Edermünder sollen im Bürgerrat mitreden

Klima geht alle etwas an: Menschen aus Edermünde sollen im Bürgerrat über Klima sprechen

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Bringen den ersten Bürgerrat zum Thema Klima nach Edermünde: von links Julia Hoffmann (ifok GmbH), Bürgermeister Thomas Petrich und Dr. Constantin Schäfer (ifok GmbH).
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Die Gemeinde Edermünde ruft den ersten Klima-Bürgerrat im Kreis ins Leben. Damit setzt Edermünde auf Beteiligung der Bürgerschaft.

Edermünde – Die Gemeinde Edermünde schlägt neue Wege ein, um Bürger zu motivieren, in ihrer Kommune etwas zu bewirken. Entstehen soll der kreisweit erste Klima-Bürgerrat. In drei Sitzungen soll es um Themen rund um den kommunalen Klimaschutz gehen. Am Ende wird ein Abschlussbericht erstellt, der in der Gemeindevertretung vorgestellt und diskutiert werden soll. Der Bürgerrat gibt darin dann Handlungsempfehlungen ab.

Die Teilnahme am Bürgerrat wird per Zufall ausgelost. Jeder fünfte Edermünder ab 16 Jahren erhält einen Brief, in dem er aufgefordert wird, im Bürgerrat mitzuwirken. Zusammen mit der ifok GmbH aus Bensheim ruft die Kommune unterstützt durch das Programm der Europäischen Union für Forschung und Innovation einen Bürgerrat ins Leben. Das Thema lautet: „Zukünftiger Flächenverbrauch – Nach welchen Kriterien und Prioritäten sollen Flächen in Edermünde genutzt werden, um die Klimaziele zu erreichen?“

Bürgerrat: Vorkenntnisse sind nicht nötig. Eine Vertretung durch Familienangehörige ist nicht möglich

„Ich bin froh, dass es endlich losgeht“, sagt Bürgermeister Thomas Petrich. Denn schon vor rund drei Jahren kam die Idee eines Klimarates im Parlament auf. „Dafür hatten wir 50 000 Euro bereitgestellt und uns um Ausschreibungen gekümmert“, so Petrich. Doch dann kam Corona dazwischen, die Anforderungen waren sehr hoch „und uns fiel auf, dass das Geld damals nicht ausgereicht hätte“, sagt Petrich. Somit wurde erst jetzt begonnen: Die ifok GmbH unterstützt die Gemeinde bei der Moderation, Entwicklung und Planung des Bürgerrates.

„Im Bürgerrat geht es darum, verschiedene Menschen und ihre Erfahrungen zusammenzubringen“, sagt Dr. Constantin Schäfer von der ifok GmbH. Die Zufallsauswahl der Mitglieder stelle diese Vielfalt sicher. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Eine Vertretung durch Familienangehörige ist nicht möglich. „Die Teilnahme ist freiwillig und nur nach der Anmeldung verbindlich. Wir hoffen auf eine hohe Beteiligung“, sagt Schäfer. Bürgermeister Petrich ist da optimistisch: „Ich denke schon, dass sich viele positiv zurückmelden, weil sie für Edermünde etwas bewegen wollen.“

Die ausgewählten 30 Bürger dürfen in drei Sitzungen darüber diskutieren, inwiefern Flächen in den nächsten Jahren versiegelt werden oder nicht

Das Thema: Es werde zwar noch näher bestimmt, aber ein grobes Thema steht bereits fest: „Zukünftiger Flächenverbrauch/Flächeninanspruchnahme: Nach welchen Kriterien und Prioritäten sollen Flächen in Edermünde genutzt werden, um auf diesem Weg die Klimaziele zu erreichen?“.

„Die Bürger sollen mitentscheiden, was die Gemeinde gegen die Klimaveränderungen tun soll“, sagt Bürgermeister Thomas Petrich. Einheimische hätten dabei meist einen noch besseren Überblick als Experten, die nicht im Ort leben. In den Treffen werde es auch darum gehen, was Klimaveränderungen und Klimaschutzmaßnahmen für die Menschen in der Gemeinde bedeuten. Eine Steuerungsgruppe und ein Beirat hatten sich schnell auf das Thema „zukünftige Flächennutzung“ einigen können, so Petrich. Denn auch das Thema um das Lidl-Logistikzentrum schwebe dabei immer noch mit. Ein Rückblick: Im Oktober 2020 hatte Lidl verkündet, an der Grifter Straße, unterhalb des Hagebaumarktes in Hertingshausen, eine große neue Halle bauen zu wollen. Doch dazu kam es nie, weil die Grundstückseigentümer nicht bereit waren, die Flächen an den Konzern zu verkaufen. Lidl teilte dann im April 2022 mit, dass es keine neue Logistikhalle geben wird.

Die ausgewählten 30 Bürger dürfen in drei Sitzungen darüber diskutieren, inwiefern Flächen in den nächsten Jahren versiegelt werden oder nicht und ob Eigenheime gebaut oder Gewerbeflächen entstehen können. Aber auch Überschwemmungsflächen würden thematisiert.

Rat führt unterschiedliche Positionen zusammen und könnten so helfen, gesellschaftliche Konflikte zu schlichten

Der Bürgerrat: „Warum macht ihr nicht einfach eine Umfrage?“, das werden Julia Hoffmann und Dr. Constantin Schäfer von der ifok GmbH oft gefragt. Ganz einfach: Da fehlt das Miteinander. „Wir haben uns bewusst für einen Bürgerrat entschieden, weil dort alle Menschen unterschiedlichen Alters, Familienstandes und Interessen zusammen kommen. Dabei kann Großes entstehen“, sagt Schäfer.

Bürgerräte bilden ein Stimmungsbild der Bevölkerung ab, das genauer sei als Meinungsumfragen. „Sie zeigen auf, wo genau in einer Debatte die Knackpunkte liegen“, sagt er.

Außerdem führten sie unterschiedliche Positionen zusammen und könnten so helfen, gesellschaftliche Konflikte zu schlichten.

Bürgerräte müssten dabei ergebnisoffen sein. „Sie haben nicht die Aufgabe, eine bereits feststehende politische Entscheidung nur noch zu bestätigen“, sagt Julia Hoffmann von der ifok GmbH. Die Bürger bestimmen, welche Aspekte ihnen am wichtigsten sind.

Die ifok GmbH: Die ifok GmbH ist ein privates Beratungsunternehmen. Es besteht seit 1995 und hat seinen Hauptsitz in Bensheim. Das Unternehmen wird die Gemeinde Edermünde bei der Umsetzung des Bürgerrates im laufenden Jahr unterstützen. (Cora Zinn)

Was ist ein Bürgerrat?

Bürgerräte sind Versammlungen von per Los zufällig ausgewählten Bürgern, die bei mehreren Terminen in Kleingruppen ein vorgegebenes Thema diskutieren. In Edermünde sind es 30 Bürger. Am Ende gibt der Bürgerrat der Gemeindevertretung Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. In den Sitzungen erhält der Rat Hintergrundinformationen von Experten. Ein neutrales Moderationsteam unterstützt die Teilnehmer, in Edermünde stellt dies die ifok GmbH.

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