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„Nur Geld investieren, auf das man verzichten kann“: Neuer Bitcoin-Automat in Kassel

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Im Media Markt im Dez kann man an einem Automaten Bitcoins kaufen. Damit kann man hohe Gewinne machen - oder hohe Verluste erleiden.

Kassel – „Es geht um die Erlebbarkeit von neuer Technologie“, sagt Alexander Katz. Seit Oktober 2022 führt er die Geschäfte des Media Markts im Dez in Kassel. Nun hat er dem Bitcoin-Anbieter Kurant eine kleine Fläche nahe des Eingangs zur Verfügung gestellt, seit vier Wochen steht im Markt ein Bitcoin-Automat. Dort kann man gegen Bargeld Einheiten der digitalen Kryptowährung kaufen.

„Ich probiere immer gerne neue Sachen aus“, begründet Katz das Angebot, in dem er für seine Kunden auch einen Mehrwert sieht. Als Elektronikhändler gehört das Erkennen von Technik-Trends schließlich zu seinem Kerngeschäft. Bitcoin sei einer dieser Trends, findet er, und nichts, was man bislang in einem Elektronikmarkt erwarten würde.

Alexander Katz: Von hohem Interesse der Kunden an Bitcoin überrascht

Wie gut der Automat von Kunden angenommen worden sei, das habe ihn überrascht, sagt Katz. Rund 50 Transaktionen seien schon getätigt worden, vom Umsatz selbst habe er nichts, betont der Händler. Ob er in seinem Geschäft Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiere? Katz verneint. „Ich sehe Bitcoins mehr als Investitionsmöglichkeit.“ Den Kursverlauf verfolgt Alexander Katz seitdem mit einer Mischung aus Interesse und Faszination und zückt ein Verlaufsdiagramm des Bitcoin-Preises auf seinem Mobiltelefon. Ob er selbst Bitcoins hat? „Noch nicht“, verrät er.

Wie sich der Wert in Zukunft entwickle, sei natürlich völlig offen, sagt Katz und betont, dass er niemanden bei seiner Anlagestrategie beraten könne. Auch der Bitcoin-Anbieter Kurant biete keine Beratung.

Automat in Kassel: Bafin und Verbraucherzentrale warnen vor Bitcoins

Wer Bitcoins kaufen wolle, müsse sich dort zuerst registrieren und auch ausweisen, ganz ähnlich wie bei der Eröffnung eines Kontos. Hinter Kurant steht die Hamburger Privatbank Sutor, das schaffe Vertrauen, findet Katz. „Im Vordergrund steht ohnehin das Kundenerlebnis, und dass Media Markt mit der Zeit geht“, sagt Katz.

Ist von der guten Nachfrage überrascht: Im Dez kann man an einem Automaten Bitcoins gegen Bargeld kaufen. Media-Markt-Geschäftsführer Alexander Katz zeigt am Freitag auf seinem Handy einen Kursverlauf – der nach dem Angriff des Irans auf Israel wieder gefallen ist.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Verbraucherzentralen warnen vor den Risiken, die Investitionen in Kryptowährungen mit sich bringen. „Man sollte nur Geld investieren, auf das man auch verzichten kann“, sagt Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen.

Fragen und Antworten: Das müssen Sie über Bitcoins wissen

2009 wurden die ersten Bitcoins erstellt – beziehungsweise errechnet, denn die Kryptowährung existiert nur auf Computern und Handys. Es ist eine Technologie zwischen Innovation und Spekulation. Der Kurs ist mit starken Schwankungen in den vergangenen Jahren insgesamt gestiegen. Seit dem Angriff des Irans auf Israel am Wochenende des 13. und 14. April 2024 ist der Wert von Bitcoins zu Beginn der Folgewoche allerdings wieder um 10 Prozent gefallen – der jüngste, rasante Kursanstieg stoppte.

