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In Kassel fahren wieder so viele Autos wie vor Corona, doch die Luft ist besser. Bald aber werden gelten noch niedrigere Grenzwerte als bisher.
Kassel - Die Corona-Pandemie hatte auch positive Effekte. So ist seitdem die Stickstoffdioxid-Belastung in der Kasseler Innenstadt deutlich gesunken. Doch obwohl der innerstädtische Verkehr nach Auskunft der Stadt inzwischen wieder fast das Vor-Corona-Niveau erreicht hat, sinken die Schadstoffwerte weiterhin. Die Belastungen liegen sowohl für Stickstoffdioxid (NO2) wie für Feinstaub deutlich unter den Grenzwerten. Dies geht aus den aktuellen Daten der Luftmessstationen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hervor.
Noch bis vor fünf Jahren war vor allem die Stickstoffdioxid-Konzentration in Kassel ein Problem. Die Jahresmittelwerte an der Messstation an der Rathauskreuzung schwankten um den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit (40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft). Bis 2016 wurde dieser Grenzwert sogar überschritten. Deshalb war auch über die Einrichtung einer Umweltzone – in der nur schadstoffarme Fahrzeuge fahren dürfen – diskutiert worden.
2023 lag die durchschnittliche NO2-Belastung an der Rathauskreuzung bei 26,5 Mikrogramm. An der zweiten Messstation auf dem Parkplatz hinter der Komödie waren es sogar nur 13,7 Mikrogramm. Beim Feinstaub liegen die Messwerte schon seit mehr als zehn Jahren unter den Grenzwerten.
Mehr E-Autos und technischer Fortschritt sind Gründe der besseren Luftqualität
Dass die Kasseler Luftqualität trotz eines wieder gestiegenen Verkehrsaufkommens besser wird, liegt nach Einschätzung des Umwelt- und Gartenamtes an „umwelttechnischen Fortschritten in der Automobilbranche sowie dem vermehrten Einsatz von E-Autos“. Auch die Modernisierung der Busflotte im öffentlichen Nahverkehr (KVG etc.) habe ihren Anteil an der positiven Entwicklung.
„Dies ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Stadtklimarätin Simone Fedderke. Dennoch dürfe sich die Stadt nicht auf dem Erreichtem ausruhen. Vergangene Woche hätten sich die Unterhändler von Europaparlament und Mitgliedstaaten auf eine Verschärfung der Luftschadstoffe ab 2030 geeinigt. Für Stickstoffdioxid ist ein Grenzwert von 20 Mikrogramm, für Feinstaub (PM2,5) von 10 Mikrogramm geplant.
Beide verschärfte Grenzwerte werden bislang überschritten – wenn auch beim Feinstaub nur leicht. Die Stadt Kassel plane daher weitere Maßnahmen – darunter vor allem bessere Rad- und Fußwege – um die Luftqualität zu verbessern, so Fedderke. (Bastian Ludwig)
