Proteste der Bauern

Landwirte protestierten im Kreis Kassel: Auch Lkw-Fahrer aus Hofgeismar beteiligten sich

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Landwirte um Hofgeismar machten sich unter anderem auf den Weg zu Kundgebungen in Höxter und Korbach.
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  • Bernd Schünemann
  • Sven Kühling
  • Cora Zinn
    Cora Zinn
  • Mareike Heihoff

Am Montag (08.01.2024) waren erneut viele Landwirte auf den Straßen unterwegs, um gegen Pläne der Ampelregierung zu protestieren. Dabei bekamen sie Unterstützung von verschiedenen Branchen.

Hofgeismar – Wer am Montag unterwegs war, sah sie überall: Landwirte waren auf den Straßen unterwegs, um gegen die Sparpläne der Ampelregierung zu demonstrieren. Mit ihren Traktoren fuhren sie in die Innenstädte, um darauf aufmerksam zu machen, dass die geplanten Einsparungen den Lebensunterhalt der Bauern gefährden.

Auch in Hofgeismar waren Landwirte unterwegs und bekamen dabei Unterstützung von anderen Branchen: Während sich einige Traktoren um 9 Uhr bei Raiffeisen sammelten, kamen in der Bessemer Straße in Hofgeismar 14 Lastwagen verschiedener Speditionen, fünf Autos und ein Traktor zusammen. Sie fuhren zum Hof Gundelach in Lohfelden.

Lkw in Hofgeismar

Mit ihrer Fahrt wollen die Spediteure die Bauern unterstützen. Sie machten zudem darauf aufmerksam, dass auch ihre Branche von den Kürzungen betroffen sei. Auf den Plakaten an den Fahrzeugen war zu lesen, dass der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung fordert, mittelständische Transportgewerbe zu erhalten, keine CO2-Doppelbelastung für Maut und Diesel zu verlangen und mehr Investitionen in Straßen, Brücken und Parkplätze fordert.

Unterstützung mit Lastwagen: In Hofgeismar schlossen sich Spediteure dem Protest an.

Im Laufe des Tages fuhren mehrfach Trecker-Konvois durch Hofgeismar. Zum Teil waren auch Fuhrunternehmer dabei, die den Protest der Bauern unterstützen. Auch in den nächsten Tagen werden Landwirte – unterstützt von anderen Branchen – bundesweit gegen die Sparpläne der Regierung protestieren.

Kundgebung in Kassel

Vor allem der morgige Mittwoch ist dabei laut Johannes Gerhold vom Kreisbauernverband Kassel zentral: Da findet die zentrale Kundgebung vor dem Regierungspräsidium in Kassel statt. Um 11 Uhr beginnt die Veranstaltung, vorher sammeln sich die Landwirte an bestimmten Plätzen, um gemeinsam zur Kundgebung zu fahren.

„Dabei wird es zu Verkehrsbehinderungen kommen“, erklärt Gerhold: Das ist ja auch der Sinn der Sache, damit Medien darüber berichten.“

Bei der Kundgebung werden verschiedene Vertreter des Kreisbauernverbandes Kassel und des Regionalbauernverbandes Kurhessen sprechen. Auch Regierungspräsident Mark Weinmeister habe angekündigt, zu den Landwirten zu sprechen.

Stärkung in Baunatal

Im Landkreis Kassel waren auf mehreren Höfen Versorgungspunkte für die Teilnehmer der Protestfahrten eingerichtet worden. So machten etwa der Biloand-Hof Krug in Baunatal-Rengershausen sowie der Betrieb Uwe Göbel in Schauenburg-Elgershausen mit.

Stoppen konnten die Landwirte für eine Stärkung beispielsweise auch bei Raiffeisen in Wolfhagen sowie dem Unternehmen Jäger Landtechnik in Grebenstein.

Im Stau: Hier bei Zierenberg kamen die Autofahrer auf der B 251 nur langsam voran.

Laut Johanna Krug vom gleichnamigen Bioland-Hof in Baunatal war ihre Verpflegungsstation an der Knallhütter Straße zwischen 6 und 19 Uhr besetzt. Sie sei unter anderem von Demo-Teilnehmern angesteuert worden, die sich bereits morgens um 4 Uhr an der Domäne Fahre bei Melsungen getroffen hatten.

Bei Krugs gab es etwa Apfelpunsch, Kaffee und Nussecken für die Teilnehmer, berichtet Johanna Krug. Die Landwirtin schätzt, dass bis zum Nachmittag mehr als 200 Landwirte mit ihren Traktoren auf dem Biolandhof in Baunatal gestoppt haben. Auch hätten sich zahlreiche Passanten vor Ort über die Hintergründe der Aktion informiert. „Das ist bei uns im Dorf auf großes Interesse gestoßen“, berichtete die Rengershäuser Landwirtin.

Stopp in Gudensberg

Hofgeismarer Landwirte stoppten auf ihrer Fahrt auch im Schwalm-Eder-Kreis. Es ist 10.30 Uhr, als zwölf Traktoren hupend auf den Hof von Raiffeisen-Waren-Technik in Gudensberg fahren. Dort ist ein Anfahrtspunkt eingerichtet, es gibt Kaffee und Bockwürstchen im Brötchen. „Wir stärken uns schnell, dann geht es weiter“, sagt Dennis Sommer. Der Landwirt aus Hofgeismar führt diesen Konvoi an.

Sie legten einen Stopp in Gudensberg bei Raiffeisen-Waren-Technik ein: Landwirte aus Hofgeismar.

Der Stopp in Gudensberg war der Dritte für diese Landwirte aus Hofgeismar. Sie sind früh morgens von Hofgeismar zuerst in den Stadtteil Schöneberg gefahren, über verschiedene Stationen ging es nach Gudensberg, dann weiter nach Fritzlar und Wabern. Über Rengershausen, Lohfelden ging es im Laufe des Nachmittags zurück nach Hofgeismar.

„Insgesamt legen wir rund 160 Kilometer zurück. Wir fahren 15 Kilometer pro Stunde“, sagt Sommer und lacht. „Die Menschen, vorwiegend die Autofahrer, reagieren positiv auf uns. Einige klatschen sogar oder hupen mit, wenn wir vorfahren“, erzählt Sommer von seinen Eindrücken während der Protesttour. (zgi/sok/czn/hei)

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