Zeitumstellung

Schäden in Millionenhöhe: In Hessen gibt es mehr als 40 Wildunfälle am Tag

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In der Winterzeit steigt das Risiko von Zusammenstößen mit Hirsch, Reh oder Wildschwein. ADAC und der hessische Jagdverband mahnen beim Autofahren zur Vorsicht.

Die aufgehende Sonne scheint auf ein Rudel Hirsche.

Mit der Zeitumstellung am kommenden Wochenende auf die Normalzeit (Winterzeit) wird es morgens früher hell und abends eine Stunde früher dunkel. Das ist deshalb problematisch, weil in der abendlichen Dämmerung Wildtiere auf Nahrungssuche gehen – und das zur Hauptverkehrszeit. Der ADAC Hessen-Thüringen und der hessische Landesjagdverband raten deshalb zu besonderer Vorsicht im Straßenverkehr.

„Tiere kennen weder Verkehrsregeln noch Uhrzeiten“, erinnert der Pressesprecher des ADAC, Cornelius Blanke. Reh, Wildschwein oder Hirsch orientierten sich am Tageslicht – die Zeitumstellung sei ihnen völlig gleichgültig. „Während die Tiere am Vortag die Fahrbahn noch gefahrlos überqueren konnten, braust einen Tag später plötzlich der Berufsverkehr über die Straße“, mahnt Blanke. Die Unfallgefahr werde deswegen nun größer.

Abstand zum nächsten Auto

Autofahrerinnen und Autofahrer sollten deshalb ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten, damit sie bei einer Gefahrenbremsung noch rechtzeitig zum Stehen kommen können. Vor allem morgens zwischen 6 und 8 Uhr sowie ab 17 Uhr sei das Risiko für einen Zusammenstoß besonders hoch.

Die Tiere seien jetzt auf Nahrungssuche, „um sich Fettreserven für die kalten Wintermonate anzufressen“, erläutert Markus Stifter, Pressesprecher des Jagdverbandes. Das Damwild befinde sich zudem gerade in der Paarungszeit – was mitunter die Aufmerksamkeit der Tiere für Fahrzeuge stark beeinträchtigen kann.

Viele Unfälle mit Rehen

Besonders häufig kommt es in Hessen zu Zusammenstößen mit Rehwild. Laut Landesjagdverband passiert dies 35 Mal am Tag. Beim Schwarzwild, also den Wildschweinen, ist das immerhin noch siebenmal täglich der Fall. Beim Rotwild, den Hirschen, gibt es rechnerisch 0,4 Unfälle am Tag. Das ergibt sich laut Verband aus einer Auswertung des Tierfundkatasters.

In ganz Deutschland kommt es gemäß der Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft täglich 800 Mal zu Zusammenstößen von Fahrzeugen und Wildtieren. Insgesamt wurden zuletzt fast 300 000 Wildunfälle gezählt; die Schäden belaufen sich auf nahezu eine Milliarde Euro pro Jahr. Die Dunkelziffer der Unfälle liege vermutlich noch um einiges höher. In der Statistik nicht erfasst werden zudem Kollisionen mit kleinen Wildtieren wie Füchsen, Waschbären, Hasen, Igeln oder Mardern.

Tip: Bremsen aber nicht ausweichen

Den Autofahrern und -fahrerinnen raten ADAC und Jagdverband, kontrolliert zu bremsen, wenn ein Tier am Straßenrand steht. Zudem solle man abblenden und hupen. Sollte ein Zusammenstoß unvermeidlich sein, soll man nicht ausweichen, sondern bremsen und das Lenkrad gut festhalten.

Nach einem Unfall soll dann die Unfallstelle sofort gesichert werden. Die Tiere sollte man nicht anfassen oder mitnehmen. Pflicht ist, die Polizei anzurufen, auch dann, wenn das Tier verletzt geflüchtet ist. Wer dies nicht tut, macht sich strafbar. pgh

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