VonSebastian Reichertschließen
Der Deutsche Wetterdienst gab für Mittwochabend eine amtliche Warnung vor starkem Gewitter für den Landkreis Fulda, den Vogelsbergkreis und den Main-Kinzig-Kreis heraus. Im unteren Kinzigtal gab es 400 unwetterbedingte Einsätze.
+++ 11.20 Uhr: Am Donnerstagvormittag (11. Juli) gab der Deutsche Wetterdienst wieder eine amtliche Warnung vor starkem Gewitter für Main-Kinzig-Kreis heraus. Die Warnung, die auch den Landkreis Fulda, den Vogelsbergkreis und den Landkreis Hersfeld-Rotenburg betrifft, ist voraussichtlich gültig bis 12 Uhr.
Zu den Gefahren, vor denen die Wetter-Experten warnen, gehört auch Aquaplaning. Wasser auf der Autobahn A7 bei Wasserlosen im Landkreis Schweinfurt in Unterfranken führte in der Nacht zu Donnerstag zu einem Unfall. Nach Erkenntnissen der Polizei war ein 56-Jähriger dort mit einem Kleintransporter in Fahrtrichtung Füssen/Reutte mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs.
Aquaplaning führt zu Unfall auf Autobahn A7 - 15.000 Euro Schaden
Aufgrund von Aquaplaning verlor der Mann dann die Kontrolle über seinen Kleintransporter. Das Fahrzeug prallte gegen die Mittelleitplanke und kam nach 100 Meter zum Stehen. Der Sprinter war nicht mehr fahrbereit und musste von einem Abschleppdienst geborgen werden. Es entstand ein Sachschaden von 15.000 Euro.
Die Feuerwehren von Werneck, Euerbach und Wülfershausen waren vor Ort. Die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck weist daraufhin, die Geschwindigkeit den gegebenen Wetterverhältnissen anzupassen und auch auf eine ausreichende Profiltiefe bei den Reifen zu achten.
Update vom 11. Juli, 10.04 Uhr: Die erste Gewitterzelle brachte gegen 19.15 Uhr Starkregen, der bis kurz nach 21 Uhr andauerte. Die Unwetterereignisse mit Hagel, Starkregen und Sturm betrafen besonders die Westhälfte des Main-Kinzig-Kreises schwer. Bei der Leitstelle Main-Kinzig gingen im Laufe des Abends über 400 Alarmierungen ein, davon allein über 300 aus dem Stadtgebiet Hanau.
„Mehr als 200 Feuerwehrleute aus Hanau und viele weitere Einsatzkräfte aus der Region waren bis tief in die Nacht im Einsatz“, dankten Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadträtin und Feuerwehrdezernentin Isabelle Hemsley den Einsatzkräften. Bis 4 Uhr wurden 314 Einsatzstellen in Hanau abgearbeitet.
Kinzigtal vom Unwetter stark betroffen - auch Klinikum in Hanau
„Vor allem die Hanauer Innenstadt sowie die Stadtteile Nordwest und Lamboy waren betroffen“, bilanziert Isabelle Hemsley. Die Autobahn B43a musste gegen 19.30 Uhr kurzzeitig zwischen den Anschlussstellen Hauptbahnhof und Wolfgang in Fahrtrichtung Fulda voll gesperrt werden. Das Wasser stand auf einer Länge von etwa 200 Metern.
Viele Keller und auch zwei städtische Parkhäuser liefen voll. „Brandmeldeanlagen lösten aus, Bäume fielen um, teilweise auf Straßen, Gullydeckel wurden hochgedrückt, Straßen und Unterführungen waren zeitweise überschwemmt“, erklärte Feuerwehrchef Hendrik Frese, Leiter des Brandschutzamtes, in einem ersten Überblick.
„Auch das Klinikum ist betroffen, der Betrieb läuft aber heute wieder normal“, sagte Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikum Hanau ist. Viele Gebäude, wie etwa der Congress Park Hanau, meldeten Wassereinbrüche. Menschen wurden laut ersten Erkenntnissen nicht verletzt. Wegen Astbruchs bleibt der Schlosspark erst einmal gesperrt.
„Unser Dank gilt allen Hanauer Feuerwehrleuten sowie den Kameradinnen und Kameraden aus dem Kreis Offenbach und Main-Kinzig-Kreis, den Kräften von DLRG, THW, der Polizei und dem Betreuungszug des DRK Hanau für ihren Einsatz sowie allen Bürgerinnen und Bürgern für ihre Besonnenheit“, sagten Oberbürgermeister Kaminsky und Stadträtin Hemsley.
