Drohnenflüge über Kassel

Kasseler Drohnenabwehr-Spezialist Dedrone macht regelmäßig Flugtests über der Stadt

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Einige haben sie vielleicht schon einmal gesehen: Wenn die Mitarbeiter von Dedrone in Kassel unterwegs sind, lassen sie Drohnen fliegen, um Daten für ihre Abwehrsysteme zu sammeln.

Kassel – Ein Piepton, die Rotoren fangen an zu drehen, und mit einem lauten Surren schnellt die Drohne in Sekunden auf eine Höhe von 100 Metern. Die Mitarbeiter der Kasseler Firma Dedrone machen das etwa einmal die Woche an verschiedenen Punkten mitten in Kassel. Denn als einer der größten Drohnenabwehrspezialisten der Welt wollen sie ihr Produkt immer weiter verbessern.

Matthias Schmolke und Kara Darwish starten ihre Tests heute unweit der Schleuse auf einer Grünfläche an der Fulda. Es geht darum, das Ortungssystem von Drohnen im Stadtgebiet zu verbessern. „Die Stadt ist der perfekte Ort, um den Ernstfall zu proben“, sagt Schmolke, der die Hardware-Entwicklung leitet. „Hier gibt es viele andere Signale, die durch Wlan-Router oder Bluetooth im selben Frequenzbereich gesendet werden und eine Ortung erschweren können.“

Oft in der Stadt unterwegs: Matthias Schmolke (links) und Kara Darwish von Dedrone lassen eine Drohne aufsteigen, um durch die gewonnen Daten die Abwehrsysteme der Kasseler Firma zu verbessern.

Kasseler Passanten denken manchmal, dass Dedrone-Drohnen sie filmen

Darwish hat mittlerweile viel Erfahrung im Fliegen von Drohnen. Neben seiner Arbeit als Qualitätssicherungs-Ingenieur bei Dedrone fliegt er auch Drohnen für den Katastrophenschutz. „Dort werden sie hauptsächlich für die Personensuche eingesetzt“, erklärt er. „Besonders im Winter, wenn es früh dämmert, machen wir uns damit auf die Suche nach vermissten Menschen.“ Dafür kommen auch Infrarotkameras an den Drohnen zum Einsatz.

Die, die Dedrone bei ihren Tests aufsteigen lässt, haben jedoch lediglich die verbauten Kameras. Immer mal wieder werden die Mitarbeiter von Passanten angesprochen, die nicht gefilmt oder fotografiert werden wollen. „Wir erklären dann, dass wir die Kameras nur zum sicheren Landen nutzen. Die Drohnen zeichnen nichts auf, und meistens sind noch nicht einmal Speicherkarten drin“, sagt Schmolke.

Die meisten Menschen sind aber eher davon fasziniert, was die Drohnen machen. Auch heute schauen wieder viele Vorbeigehende gespannt nach oben. „Mit offener Kommunikation darüber, was wir hier machen, kommen wir da weiter“, so Schmolke.

In Kassel sind neben Dedrone auch die Polizei, das DRK und die Deutsche Bahn mit Drohnen unterwegs

Als sie die nächste Drohne aufsteigen lassen wollen, ruft er plötzlich „Runter, runter, runter“. Da kommt das Geräusch eines Helikopters auf dem Weg zum Krankenhaus näher. „Bemannte Luftfahrt hat Vorrang“, erklärt der Hardware-Entwickler. In dicht besiedelten Gebieten sind sie deshalb meist zu zweit unterwegs. Einer steuert die Drohne, der andere arbeitet als „Spotter“ (zu Deutsch: Beobachter).

Im Kasseler Stadtgebiet hat Dedrone acht Sensoren an unterschiedlichen Stellen aufgestellt, die alle Drohnenbewegungen in der Umgebung detektieren können. Neben Flügen von Privatpersonen sind auch das Deutsche Rote Kreuz, die Polizei sowie die Deutsche Bahn für Vermessungsflüge in der Stadt unterwegs.

Immer im Blick: Christian Scheibe von Dedrone steuert am Firmensitz eine Drohne, die von einem Kamerasystem dauerhaft verfolgt wird.

Drohnen finden immer mehr neue Einsatzgebiete

Da Drohnen immer vielseitiger verwendet werden, findet Dedrone immer neue Einsatzgebiete für ihre Abwehrsysteme. Obwohl der Militärbereich immer noch den größten Teil ausmacht, werden die Systeme auch in Deutschland immer öfter eingebaut, zum Beispiel in Gefängnissen. „Es gibt einen Abwurfmechanismus für Drohnen, den man für wenig Geld auf Amazon kaufen kann“, erklärt Christian Scheibe, der als Vertriebsingenieur bei Dedrone arbeitet. „Man muss nicht mal programmieren können, um damit dann etwas in Gefängnisse zu schmuggeln.“

Was früher über ausgehöhlte Tennisbälle, die jemand aus der Nähe über den Zaun geworfen hat, unpräzise und gefährlich war, kann nun aus sicherer Entfernung geschehen. Das passiere in den USA und Großbritannien deutlich häufiger als hierzulande. Dennoch wollen sich hiesige Gefängnisse auf diese potenzielle Gefahr einstellen.

Nach 15 bis 30 Minuten ist der Test an der Schleuse beendet, und es geht weiter zur Universität, wo in einem Park die nächsten Versuche gemacht werden. Auch dort schauen wieder viele gespannt nach oben. Die beiden Männer mit den neongelben Dedrone-Westen sprechen sie heute aber nicht an. (von Fabian Diekmann)

Anfang Mai wurde bekannt, dass Dedrone vom US-Unternehmen Axon aufgekauft wurde. Am Standort Kassel soll sich jedoch nichts ändern. Er soll sogar noch ausgebaut werden.

Rubriklistenbild: © Fabian Diekmann

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