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Nach der „Connichi“ ist vor der „Nihonbashi“: Am kommenden Wochenende geht eine neue Mangamesse in Kassel an den Start. Wir erklären, wer dahinter steht und warum Kassel jetzt zwei Manga-Events im Jahr hat.
Kassel – Die Connichi hat die japanische Mangakultur in Kassel bekannt gemacht. Fast 20 Jahre lang lockte die Manga- und Anime-Messe, die sich japanischen Comic- und Zeichentrick-Serien widmet, jedes Jahr viele Tausend fantasievoll verkleidete Fans in den Vorderen Westen. Als die Veranstalter im vergangenen Oktober bekannt gaben, dass sie Kassel verlassen, war das auch für Ali und Mohammad Saedi Niko ein Schock.
Die beiden 22 und 26 Jahre alten Brüder aus Kassel sind gewissermaßen mit der Connichi groß geworden und hatten gerade den Plan geschmiedet, ein Manga-Café in ihrer Heimatstadt zu eröffnen – um eine dauerhafte Anlaufstelle für Fans der japanischen Kultur zu schaffen. Aber Kassel ohne Manga-Messe? Das geht nicht, fanden sie. „Dann schließen wir die Lücke eben selbst“, beschloss das Brüder-Paar, trommelte in der Kasseler Manga-Community und stellt nun als Teil eines zehnköpfigen Orga-Teams die erste „Nihonbashi“ auf die Beine.
Nihonbashi bedeutet Japan-Brücke. Mit der Veranstaltung, die am kommenden Samstag und Sonntag in der documenta-Halle stattfindet, wollen die Kasseler Organisatoren auch eine Brücke schlagen in eine neue Manga-Ära in Kassel nach der Connichi. Dass sie dabei nicht an das Original herankommen werden, das um die 25 000 Besucher anlockte, ist dem Team klar. „Lieber erstmal klein, aber gut organisiert“, sagt Mohammad Saedi Niko. 600 Tickets seien bereits verkauft, man rechne mit bis zu 1000 Besuchern.
Als sie Anfang des Jahres bereits mitten in der Planung waren, wurde bekannt, dass das auch das „Anime Festival“ in die Fußstapfen der Connichi in Kassel treten will und dafür Freiburg verlässt. Im Oktober findet also eine weitere Manga- und Anime-Convention statt – dann am angestammten Ort im Kongress-Palais Stadthalle. Das habe auch in der Fan-Community für einige Verwirrung gesorgt, sagen die Kasseler Nihonbashi-Organisatoren. Für sie ist klar und auch in Ordnung: „Wir sind Kleineren.“ In eine Konkurrenz-Situation wolle man nicht kommen, betont Mohammed Saedi Niko, vielleicht könne man sich künftig sogar gegenseitig unterstützen.
Für die Nihonbashi-Premiere kündigt das Kasseler Team 80 Künstlerinnen und Künstler aus der Manga-Szene an. Auf der Bühne in der documenta-Halle wird unter anderem eine Trommelgruppe an japanischen Taikos auftreten und japanische Messerschleiferei sowie Kochkunst wird dargeboten. Auch Diskussionen zum Thema „Rassismus im Anime“ oder „Anime in Social Media“ sind geplant. Im Mittelpunkt stehen aber natürlich die von den Gästen in aufwändigen Kostümen verkörperten Manga-Figuren. Rund um die documenta-Halle und in der Karlsaue gebe es viele attraktive Fotospots, auf die man auswärtige Besucher hinweise, sagen die Kasseler, die sich im vor Kurzem gegründeten „Nihon Kulturverein“ organisiert haben.
Das geplante Café will Mohammed Saedi Niko, nachdem die Nihonbashi-Premiere bewältigt ist, unweit des Entenangers gegenüber der Jugendbücherei eröffnen – voraussichtlich Ende Oktober. Der Name steht bereits fest: Katzenauge. Er ist inspiriert von einem Café in der gleichnamigen Manga-Serie „Cat’s eye“ (auf Deutsch: Das Supertrio). Das Kasseler Katzenauge will künftig rund ums Jahr Manga-Fans einen Treffpunkt und angesagte japanische Speisen und Getränke bieten. (Katja Rudolph)
Service: Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 20.30 Uhr, documenta-Halle, Wochenend-Ticket 40 Euro, Tageskarte Sa. 25 Euro, So. 19 Euro. nihonbashi.de