In den Hanauer Nachbarkommunen wie Erlensee, Maintal, Rodenbach und Bruchköbel rückten die Feuerwehrleute ebenfalls viele Male aus und arbeiteten einen Einsatz nach dem anderen ab. „Die 400 Alarmierungen entsprechen bei Weitem nicht der Zahl der tatsächlichen Einsatzorte“, berichtete Landrat Thorsten Stolz.
„Denn wo die Einsatzkräfte auch hingekommen sind, sie haben praktisch über den Gartenzaun gleich das nächste Hilfegesuch entgegengenommen.“ In Erlensee wie auch den anderen Kommunen lag der Schwerpunkt auf dem Auspumpen von Kellern. Rund 330 Alarmierungen standen kreisweit mit vollgelaufenen Räumen im Untergeschoss im Zusammenhang.
So ein Unwetter bedeutet buchstäblich eine Flut an Arbeit für die Einsatzkräfte. Alle Beteiligten haben ihre Leidenschaft und Flexibilität wieder einmal unter Beweis gestellt. Das war einfach große Klasse.
Der Landrat sprach am Donnerstag allen Frauen und Männern, die bei der Beseitigung der Folgeschäden mitgeholfen haben, ein großes Dankeschön aus, „von der Feuerwehr über die Rettungsdienste, die ebenfalls ein Mehr an Einsätzen hatten, und den Betriebshöfen bis hin zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Leitstelle Main-Kinzig, deren Personal kurzfristig deutlich aufgestockt werden konnte“.
„So ein Unwetter bedeutet buchstäblich eine Flut an Arbeit für die Einsatzkräfte auf der Straße, aber ebenso für die Disponenten auf der Leitstelle. Alle Beteiligten haben ihre Leidenschaft und Flexibilität wieder einmal unter Beweis gestellt. Das war einfach große Klasse“, sagte Thorsten Stolz.
Das Unwetter am Mittwochabend traf indes auch noch andere Teile von Hessen: In Bad Vilbel stürzte beispielsweise eine Burgmauer während der Festspiel-Proben ein. Straßen mussten gesperrt werden.
+++ 20.41 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst hob die amtliche Warnung vor starkem Gewitter für den Main-Kinzig-Kreis am Mittwoch um 20 Uhr auf. Wenig später wurde die Gewitter-Warnung für den Main-Kinzig-Kreis wieder aktiviert - um dann um 20.25 Uhr wieder aufgehoben zu werden.
+++ 19.27 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst verlängerte die Gültigkeit der amtlichen Warnung vor starkem Gewitter am Abend nochmals - für den Vogelsbergkreis und den Landkreis Fulda bis 20.15 Uhr, für den Main-Kinzig-Kreis bis 20 Uhr
Update vom 10. Juli, 18.57 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst verlängerte die Gültigkeit der amtlichen Warnung vor starkem Gewitter für den Vogelsbergkreis und den für Main-Kinzig-Kreis am Abend bis 19.15 Uhr.
Erstmeldung vom 10. Juli, 18.38 Uhr: Fulda - Die amtliche Warnung vor starkem Gewitter für den Landkreis Fulda, den Vogelsbergkreis und den für Main-Kinzig-Kreis ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes DWD) am Mittwoch (10. Juli) gültig von 17.56 Uhr bis voraussichtlich 18.45 Uhr
„Es besteht die Gefahr des Auftretens von starken Gewittern der Stufe 2 von 4“, teilten die Wetter-Experten mit. Gefahren würden demnach durch Blitzschlag, vereinzelt umstürzende Bäume, herabstürzende Gegenstände und vereinzelte, rasche Überflutungen von Straßen und Unterführungen bestehen.
Amtliche Warnung vor starkem Gewitter für drei Landkreise in Osthessen
Zudem können auch Aquaplaning und Hagelschlag drohen. Der DWD empfiehlt, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden oder Schutz zu suchen (zum Beispiel n Gebäuden), Gewässer zu meiden sowie Gerüste und freistehende Objekte (zum Beispiel Leinwände und Bühnen) zu sichern.
Die weiteren Handlungsempfungen: beispielsweise Zelte und Abdeckungen befestigen, wenn möglich, rechtzeitig abbauen, im Freien auf herabfallende Gegenstände (zum Beispiel große Äste, Dachziegel) achten und gegebenenfalls Schutz suchen, das Verhalten im Straßenverkehr anpassen sowie überflutete und gefährdete Abschnitte (wie Unterführungen) meiden.
Rubriklistenbild: © Feuerwehr Hanau/Stadt Hanau


