Bei Pilotprojekt sollen dem lästigen Insekt Brutmöglichkeiten genommen werde
Hattersheim - Sie ist kleiner als ein Cent-Stück und macht dennoch große Probleme. Die Rede ist von der Asiatischen Tigermücke. Das winzige Insekt hat seine ursprüngliche Heimat in Südostasien hinter sich gelassen und ist - begünstigt durch internationale Handelswege und den Klimawandel - in nördlichere Gefilde gewandert.
Experten berichteten im Eddersheimer Begegnungshaus, wie die Mücke den Transport alter Autoreifen nutzt, um entlang der Autobahn A5 zu reisen. Dass gerade in Eddersheim über den winzigen Blutsauger informiert wurde, war kein Zufall. Der Hattersheimer Stadtteil wurde für ein Pilotprojekt zur Eindämmung der Tigermücken-Population ausgewählt.
Wenn alle gut mitmachen und die Forschungen erfolgreich seien, „dann kommen wir vielleicht sogar ins Fernsehen“, unterstrich Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) die überregionale Bedeutung des Projektes. Ziel der räumlich eingegrenzten Aktion sei es, das tropische Insekt im Zeitraum von Juni bis Oktober zu bekämpfen. Dementsprechend trägt das vom Hessischen Amt für Gesundheit und Pflege durchgeführte Programm den Titel KomBAT - kurz für: Kommunale Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke.
400 Exemplare 2022 in Flörsheim
Birgit Bornheim, Leiterin des Gesundheitsamts des Main-Taunus-Kreises zeichnete den Weg der Tigermücke nach. 2021 seien erstmals Exemplare im benachbarten Flörsheim nachgewiesen worden. 2022 habe man dort bereits über 400 Exemplare gezählt. Das Insekt beschäftigt die Gesundheitsämter, weil es in der Lage ist, tropische Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika und Chikungunya zu übertragen.
Dies ist momentan noch sehr unwahrscheinlich, da die Blutsauger zunächst einen Infizierten stechen müssen, um das Virus aufzunehmen. Theoretisch sei es aufgrund der großen Reisetätigkeit in der Region jedoch möglich, erläuterte Bornheim. In diesem Jahr zählte das Gesundheitsamt drei Fälle von Dengue-Fieber im Kreis. Bisher habe es aber noch keine einzige Krankheitsübertragung durch die Mücke in Deutschland gegeben.
UNPROBLEMATISCH
Welche Folgen hat die Mückenbekämpfung für andere Lebewesen? Andreas Larem,erklärt, dass Bienen durch Einsatz des biologischen Mittels nicht geschädigt werden. Es bestehe auch keine Gefahr für Menschen oder andere Säugetiere.
Die Insektenfallen, die zum Nachweis der Tigermücke verwendet werden, seien ebenfalls unproblematisch. Diese würden keine Wespen oder Wildbienen anziehen, weil die heimischen Insekten nicht auf den Lockstoff reagieren. sas
Dr. Elisa Stickler vom Hessischen Landesamt für Gesundheit und Pflege machte deutlich, weshalb die Tigermücke auch ohne Tropenkrankheiten zum Ärgernis wird. Das anpassungsfähige Insekt sei tagaktiv und sehr lästig. Sie wisse bereits von Gegenden in Deutschland, wo Menschen kaum noch vor die Tür gehen. In einer Saison können die Mücken bis zu fünf Generationen an Nachwuchs ausbrüten - 2022 seien es sogar sechs gewesen.
Die Expertin beschrieb die Erkennungsmerkmale der Tigermücke. Das Insekt trägt nicht nur einen weißen Streifen auf dem Rücken, sondern auch wechselnde Ringe an den Beinen, die in einem weißen Glied enden. Darin und in der geringeren Größe unterscheide sich der Plagegeist von der heimischen Ringelmücke.
Was soll nun in Eddersheim unternommen werden? Dr. Andreas Larem erläuterte, dass eine Bekämpfungsfläche im Bereich Gundhofstraße und Ankerstraße festgelegt wurde - einschließlich der angrenzenden Kleingartenanlage. Die Wissenschaftler hätten diesen Bereich ausgewählt, weil dort im Vorjahr erstmals Tigermücken gefunden wurden. Die frische Verbreitung erlaube es, die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen zu überprüfen.
Die Bekämpfung sieht vor, den Insekten die Brutmöglichkeiten zu nehmen. Die Tigermücke lege ihre Eier oberhalb von Wasserflächen ab. Der Nachwuchs schlüpfe dann, sobald der Wasserspiegel steigt, berichtete Larem. Deshalb sollen kleine Wasseransammlungen im Testgebiet so gut wie möglich entfernt werden. Als mögliche Brutplätze gelten Gartenschuhe, Schirmständer, Vasen oder Plastikbecher. Auch eine Schubkarre, in der sich Wasser sammelt, bietet der Mücke ein optimales Umfeld. Keine Gefahr gehe hingegen von Gartenteichen aus, da es dort natürliche Feinde wie Libellen oder Fische gebe.
Alle Wasseransammlungen, die nicht entfernt werden können - beispielsweise in Blumentopfuntersetzern - sollen mit einem biologischen Mittel besprüht werden, das die Larven abtötet. Diese Behandlung wird in Eddersheim 14-tägig wiederholt. Den betroffenen Grundstücken werden Betreuer zugewiesen, die den Bereich regelmäßig kontrollieren. Das Landesamt hat Mitarbeiter der Stadt geschult. Anwohner sollen diesen Helfern, die an einer grünen KomBAT-Weste zu erkennen sind, Zugang zu ihren Grundstücken gewähren.
Im Randgebiet rund um den Forschungsbereich werden ebenfalls Vorkehrungen getroffen, um stehende Wasserflächen zu vermeiden. Dort ist jedoch keine Behandlung mit dem Sprühstoff vorgesehen. Eddersheimer dürfen auf ruhige Sommer hoffen: Bei einem ähnlichen Projekt in Oestrich-Winkel waren nach etwas mehr als drei Jahren keine Tigermücken mehr nachweisbar.