Bundestagskandidatin Bettina Stark-Watzinger tritt für die FDP an
Main-Taunus - Sind Sie nicht Frau Stark-Watzinger?“, fragt der Passant, dem Politikerin und Reporterin zufällig in der Hofheimer Altstadt begegnen. Freundlich bejaht die prominente Sodenerin und reicht dem Mann die Hand. Er wünsche ihr alles Gute, sagt er. Sie bedankt sich und lächelt.
Vor dreieinhalb Jahren, als Bettina Stark-Watzinger ebenfalls Bundestags-Direktkandidatin im Main-Taunus und auch schon FDP-Landesvorsitzende in Hessen war und wir uns an einem Café-Tisch inmitten der Sodener Fußgängerzone trafen, sprach niemand sie einfach mal so an. Es sei ganz gut so, längst nicht so prominent zu sein wie Christian Lindner, meinte sie damals. Das hat sich ein ganzes Stück weit geändert. Immerhin war die inzwischen 56 Jahre alte stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen drei Jahre Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett von Olaf Scholz (SPD), bis die Ampel-Koalition im November platzte.
Seither ist Stark-Watzinger wieder eine einfache Bundestagsabgeordnete, wie sie es in der Zeit der schwarz-roten Merkel-Regierung schon einmal war. Dass sie heute beim Einkaufen auch mal Gespräche über Politik führt, eben weil Menschen sie erkennen und ansprechen, sehe sie eher als Chance, „jenseits der normalen Kanäle, die man hat“, von Bürgerinnen und Bürgern etwas über ihre Sicht auf Politik zu hören.
Digitale Zukunft
Was sie mitgenommen hat aus ihrer Zeit als Forschungsministerin? „Ein viel positiveres Bild auf Zukunft, als in der Gesellschaft zurzeit diskutiert wird“, sagt die Sodenerin. Sie habe gesehen, „wie viel Wissen und wie viel Motivation da ist, Probleme zu lösen, die vor uns liegen.“ Für die Liberale ist aber auch klar: Um mitzuhalten in einer sich immer rascher verändernden Welt, einer digitalen Zukunft - „da werden wir uns einigen Realitäten stellen müssen“. Eine Verbesserung der Bildungskompetenz, einen Abbau von Bürokratie, eine Stärkung von Innovation und Unternehmergeist hält sie für unabdingbar.
ZUR PERSON
Bettina Stark-Watzinger ist 1968 in Frankfurt am Main geboren. Seit ihren Kindertagen lebt sie in Bad Soden. Die Diplom-Volkswirtin hat zunächst für eine Bank, dann im Bildungsbereich gearbeitet und sich zunächst kommunal- und landespolitisch engagiert, bevor ihr 2017 nach zwei Anläufen erstmals der Sprung in den Deutschen Bundestag gelang.
Sie war Stadtverordnete und Kreistagsmitglied für die Liberalen, denen sie seit 2004 angehört. Im Jahr 2015 wurde sie Generalsekretärin der Hessen-FDP, 2021 Landesvorsitzende. Seit 2017 gehört sie dem Bundesvorstand ihrer Partei an, seit 2023 ist sie stellvertretende Bundesvorsitzende. Von Dezember 2021 bis zu ihrem Rücktritt aufgrund des Bruchs der Ampel-Koalition im November 2024 war Bettina Stark-Watzinger Bundesministerin für Bildung und Forschung. Für die Amtsführung der Bad Sodenerin, die übrigens eine Schwäche für Gummibärchen mit Ananasgeschmack hat, gab es auch einige Kritik, etwa wegen der sogenannten „Fördergeldaffäre“, die als Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft gesehen wurde. babs
„Wir haben das Potenzial. Wir haben starke mittelständische Unternehmen. Und noch haben wir eine starke Zivilgesellschaft“, sagt Stark-Watzinger. Für sie keine Frage: „Um die Zukunft mitzugestalten, braucht es eine liberale Kraft.“ Dass ihre Partei nicht nur den aktuell zweifelhaft erscheinenden Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schafft, sondern sogar als „starke FDP“ wieder in den Bundestag einzieht, dafür will sie bis zum 23. Februar kämpfen.
„Immens wichtig“ seien die wenigen Tage bis dahin. „Die Menschen spüren zumindest: Es geht jetzt um was“, verweist die studierte Volkswirtin auf Mitgliederzuwächse bei allen demokratischen Parteien. Wichtig sei jetzt, auch über Inhalte zu sprechen und zu zeigen, dass in einer Demokratie Lösungen geschaffen werden.
Was sie motiviert, weiter Politik machen zu wollen? Sie habe selbst erleben dürfen, welche Aufstiegschancen eine Demokratie ermögliche, sagt Stark-Watzinger. Sie sehe viele Menschen, die anpacken und sich etwas aufbauen wollten für die Zukunft. „Dafür zu kämpfen, motiviert jeden Tag.“ Der Winter-Wahlkampf schreckt sie nicht. Durch den Ausfall der eigenen Heizung ausgerechnet zu den Feiertagen sei sie da jetzt schon etwas gestählt, sagt sie augenzwinkernd. Und immerhin gehe es ja um etwas bei dieser Wahl. „Dafür friere ich auch gern mal.“
Sehr dankbar sei sie für den Rückhalt durch ihre Familie, sagt die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. „Sie erdet einen und trägt auch in schwierigen Zeiten“, sagt Bettina Stark-Watzinger. Bei ihr hat sie über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel Kraft geschöpft. Die Stimmung an der Basis sei zusätzliche Motivation. „Jetzt erst recht, sagen viele“, so ihre Erfahrung.
Thematisieren will die Liberale unter anderem Entlastungen für die Unternehmen. Auch im Main-Taunus gebe es ein „pulsierendes Gewerbe“, sagt Stark-Watzinger, für das eine „realistische Energiepolitik“ wichtig sei. Auch für weniger Regulierung will sie sich mit ihrer Partei stark machen, denn sie treffe besonders die kleinen Firmen. Eine Offenheit für neue Technologien will sie zudem. Dass es auch immer Schattenseiten gibt, den Missbrauch digitaler Plattformen etwa, kontert sie mit der Forderung, umso wichtiger sei der Erwerb einer Medienkompetenz. Auch wenn das Tempo der Veränderung in diesem und anderen Bereichen derzeit rasend sei: „Dem müssen wir uns stellen“, meint die Liberale.