Was sind Bitcoins?
Bitcoin ist eine digitale Währung, die auf einem verschlüsselten, dezentral organisierten Buchungssystem im Internet beruht. Bitcoins gibt es seit 2009. Die Idee wurde als Antwort auf die weltweite Bankenkrise publiziert. Bitcoin sollte eine funktionierende Währung sein, auch wenn sich die Akteure gegenseitig nicht vertrauen. Bitcoin ist also ein Gegenentwurf zu klassischem Geld, bei dem die Menschen dem von der Zentralbank aufgedruckten Wert vertrauen müssen. Dementsprechend gibt es keine Organisation, die Bitcoins ausgibt. Zahlungen werden in einem Netzwerk gleichberechtigter Computer abgewickelt – auf jedem teilnehmenden Computer ist der Zahlungsverkehr abgespeichert, in der sogenannten Blockchain. Dadurch entstehen große Datenmengen. Aktuell ist die Blockchain etwa 500 Gigabyte groß. Wegen der Größe verursachen Zahlungen einen hohen Stromverbrauch – dafür steht Bitcoin auch in der Kritik.
Wie viel sind Bitcoins wert?
So viel, wie jemand anderes bereit ist, dafür zu bezahlen –denn Bitcoins werden an Börsen gehandelt. Da es keinen Ausgeber wie zum Beispiel eine Zentralbank gibt, waren Bitcoins zu Beginn praktisch wertlos. Wer Bitcoins kaufe, der setze sich laut Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen dem Risiko von hohen Verlusten aus.
Was kann man mit Bitcoins machen oder was hat man davon?
Über Bitcoins können Zahlungen direkt abgewickelt werden – ein Mittler ist nicht nötig. Allerdings dauern die Zahlungen wegen der Größe der Blockchain oft lange und müssen durch andere Teilnehmer des Netzwerks bestätigt werden. Weil Bezahlungen relativ unpraktisch sind, haben sich Bitcoins zu einem Spekulationsobjekt entwickelt.
Wie kann man Bitcoins kaufen?
Der Automat im Media Markt ist ein Beispiel für Anbieter, die Kunden auf ihren Zentralcomputern digitale Geldbörsen, sogenannte „Hot Wallets“, anbieten, in denen Bitcoins abgelegt werden können. Technisch versierte Nutzer können allerdings auch die gesamte Blockchain herunterladen und auf eigenen Geräten in einer „Cold Wallet“ speichern.
Welche Risiken gibt es beim Kauf von Bitcoins?
Bitcoins seien aufgrund der Risiken – insbesondere der massiven Kursschwankungen bis hin zum Totalverlust und der fehlenden Sicherungssysteme – als Geldanlage für Verbraucher nicht zu empfehlen, warnt die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage. Auch die Bafin betont, dass die Aussicht auf hohe Renditen mit hohen Risiken einhergehe und Anleger möglicherweise ihr gesamtes Geld verlieren können. „Wer über einen Anbieter Bitcoins kaufen möchte, sollte die Angaben des Anbieters mit denen auf der Webseite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abgleichen“, empfiehlt Verbraucherschützerin Katharina Lawrence. Denn auch Betrüger versuchen, den Hype um Bitcoins für sich zu nutzen.
Wie sicher sind Bitcoins überhaupt?
Bitcoins basieren auf einem Computerprogramm, das Blockchain genannt wird. Die Technologie dahinter gilt als relativ sicher, weil der gesamte Zahlungsverkehr parallel auf einer großen Zahl von Computern gespeichert ist. Um den Zahlungsverkehr zu manipulieren, müssten Kriminelle mehr als die Hälfte der beteiligten Computer kontrollieren, damit die Manipulation sich in der Blockchain durchsetzt, was als unwahrscheinlich gilt. Rechtlich ist die virtuelle Währung nicht geschützt.
Wenn Bitcoins im Wert steigen: Wie muss man sie versteuern?
Bitcoins gelten in Deutschland als „anderes Wirtschaftsgut“. Ihr Verkauf kann daher laut Bundesfinanzministerium unter private Veräußerungsgeschäfte fallen, wenn der Zeitraum zwischen Erwerb und Verkauf weniger als ein Jahr beträgt. Wird dabei Gewinn erzielt, muss der in der Steuererklärung angegeben und zum persönlichen Steuersatz versteuert werden.
Was sagen Experten zur Bitcoin-Entwicklung?
Am vergangenen Wochenende war der Bitcoin-Kurs gefallen – und die Rally zunächst gestoppt. Wegen des Angriffs des Irans auf Israel bevorzugen Anleger derzeit sichere Investitionen. Die Wertentwicklung von Bitcoin gilt bei Experten als unvorhersehbar, wie das Handelsblatt im Zuge der Kursentwicklung berichtete. In einer Umfrage der Deutschen Bank vermutet ein Drittel der Anleger einen Kursverfall unter 20 000 Dollar, die US-Bank JP Morgan erwartet eine Kurskorrektur auf 42 000 Dollar, das Analysehaus BCA Research rechnet langfristig mit Kursen jenseits der 100 000 Dollar.

(Johannes Rützel)

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