Kuriose und famose Kinderbücher

+
Der Heimatverein Rodheim-Bieber präsentiert »Kuriose und famose Kinder- und Jugendbücher 1900 bis 1980«.
  • schließen

Biebertal (ws). Eine große Vielfalt an Kinder- und Jugendbüchern präsentiert die neue Sonderausstellung des Heimatvereins Rodheim-Bieber im Rodheimer Heimatmuseum. Das Motto der Schau lautet »Kuriose und famose Kinder- und Jugendbücher 1900 bis 1980«. Sie sind ein Spiegel ihrer Zeit und der Erziehung.

Neben den Büchern in den Vitrinen sind im Ausstellungsraum auch ein Bonanza-Konterfei sowie ein »Struwwelpeter« in Übergröße zu finden.

Auch aktuelle Literatur

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Helmut Failing, begrüßte über 30 Interessierte. Einführende Informationen gab Dr. Jutta Failing. »Heidi, Bummi, Nesthäkchen, Käpt’n Konny - Kinder suchen in Büchern nach Vorbildern, Heldinnen und Helden, die sie prägen und begleiten und an die sie sich auch als Erwachsene noch gern erinnern. Kinder- und Jugendbücher sind Spiegel ihrer Zeit, auch mit Blick auf Berufswünsche, exotische Länder und lästige Pflichten«, so Failing. Vorgestellt wird auch die Autorin Else Ury, die mit ihren Backfisch-Romanen (»Nesthäkchen«) berühmt und 1943 im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Kritik wurde an einzelnen Werken geäußert. »Heidi« etwa könne man nicht unkommentiert stehen lassen, hieß es. Klischees würden bedient, berufstätige Frauen würden bei Spyri negativ dargestellt. Und: Frauen hätten Bücher für Mädchen illustriert, Männer Bücher für Jungen. Eine der wenigen Ausnahmen sei etwa Nikolaus Moras, der auch »Hanni und Nanni« und weitere 300 Titel illustrierte. Auch das Buch »Heintje und sein großer Freund Peter Alexander« aus dem Jahr 1970 fehlt in der Ausstellung nicht. Dies wäre heute grenzwertig, so Failing. Heute zu recht ausgeschlossene Bücher seien aus rassistischen Gründen etwa »Zehn kleine Negerlein«.

Auch aktuelle Kinder- und Bilderbücher sind in den Vitrinen ausgestellt, etwa »Die Kackwurstfabrik« (ein Buch für Kinder über die Verdauung) oder »Bär muss mal«. Die heutige Kinder- und Jugendliteratur schöpfe aus der echten Lebenswirklichkeit - und packe auch für unter fünfjährige »heiße Eisen« wie Sterben, Tod und Abschied sowie sexuelle Aufklärung an.

»Werden in 30 Jahren noch Kinderbücher gelesen?«, fragte Failing zum Schluss. Ihre Antwort: »Ich bin optimistisch. Es wird auch neue Themen geben, die zum Lesen animieren.«

Klaus Schmidt erinnerte an das Spielwarengeschäft in der Gießener Straße, in dem auch Textilien verkauft wurden. Seinerzeit habe Inhaber Heinz Haus immer auch Neuigkeiten von der Spielwarenmesse mitgebracht. Gerne sei man früher auch zu Fuhr nach Gießen gefahren.

Geöffnet ist die Sonder-Präsentation bis voraussichtlich Ende Dezember immer sonntags von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (Tel. 06409/9215).

Kommentare