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Michaela Pflug
Bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral werden. Einige Kommunen im Kreis haben schon mit der Wärmeplanung begonnen.
Kreis Kassel – Bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral werden, so sieht es das Bundes-Klimaschutzgesetz vor. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die Wärmeversorgung von Gebäuden neu gedacht wird und ohne fossile Brennstoffe auskommt. Diese Entwicklung sollen auch die Kommunen vorantreiben. Einige haben schon mit der Wärmeplanung begonnen, die ab November für Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern in Hessen Pflicht ist.
Die Bundesregierung will Wärmepläne schon ab 10 000 Einwohnern, die Debatte wurde aber in den Herbst verschoben. Für die Einwohner soll die kommunale Wärmeplanung Sicherheit bieten. Wer weiß, in zehn Jahren wird es im Quartier ein Nahwärmenetz geben oder eben nicht, hat für eigene Umbauten und Anschaffungen eine sichere Planungsgrundlage.
So geht die Wärmeplanung
Ein erster Schritt für die Wärmeplanung ist die Bestandsanalyse, erklärt Lohfeldens Klimaschutzmanagerin Ursula Paul. Es wird eine detaillierte und räumlich aufgelöste, im besten Fall standort- oder gebäudescharfe Analyse durchgeführt werden. Dazu gehören die Analyse des aktuellen Wärmebedarfs, der Treibhausgasemissionen und die Informationen zu den vorhandenen Gebäudetypen, den Baualtersklassen sowie ein Abbild der derzeitigen Wärmeerzeugungs- und Bereitstellungsstruktur, erklärt Lohfeldens Klimaschutzmanagerin. Es folgt die Potenzialanalyse. Dabei werden sowohl Energieeinsparpotenziale als auch Einsatzmöglichkeiten Erneuerbarer Energien untersucht. Das Ziel: bis zum Jahr 2045 eine klimaneutrale Wärmeversorgung sicherstellen. Dazu werden Eignungsgebiete für Nahwärmenetze und Einzelversorgung ermittelt. Die Wärmeplanung soll Möglichkeiten aufzeigen, die zum Erreichen dieses Ziels notwendig sind. Es muss gleichzeitig eine Beteiligung der Betroffenen stattfinden.
Lohfelden
Nach der Sommerpause sollen die Gemeindevertreter in Lohfelden darüber abstimmen, ob es für die Gemeinde eine kommunale Wärmeplanung geben wird. Die Vorlage erarbeitet Klimaschutzmanagerin Ursula Paul aktuell. Schnelles Handeln könnte sich auszahlen – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wird der Antrag noch in diesem Jahr gestellt, gibt es attraktive Förderquoten. Für Kommunen wie Lohfelden winken 90 Prozent Förderquoten für die Beauftragung eines externen Dienstleisters. Geht man davon aus, wie es die Klimaschutzmanagerin tut, dann heißt das, die Gemeinde müsste für die Erstellung des Konzeptes einmalig 6000 bis 9000 Euro zuschießen.
Die Wärmeplanung ergänzt das Klimaschutzkonzept und Energiekonzept der Gemeinde, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimaneutral zu sein. Ein kleines Nahwärmenetz gibt es schon, Es versorgt das Rathaus, das Bürgerhaus sowie die Regenbogenschule mit Wärme. Die wird in Blockheizkraftwerken erzeugt, die gleichzeitig Strom und Wärme zur Verfügung stellen. Diese werden mit Biogas betrieben, das vom Entsorgungszentrum Lohfelden in Vollmarshausen bereitgestellt wird.
Fuldatal
Noch vor der Sommerpause wird das Thema in Fuldatal diskutiert. Es gebe einen Antrag der Grünen, der in der kommenden Woche auf der Agenda der Gemeindevertreter steht, sagt Michael Thöne, Leiter des Fachbereichs Verwaltung. Noch ist Fuldatal an kein Fernwärmenetz angeschlossen, allerdings gebe es durch die Nähe zu Kassel sicherlich Möglichkeiten. Auch gebe es Potenziale, was private Biogasanlagen, die Biokompostanlage des Landkreises oder Knotenpunkte in der Gemeinde angeht, allerdings müsse man die politische Willensbekundung auf kommunaler und bundespolitischer Ebene abwarten.
Kaufungen
In der Gemeinde Kaufungen gibt es seit Mitte 2021 Vorplanungen für den Bau eines Nahwärmenetzes im Altdorf Oberkaufungen. Der Planungsstand muss nun über eine Machbarkeitsstudie weiterentwickelt werden, teilt die Gemeinde mit. Über deren Beauftragung wird in der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, 13. Juli, entschieden. Auf die Frage nach einer kommunalen Wärmeplanung, heißt es lediglich, es „finden derzeit Beratungen in den Gemeindegremien statt.“
Baunatal
Die Stadt Baunatal ist schon recht gut an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Die Energie kommt als Abwärme vom Kraftwerk des VW-Werkes. Versorgt werden etwa das Rathaus und der Aqua-Park sowie das Wohngebiet Baunsberg. Laut Stadtsprecherin Susanne Bräutigam nimmt die Stadt pro Jahr 35 000 Megawattstunden Wärmeenergie ab. Aufgrund von Leitungsverlusten werden davon 29 000 an die Kunden verkauft. Dazu gehört auch die Stadt selbst.
Im Innenstadtbereich seien alle öffentlichen Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen. Ebenso komplett am Netz seien die Wohnbebauung mit mehrheitlichem Mehrgeschosswohnungsbau am Baunsberg sowie die Gebäude im Stadtzentrum zwischen GWG-Hochhaus und Aral-Tankstelle. Als Beispiel für den Jahresverbrauch nennt die Sprecherin die Kombination aus Rathaus und Stadthalle. 2022 seien dort 1250 Megawattstunden verbraucht worden. „Eine Erweiterung der bestehenden Infrastruktur ist abhängig von den Wärmeerzeugern, insbesondere im Hinblick auf deren Kapazitäten“, sagt Bräutigam. „Ob es hier Potenziale gibt, wird sich auch aus den Untersuchungen zur kommunalen Wärmeplanung für Baunatal ergeben.“
Als nächstes großes Projekt plant die VW-Stadt mit der Deutschen Habitat GmbH ein Neubaugebiet von rund 23 Hektar Größe nördlich von Großenritte. Aktuell sei das Fernwärmenetz in Richtung Großenritte bis zur Erich-Kästner-Schule ausgebaut, erläutert Bräutigam. Noch seien die Planungen nicht weit genug gediehen, um zu sagen, wie genau dort geheizt wird.
„Wir warten auf Land und Bund“, sagt Bräutigam zu den zu erwartenden gesetzlichen Verpflichtungen. Als Kommune über 20 0000 Einwohner sei Baunatal vom Land zum Aufbau einer Verordnung im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung verpflichtet. Diese sei aber vonseiten der Stadt noch nicht ausgestaltet. (Michaela Pflug, Sven Kühling, Moritz Gorny)
