „prüft derzeit Alternativen zu X wie Bluesky und Mastodon“. Das teilte die Pressestelle auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Allerdings erhalte man derzeit eine Präsenz auf X aufrecht, da man hier noch eine Vielzahl von Multiplikator:innen erreiche.

Neben den beiden Bildungseinrichtungen sind zahlreiche weitere Institutionen, Vereine und Firmen auf X vertreten – unter anderem auch die Stadt Darmstadt. Von dort hieß es auf Anfrage: Man prüfe ständig die eigenen Social-Media-Präsenzen auf Veränderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten. Derzeit stünden jedoch keine Veränderungen an. Sie könnten aber auch nicht ausgeschlossen werden.

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