Kreis Groß-Gerau

Kelsterbach: Trick soll Autounfälle mit Wildschweinen reduzieren

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Wildschweine freuen sich derzeit auf Nachwuchs. (Archivbild)
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Kelsterbacher Jagdaufseher lockt Tiere von Straße weg. Stadt warnt Spaziergänger wegen erwartetem Nachwuchs im Stadtwald.

Eine pfiffige Idee, um Autounfälle mit Wildschweinen zu reduzieren, wird im Kelsterbacher Stadtwald umgesetzt. Um die Schwarzkittel von den Straßen wegzulocken, hat Stadtwaldförster Martin Klepper im rund 450 Hektar großen Wald drei möglichst weit von Straßen entfernte Stellen eingerichtet, an denen regelmäßig eine kleine Gabe Futter ausgelegt wird, das die Tiere gerne annehmen. Dieses Verfahren, die sogenannte Kirrung, praktiziert Klepper seit fünf Jahren. Die Anzahl der Wildunfälle sei in dieser Zeit spürbar zurückgegangen, berichtet die Stadt in einer Mitteilung.

Unbefugten sei das Füttern jedoch verboten, denn nicht artgerechtes Futter könne Koliken verursachen und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Außerdem können sich die Wildschweine mit dem Erreger der afrikanischen Schweinepest, der in rohen Fleisch- und Wursterzeugnissen aus Osteuropa vorkommen kann, infizieren. Aus diesem Grund seien Autobahnparkplätze umzäunt. Dort werden laut Klepper regelmäßig infizierte Essensreste sichergestellt.

Zwar schießt Klepper, der auch Jagdaufseher ist, jährlich 10 bis 15 Wildschweine, um den Bestand konstant zu halten. Dennoch gelten die Tiere als äußerst nützlich für den Wald und seine Verjüngung. Sie werden sogar über spezielle Wildschweinklappen in die Gatter mit Pflanzungen junger Bäume eingelassen – im Gegensatz zu Rehen und Hirschen, die die Bäume beschädigen.

Wildschweine hingegen fressen Schädlinge wie Maikäferlarven und Schnecken. Außerdem lockern sie beim Durchwühlen den Waldboden und machen ihn aufnahmebereit für die Samen der Bäume. Ein weiterer positiver Effekt ergibt sich, wenn Wildschweine morsche Stämme auf Insekten- und Larvensuche zerkauen, weil sie auf diese Weise den Boden mit Nährstoffen anreichern.

Kelsterbach: Aggressive Tiere im Südpark

Weniger gern gesehen sind allerdings die Schwarzkittel, die nicht im Wald leben, sondern den Südpark zu ihrem Revier erkoren haben, wie die Stadt Kelsterbach (Kreis Groß-Gerau) berichtet. Diese Tiere hätten gelernt, sich durch aggressives Auftreten gegenüber den die Grillstationen und Spielplätze nutzenden Menschen zu behaupten, was nicht ganz ungefährlich sei. Dort versuchten die Jäger, möglichst viele Schweine zu erlegen, selbstverständlich unter Berücksichtigung des Tierschutzes. So würden keine Frischlinge unter 15 Kilo Körpergewicht und keine der noch Nachwuchs führenden Bachen geschossen.

Derzeit bekommen die Wildschweine Nachwuchs. Die Stadtverwaltung rät deshalb Spaziergänger:innen, vor allem jenen mit Hund, sich besonders umsichtig zu verhalten – eine Frischlinge führende Bache verteidige ihren Nachwuchs entschlossen und mit vollem Einsatz.

Bei idealen Bedingungen könnten dieses Jahr bis zu 70 junge Wildschweine die im Kelsterbacher Wald beheimateten Rotten ergänzen, schätzt Klepper. Eine Bache kann bis zu acht Frischlinge gebären; zurzeit lebten ungefähr 40 Schwarzkittel im Wald.

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