Dr. Georg-August-Zinn-Schule Gudensberg

Ex-GNTM-Kandidatin Lijana Kaggwa klärt in Nordhessen über Cybermobbing auf

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„Du verdienst den Tod“: Lijana Kaggwa aus Kassel hat an der Dr. Georg-August-Zinn-Schule Gudensberg aus ihrem Buch gelesen und einen Vortrag über Cybermobbing gehalten. Sie spricht über ihre Erfahrung und motiviert Schüler sich einzusetzen.
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Lijana Kaggwa überrollte nach ihrer Teilnahme an „Germanys Next Topmodel“ eine Hasswelle. Nun besucht sie Schulen um Präventionsarbeit zu leisten.

Gudensberg – In der Dr. Georg-August-Zinn-Schule in Gudensberg (Schwalm-Eder-Kreis) stand sie den Schülern Rede und Antwort und las aus ihrem Buch „Du verdienst den Tod“, welches 2023 erschien. Was es heißt, digital und im realen Leben gemobbt und bedroht zu werden, musste Lijana Kaggwa am eigenen Leib spüren.

Nach ihrer Teilnahme an der 15.  Staffel der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) 2020 schlug der 27-jährigen Kasselerin eine Hasswelle entgegen, die sie letztlich, wie sie selbst sagt, in Depressionen und Suizidgedanken trieb.

Im HNA-Gespräch verrät die Influencerin (172 000 Follower auf Instagram), wie sie es aus den dunklen Zeiten geschafft hat und wie sie Betroffenen helfen will.

Lijana Kaggwa im Interview: Hasswelle nach Teilnahme an Germany‘s Next Topmodel

Frau Kaggwa, wie entwickelte sich die Hasswelle, die Sie getroffen hat?
Ich bin bei GNTM 2020 live im Finale ausgestiegen, weil ich so massiv unter dem Cybermobbing gelitten habe. Bei der Ausstrahlung wurde ich als Zicke dargestellt. Die Szenen wurden so geschnitten, dass ich in die Rolle gepasst habe. Viele positive Momente wurden einfach weggelassen. Der Hass aus dem Netz ist dann irgendwann auch in das reale Leben übergeschwappt. Die Leute haben meine Joggingrunde gepostet, mir aufgelauert und versucht meinen Hund zu vergiften. Zum Schluss stand ich sogar unter Polizeischutz.
Weshalb ist es Ihnen so wichtig über das Thema Cybermobbing aufzuklären?
Als mir das passiert ist, habe ich eine Begründung gesucht, warum ich diesen ganzen Hass abbekomme. Ich habe die Schuld bei mir selber gesucht, aber das ist genau der Fehler. Bei Cybermobbing geht es den Tätern einfach nur darum, jemanden fertigzumachen.
Wie ist es dazugekommen, dass Sie Vorträge in Schulen halten?
Vor der Teilnahme an GNTM habe ich Grundschullehramt studiert. Mir war klar, dass ich mit meinem Verein „Love Always Wins“ an Schulen wirken möchte. Da erreiche ich alle drei Mobbingparteien: Zuschauer, Täter und Betroffene. Durch meine Geschichte habe ich einen ganz anderen Zugang, weil ich persönlich betroffen bin. Kinder sind sehr fragil und haben oft wenig Selbstbewusstsein. Ich will nicht, dass ihnen Mobbing so stark zu setzt wie mir. Sie sollen wissen, was sie tun können, um aus der Situation rauszukommen.
Was erhoffen Sie sich von Ihren Schulbesuchen und den Lesungen?
Ich möchte präventiv gegen Cybermobbing und Mobbing vorgehen, Täter sensibilisieren und Betroffene von innen stärken und schützen. Ich hoffe, ich kann Mobbing-Zuschauende motivieren, Courage zu zeigen und sich einzusetzen.
Was sind Ihre besten Ratschläge für Betroffene?
Bei Cybermobbing sollte man unbedingt die gegebenen Funktionen nutzen und Mobber blockieren und melden. Man muss sein inneres Schutzschild stärken und sich mit Menschen umgeben, die einen wirklich kennen. Außerdem hilft es, an seinem Selbstwertgefühl zu arbeiten als Resilienz gegen Cybermobbing.

270 Schüler hören an dem Vortrag von Lijana Kaggwa in Gudensberg

Standen den Schülern an der Dr. Georg-August-Zinn-Schule Rede und Antwort: Sozialarbeiterin Nada Wegner, Referentin Lijana Kaggwa, Polizeihauptkommissar und Geschäftsführer des Netzwerkes gegen Gewalt Sascha Aschermann und Martina Brunkow, Lehrerin an der GAZ und Leiterin des Projektes Gewaltprävention und Demokratielernen.

Gespannt lauschten 270 Schüler der Dr. Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) Gudensberg und der Anne-Frank-Schule Fritzlar, als Lijana Kaggwa aus ihrem Buch „Du verdienst den Tod“ las.

Dabei ging es vor allem um ihre Teilnahme an der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ und die darauffolgende Hasswelle im Netz.

Mit einer so negativen Resonanz habe sie nie gerechnet. „Ich wollte nicht mehr leben. Mein Leben war mir völlig egal“, verdeutlicht die 27-Jährige die Auswirkungen von Mobbing.

Mit Aktionstagen an Schulen und Universitäten möchte die Kasselerin sich gegen Mobbing und Cybermobbing einsetzen.

Polizeihauptkommissar warnt vor verstärktem Cybermobbing

Begleitet wird sie dabei von Sascha Aschermann, Polizeihauptkommissar und Geschäftsführer des Netzwerkes gegen Gewalt. „Lijana hat einen anderen Zugang zu den Schülern. Sie holt sie in ihrer Welt ab und trifft genau den Kern“, erklärt der Polizist.

Die Veranstaltung in der GAZ fand anlässlich des jährlichen „Behaupte-Dich-Gegen-Mobbing-Tags“ statt. „Cybermobbing nimmt verstärkt zu. Das merken wir immer wieder“, sagt Aschermann.

Viele Schüler nutzten vor allem die Fragerunde, um die Influencerin über ihre Teilnahme an der Castingshow auszufragen. Aschermann betonte vor allem, dass man sich nicht davor scheuen, solle, sich bei Mobbing an die Polizei zu wenden.

GAZ-Schülerinnen berichteten von ihren Erfahrungen mit Mobbing

Die GAZ-Schülerinnen Christina Papadakis und Lina Sporbert wissen aus eigener Erfahrung, wie sich Mobbing anfühlt. „Vielen ist nicht bewusst, was sie sagen und welchen Schaden das anrichtet. Ich finde es gut, dass Lijana sich dafür einsetzt“, sagt Christina Papadakis.

Die beiden Schülerinnen gingen mit einem guten Gefühl nach Hause. „Ich habe heute gelernt, dass man sich trauen sollte etwas zu sagen, wenn jemand anderes gemobbt wird. Vor allem sollte man immer an sich selbst glauben“, betont Lina Sporbert aus Werkel.

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