Kinderbetreuung

Kita-Beschäftigte häufiger krank als andere Berufsgruppen

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In vielen Gruppen stehen Erzieherinnen morgens allein da, weil Personal krankheitsbedingt nicht kommen kann. dpa
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Laut einer Bertelsmann-Studie fehlten Mitarbeitende in hessischen Kitas im vergangenen Jahr an fast 31 Tagen, weil sie krank waren. Ein wesentlicher Grund ist Überlastung.

Beschäftigte in Kitas fallen krankheitsbedingt öfter aus als Mitarbeitende in anderen Berufsgruppen. Letztere fehlten im vergangenen Jahr im bundesweiten Durchschnitt an 20,1 Tagen, die Erzieherinnen und Erzieher hingegen an 29,6 Tagen – in Hessen an 30,7 Tagen gegenüber 20,9 Tagen in allen Berufen. Am schlechtesten ist die Lage in Berliner Kitas, wo im Schnitt 35,7 Fehltage gezählt wurden, in Baden-Württemberg ist sie noch am besten mit 22,6 Krankheitstagen.

Das geht aus der Studie „Krankenstand in Berufen der Kindertagesbetreuung und -erziehung“ der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung hat Bertelsmann vor allem Statistiken der Krankenkasse DAK, aber auch anderer Kassen ausgewertet. Bei der DAK seien in ganz Deutschland 12,2 Prozent der in der Kinderbetreuung angestellten Kräfte versichert.

Anette Stein, bei der Stiftung für das Thema frühkindliche Bildung zuständig, sagte: „Viele Kitas stecken in einem Teufelskreis: Aufgrund der steigenden Krankenstände fallen immer mehr Fachkräfte aus, wodurch die Überlastung für die verbleibenden Beschäftigten weiter zunimmt.“ Erschwerend komme der grundsätzliche Personalmangel hinzu. Es sei dramatisch. An gute Bildung und Erziehung sei vielerorts nicht mehr zu denken, so Stein. Psychische Erkrankungen sind den Angaben zufolge eine wesentliche Ursache für die Ausfälle, in Hessen wie im Bundesschnitt bei 20 Prozent der Fehltage. Weitere Gründe für den Anstieg bei den Fehlzeiten seien zunehmende Atemwegserkrankungen, aber auch eine bessere Datengrundlage durch die digitale Krankmeldung.

Die Bertelsmann-Stiftung sprach sich dafür aus, Fachkräfte zu entlasten und Ausfallzeiten durch Vertretungen aufzufangen. Die Finanzierung müsse gesetzlich verankert werden. Außerdem brauche es ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Die Stiftung warnt vor einem Absenken der Standards.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte in Frankfurt schnelle und gezielte Maßnahmen von Bund und Ländern, um den Engpässen entgegenzuwirken. Kinder hätten ein Recht auf „qualifizierte Betreuung, Bildung und Erziehung“. Die Fachkräfte in den Kitas seien „stark überlastet und stecken in einer ernsten Krise“, teilte die GEW mit. Wenn Fachpersonal unqualifizierte Kräfte anleiten müsse, werde es zusätzlich belastet. Die Qualifizierung müssten Träger und Kommunen übernehmen.

In Hessen mangelte es zuletzt an 41 200 Kita-Plätzen, insbesondere wegen Personalmangels. Im Jahr 2030 würden laut dem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme von Bertelsmann bei einem kindgerechten Schlüssel 20 600 Fachkräfte fehlen.

Um den Beruf attraktiver zu machen und Personal zu gewinnen, setzt die Landesregierung unter anderem auf das Modell der praxisintegrierten vergüteten Ausbildung (Piva) zur Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher. Darüber hinaus soll der Berufszugang erleichtert werden.

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