Regionale Wirtschaft

Mehr Firmenpleiten in Nordhessen: Zahl der Insolvenzen gestiegen

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2024 haben mehr Firmen als im Vorjahr Insolvenz angemeldet.
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Die Wirtschaftskrise macht sich laut Creditreform stärker in Nordhessen bemerkbar. Problematischer als die Insolvenzen könnte aber ein anderes Thema sein.

Kassel – Immer mehr Unternehmen in Nordhessen melden Insolvenz an. Das geht aus einem Bericht der Auskunftei Creditreform hervor. Im Jahr 2024 gab es 264 Unternehmensinsolvenzen, 29 mehr als im Jahr 2023. Das ist ein Anstieg um 12,3 Prozent. Damit folgt die Region dem bundesweiten Trend, liegt aber noch deutlich unter dem Durchschnitt von 24,3 Prozent.

Unterschiedliche Entwicklung: Insolvenzlage variiert in Nordhessen

Nicht in allen Landkreisen Nordhessens steigt die Zahl der Insolvenzanmeldungen. Im Kreis Kassel und im Schwalm-Eder-Kreis geht die Anzahl etwa leicht zurück, in Hersfeld-Rotenburg verdoppelte sie sich fast (Hintergrund). Gerade bei niedrigen Werten im zwei- oder dreistelligen Bereich können jedoch bereits geringe Veränderungen dafür sorgen, dass die Zu- oder Abnahme prozentual relativ groß ausfällt.

Insolvenzen in Nordhessen: Auch große Firmen rutschen ab

Auch wenn nach wie vor die Mehrheit der Unternehmensinsolvenzen Kleinstunternehmen mit höchstens zehn Beschäftigten betreffe, sei auffällig, dass nun auch mehr große Betriebe betroffen seien. „Ihr Anteil am Insolvenzaufkommen bleibt zwar gering, doch die Folgen von Großinsolvenzen sind erheblich: hohe Forderungsausfälle und Arbeitsplatzverluste“, erklärt Creditreform Kassel Geschäftsführer Sebastian Schlegel.

„Insolvenzzahlen sind ein kleiner Ausschnitt des Wirtschaftsgeschehens, sie repräsentieren die Unternehmen, die ein geregeltes Verfahren anstreben“, erläutert Carsten Heustock, von der IHK Kassel-Marburg. Dass die Region Nordhessen im Vergleich besser dastehe, decke sich mit den Erfahrungen der Kammer: „Uns erreichten derzeit kaum Anfragen nach einer Beratung zum Thema Insolvenz.“ Insbesondere kleine Unternehmen setzten oftmals nicht auf ein Insolvenzverfahren, sondern melden einfach ihr Gewerbe ab.

Hessenweit blieb die Zahl der Abmeldungen im Vergleich zu 2023 mit etwas weniger als 56.000 stabil. Für das Jahr 2024 verzeichnet das Statistische Landesamt zudem 60.758 Gewerbeanmeldungen in Hessen, rund zwei Prozent weniger als 2023 (minus 1162 Anmeldungen).

Nordhessen wirtschaftlich stabil – aber wenig Investitionen

Dass die Zahl der Insolvenzen in Nordhessen nicht so stark gestiegen sei wie der auf Bundesebene, könne ein Indiz dafür sein, dass Nordhessen eine gute Unternehmensstruktur habe. Es geb viele Familienunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die nicht nur von einer Branche abhängig seien. „Ich sehe jetzt noch kein Problem in der Region“, so Heustock weiter. Allerdings werde, außer im Bereich der Unternehmensnachfolge, sehr wenig investiert. „Das ist ein Problem“.

Bei Creditreform in Kassel geht man angesichts der anhalten Rezession davon aus, dass die Zahl der Insolvenzanmeldungen in Nordhessen im Jahr 2025 weiter zunehmen wird. (Daniel Seeger)

Zahlen für die Landkreise

2024 wurden in Nordhessen 264 (2023: 235) Unternehmensinsolvenzen registriert. Eine Zunahme beobachtete Creditreform in der Stadt Kassel mit 89 Insolvenzen (2023: 83) und den Landkreisen Waldeck-Frankenberg mit 23 Insolvenzen (2023: 20), Werra-Meißner mit 26 Insolvenzen (2022: 15) und Hersfeld-Rotenburg mit 28 Insolvenzen (2023: 16). Im Kreis Kassel waren es 74 (2023: 76) und im Schwalm-Eder-Kreis 24 (2023: 25).

In Nordhessen wird es bald eine Post-Filiale weniger geben. Noch 2025 wird die Filiale im Schwalm-Eder-Kreis geschlossen. Das ist allerdings nicht das einzige Geschäfts-Aus im Kreis.

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