VonSandra Buschschließen
Alles war in Frankfurt für die Siegesfeier vorbereitet. Die Eintracht und der Pokal sollten gefeiert werden. In der Nacht noch beginnt der Abbau auf dem Römerberg.
Es sieht nach einem ganz normalen Samstagabend aus. Auf der oberen Berger Straße sitzen Menschen bei lauen Temperaturen vor Kneipen, sie lachen, sie stoßen an, sie trinken. Aber: Da hängt noch eine Fahne vor der einen Kneipe. Und überall tragen die Menschen vorwiegend Schwarz oder Weiß, Eintracht-Trikots oder Shirts mit aufgedruckter Frankfurtliebe. Zeugnis davon, dass dies eben doch kein ganz normaler Samstagabend ist. Das Spiel ist noch keine Stunde aus, man ist in Frankfurt von angespannter Hoffnung zu enttäuschter Gelassenheit übergegangen. „Eia, es sollte einfach nicht sein“, sagt ein junger Mann. Um ihn herum drehen sich die Gespräche schon längst nicht mehr um das Spiel.
Alles ist am Römer bereit, Eintracht Frankfurt nach dem DFB-Pokalfinale zu feiern
Die Eintracht hat im DFB-Pokalfinale gegen Leipzig verloren. Kein Pokal wird am nächsten Tag in die Stadt gebracht werden. Statt wild in der Nacht zu feiern, laufen Grüppchen mit eingerollten Fahnen ruhig nach Hause. Wo auch immer sie dieses Spiel geschaut haben – zu feiern gibt es nichts. Keine Siegesfeier also auch am Sonntag. Dabei war doch alles schon so gut vorbereitet. Die Route für den Autokorso stand, der Empfang der Mannschaft im Römer war vorbereitet. Und um viertel nach elf in der Nacht kann man auf dem Römerberg noch kurz davon träumen, dass alles wahr wird. Dass am nächsten Tag Tausende der Mannschaft zujubeln werden, wenn sie auf dem Balkon den Fans den Pokal präsentiert. Denn der Aufbau für die Siegesfeier steht, der Römerberg wartet auf Fans und Mannschaft. Alles ist noch bereit.
Leinwände stehen auf dem Römerberg, am Mainkai, auf dem Paulsplatz. Damit die Fans den Autokorso hätten verfolgen können, den Empfang im Römer. Hätte der neue Oberbürgermeister den Pokal überhaupt in die Hand genommen? Zonen sind rund um den Römer abgesperrt, durch die man nur durch Tore kommt. Lautsprechertürme ragen stumm in die Nacht – und werden nun nicht eingeschaltet werden. Getränkestände stehen bereit, an denen kein Bier für Pokalsieger ausgeschenkt werden wird.
Nach der Niederlage der Eintracht im DFB-Pokalfinale fangen die Ersten in der Nacht am Römer mit dem Abbau an
Doch auch am Römer beginnt schon in der Nacht, die Wirklichkeit leise Einzug zu halten. Dass es keine Siegesfeier geben wird. Sascha Birkenstock von Stage Pro steht am Mainkai vor einer der Leinwände. Für den Ton der Übertragungen ist die Firma verantwortlich. Doch Ton wird am Sonntag niemand brauchen, es gibt ja nichts zu übertragen. „Anders wäre es schon netter gewesen“, sagt Birkenstock.
Am Freitag hat die Crew mehr als fünf Stunden lang alles aufgebaut. Nun wird der Traum vom Pokal wieder abgebaut. Noch in der Nacht. „Das wird wieder fünf bis sechs Stunden dauern“, sagt Birkenstock. Doch bis zum nächsten Tag will man nicht warten. „Die anderen bauen vermutlich morgen ab“, sagt Birkenstock. Das stimmt, am Sonntag wird den ganzen Tag daran gearbeitet, die nicht stattfindende Siegesfeier verschwinden zu lassen. „Aber“, vermutet Birkenstock am Abend vorher, „dann wird sicher ein bisschen mehr Hektik sein.“ Die will man sich ersparen. Dann lieber die Nacht durcharbeiten. In der es ja ohnehin nichts zu feiern gibt.
