Porträt der Woche

Jobcenter Frankfurt hat neuen Chef

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Ulli Dvorák leitet seit kurzem das Frankfurter Jobcenter. Die Bilder in seinem Büro hat er selbst aufgenommen.
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Ulli Dvorák leitet jetzt das Frankfurter Jobcenter. Dessen Arbeit hat sich sehr verändert, sein Antrieb ist aber derselbe geblieben.

Mehr Kontinuität geht kaum. Als 2005 in Höchst das erste Jobcenter in Frankfurt die Arbeit aufnimmt, ist Ulli Dvorák schon dabei. Seitdem hat sich der inzwischen 51-Jährige, der nach dem Abitur an der Wöhlerschule an der Verwaltungsfachschule studierte und dann zunächst für das Frankfurter Jugend- und Sozialamt tätig war, nach und nach hoch gearbeitet. Schon 2009 wechselte er in den Stab der Geschäftsführung, 2016 übernahm der Vater von Zwillingen im Jugendalter die operative Leitung des Leistungsbereichs. Seit Juni nun leitet er als Nachfolger der langjährigen Chefin Claudia Czernohorsky-Grüneberg die Behörde mit fast 1000 Beschäftigten und sieben Standorten. Gerade hat Sozialdezernentin Elke Voilt (Grüne) ihn als „erfahrenen Fachmann“ im Sozialausschuss vorgestellt.

Die großen Fotografien an der Wand seines Büros, die die Frankfurter Skyline und Meereslandschaften zeigen, hat Dvorák, der mit seiner Familie seit einigen Jahren im Taunus lebt, selbst gemacht. In seiner Freizeit ist er gern mit Kamera draußen unterwegs, auch mal mit Zelt, manchmal kommen die Kinder mit.

Jobcenter Frankfurt: Umstellung auf Bürgergeld geht weiter

Beruflich mag Dvorák nicht eben weit herumgekommen sein, auch jetzt ist er in Sachsenhausen nur „drei Meter über den Flur gezogen“. Die Arbeit im Jobcenter hat sich aber sehr verändert. Schon seit Ende 2017 führen die Beschäftigten die Akten nicht mehr auf Papier, sondern digital, als „E-Akte“. Bewährt hat sich das nicht zuletzt in der Corona-Pandemie, als bis zu siebenmal mehr Anträge auf Leistungen zum Lebensunterhalt kamen, zugleich aber kein direkter Kundenkontakt möglich war und sehr viele Beschäftigte von zu Hause arbeiteten. Menschen, die etwa, weil sie arbeitslos werden, finanzielle Hilfe brauchen, können die Anträge schon länger auch digital stellen. Das nutzten bislang allerdings nicht allzu viele, räumt Dvorák ein.

Nun bringt die Umstellung von der Grundsicherung auf das Bürgergeld große Veränderungen für die gemeinsame Einrichtung der Agentur für Arbeit Frankfurt und der Stadt Frankfurt. Zum Jahreswechsel bescherte diese den Leistungsempfänger:innen zunächst mehr Geld: Der Regelsatz für Alleinstehende etwa stieg von 449 auf 502 Euro im Monat. Die zweite Stufe, die im Juli in Kraft tritt, soll unter anderem das Verhältnis zwischen der Behörde und den Menschen, die Hilfe beziehen, verändern. Die Rede ist etwa von einer Beratung auf Augenhöhe. Vor allem aber fällt der so genannte Vermittlungsvorrang weg. Hilfebezieher:innen sollen also, wie Dvorák erläutert, nicht länger gezwungen sein, einen Job anzunehmen, wenn eine Weiterqualifizierung oder auch eine Ausbildung ihnen langfristig eine bessere Berufsperspektive bietet.

Leiter des Frankfurter Jobcenters hofft auf besseres Image der Behörde

Der Jobcenterleiter erhofft sich vom Bürgergeld nicht zuletzt ein besseres Image der Behörde. Die Beschäftigten machten einen schwierigen und tollen Job, versorgten jeden Tag 70.000 Menschen in der Stadt mit sozialen Sicherungsleistungen, sagt Dvorák. Natürlich kennt er aber auch die Kritik, die es immer wieder an der Arbeit der Behörde gibt, an Fällen etwa, bei denen ein Jobcenter zum Beispiel unverhältnismäßige Sanktionen ausspricht.

Dvorák blendet zurück in seine Anfangszeit, die Arbeit im Sozialrathaus Eschersheim. Damals habe er festgestellt: „Die Menschen, die ins Sozialamt kommen, brauchen Hilfe. Ich kann ihnen helfen. Das war ein gutes Gefühl.“ Das Helfen können und wollen, sei bis heute sein Antrieb. Und er gehe davon aus, dass das auch bei den allermeisten Beschäftigten in der Behörde so ist.

Lage auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt hilft auch Langzeitarbeitslosen

Menschen in einen Job zu vermitteln, war schon mal schwieriger. Im Mai waren knapp 33..000 Bedarfsgemeinschaften in Frankfurt auf finanzielle Leistungen des Jobcenters zur Sicherung ihres Lebensunterhalts angewiesen. Vor einigen Jahren seien es deutlich mehr gewesen, bei damals geringer Einwohnerzahl.

Die derzeit hohe Arbeitsskräftenachfrage biete gute Chance, sich aus Arbeitslosigkeit und finanzieller Abhängigkeit zu befreien, sagt Dvorák. Und das gelte grundsätzlich auch für die Menschen, die seit dem Überfall Russlands aus der Ukraine flohen. Bei vielen sei allerdings noch eine mangelnde Sprachkompetenz eine große Hürde.

Jobcenter Frankfurt spürt selbst den Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt

Als Jobcenterchef bekommt Dvorák auch die Kehrseite der vergleichsweise guten Lage auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Die Behörde leidet unter Fachkräftemangel. 70 offene Stellen gibt es derzeit. Für die fordernde Arbeit neue Kolleg:innen zu gewinnen, sei herausfordernd, sagt er. Dabei sei besonders die Arbeit mit Kundenkontakt nie langweilig.

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