Berufe

Schub für die Weiterbildung: In Hessen geht es jetzt kostenlos zum Meisterbrief

+
Jakob Semmerau baut an einer Schaltung für eine Hebebühne. Zuvor hat er dafür am Laptop den Ablauf programmiert.
  • schließen

Das Land zahlt bei einer bestandenen Prüfung 3500 Euro Prämie. Damit soll die Weiterbildung attraktiver und die berufliche Bildung der akademischen gleichgestellt werden.

Eine Ausbildung zum Handwerksmeister oder zur Handwerksmeisterin soll in Hessen künftig kostenlos möglich sein. Dazu zahlt die Landesregierung eine sogenannte Aufstiegsprämie in Höhe von 3500 Euro. Die bekommt, wer erfolgreich seine Prüfung ablegt. Das gilt auch für Fach- und Betriebswirt:innen.

Bei einem Besuch im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Frankfurt hat Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) am Mittwoch Einzelheiten zum kostenlosen Meisterbrief vorgestellt. Demnach stockt das Land die Aufstiegsprämie für erfolgreich abgelegte Abschlussprüfungen von 1000 auf 3500 Euro auf. Gewährt wird sie für alle Meisterabschlüsse und Abschlüsse zum Fach- oder Betriebswirt in Hessen vom 1. Juni an.

17 000 Euro bis zur Prüfung

Das Geld soll die Kosten ausgleichen, die bisher noch an den künftigen Jungmeistern und -meisterinnen hängen bleiben. So müssen für eine Weiterbildung zum Meister inklusive Prüfungsgebühr je nach Gewerk zwischen 7000 und 17 000 Euro gezahlt werden. Etwa drei Viertel werden bereits von der Aufstiegsförderung (Bafög) getragen. Die Prämie soll die verbleibende Summe auf null verringern.

Politik und Wirtschaft erhoffen sich davon eine Attraktivitätssteigerung für die Weiterbildungen sowie für handwerkliche Berufe insgesamt. „Es wird jede Hand gebraucht, gerade auch für die Umsetzung der Energiewende“, sagte Mansoori. Die Kosten seien bislang eine Hürde bei der Entscheidung für eine Meister-Weiterbildung gewesen. Diese werde nun abgebaut. Damit werde auch eine „Gerechtigkeitslücke“ zu den akademischen Berufen geschlossen und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung betont, so der Minister.

„Augenhöhe“ mit akademischer Bildung

Es sei wichtig für das Handwerk, auf „Augenhöhe“ mit der akademischen Bildung zu sein, sagte auch Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Deshalb freue sie sich sehr über die höhere Prämie. Auch der Geschäftsführer des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, Alexandre da Silva, sieht durch die angekündigte Zahlung Hürden abgebaut, die bisher Menschen davon abgehalten haben könnten, eine Weiterbildung zum Meister aufzunehmen. „Das ist nun keine finanzielle Frage mehr“, so da Silva.

Einer, der gerade auf dem Weg zum Meister ist, ist Jakob Semmerau. Der 25 Jahre alte Elektroniker, zurzeit beschäftigt bei einem Logistik-Unternehmen in Florstadt (Wetteraukreis), will in der ersten Juniwoche seinen Abschluss machen. Er lernt seit September in Vollzeit am Berufsbildungszentrum. „Ich verhandele gerade mit meinen Arbeitgeber darüber, wie meine Zukunft als Meister im Betrieb aussehen könnte“, sagte er. Für später könne er sich auch vorstellen, als Selbstständiger einen eigenen Betrieb zu führen. „Aber erst einmal konzentriere ich mich auf die Prüfungen.“ Für seinen Lebensunterhalt geht er nach Möglichkeit abends einige Stunden arbeiten. Die 3500 Euro Prämie bei erfolgreichem Abschluss kämen da gerade recht, sagte Semmerau.

7000 Abschlüsse im Jahr

So geht es auch Fabian Keller, ebenfalls 25 Jahre alt. Sein Arbeitgeber hat ihn für die Zeit der Vollzeitausbildung neun Monate lang freigestellt. Er lebe von rund 840 Euro Bafög im Monat. Selbstständigkeit sei für ihn eher keine Option, erzählte er. Er denke eher daran, als Meister im Unternehmen Karriere zu machen.

Jährlich legen in Hessen nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums mehr als 4000 Absolventen und Absolventinnen eine Meisterprüfung ab. Weitere 3000 erwerben laut Hessischem Industrie- und Handelskammertag vergleichbare kaufmännische oder technische Abschlüsse.

Kommentare