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Ein zwei Meter langer Wels frisst dem Beiseförther Angelverein die Fische weg. Der gesichtete Raubfisch ist wohl nicht der einzige im Naturbadesee.
Beiseförth – Ein geschätzt zwei Meter langer Wels frisst derzeit dem Angelsportverein Beiseförth 1976 (Schwalm-Eder-Kreis) die Fische im Naturbadesee weg. „Er ist wahrscheinlich bei Hochwasser aus der Fulda in den See gekommen“, sagt Bürgermeister Michael Hanke, der wegen des Raubfischs bereits Kontakt mit dem Hessischen Fischereiverband hatte. „Dort hieß es, dass wahrscheinlich noch zwei, drei weitere darin sind.“ Jetzt soll der Fisch per Sonar geortet werden.
Bis es dazu kommt, wird es aber noch etwas dauern, weil das Boot mit dem Sonar-Gerät in den Niederlanden ist und erst nach Beiseförth gebracht werden muss. „Fische dieser Größe lassen sich damit gut orten“, sagt Martin Rose, Vorsitzender des Angelsportvereins. Er rechnet damit, dass es noch mehr Welse dieser Größe im Naturbadesee gibt. „Einer wurde dabei beobachtet, wie er eine auf dem Wasser schwimmende Ente eingesaugt hat.“
Jedes Jahr habe der Verein rund 50 Kilogramm Forellen – eine wiegt 500 bis 800 Gramm – in den See gesetzt. „Gefangen haben wir nur 10 bis 15 Forellen“, sagt Rose.
Wels frisst Badesee in Beiseförth leer: „Der Fisch ist für Menschen ungefährlich“
Thomas Folli, Betreiber des angrenzenden Campingplatzes und des Schwimmbad-Cafés macht sich keine Sorgen wegen des Welses. „Der Fisch ist für Menschen ungefährlich“, sagt er. Dennoch sei der See seit zwei Wochen gesperrt, „weil wir noch nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen“. Da die Badesaison aber vorbei sei, sei das kein Problem.
Die Besucher lassen sich von dem Wels nicht abschrecken. „Viele kommen extra, weil sie den Wels sehen wollen“, sagt Folli. Der Fisch sei mindestens so lange im See, wie Folli dort Betreiber, also seit mindestens drei Jahren. „Ich habe häufiger ein Platschen gehört und dachte, das ist ein Hund oder ein Mensch, bis eine Besucherin den Wels gesehen und ein Foto gemacht hat.“ Er hat ihn bisher nur auf Fotos gesehen.
Um den Wels aus dem See zu holen, könnte es laut Rose im Oktober einen Fangtag geben, an dem der Verein mit befreundeten Fischern versucht, das Tier an die Angel zu bekommen. „Es wird schwierig, den Wels aus dem Wasser zu bekommen. Es dauert Stunden, bis er müde wird.“
Wels frisst Badesee in Beiseförth leer: Fischen mit Strom noch kein Thema
Um den zwei Meter großen Wels aus dem Beiseförther Naturbadesee zu holen, reicht eine Angel nicht aus. „Die Angler müssen ins Wasser, um das Tier rauszuholen, gleichzeitig darf aber auch die Schnur nicht reißen“, erklärt Martin Rose, Vorsitzender vom Angelsportverein Beiseförth 1976.
Die Alternative der Elektrobefischung sei bei Tieren dieser Größe vorerst keine Option. „Dabei wird der See so unter Strom gesetzt, dass die Fische kurz betäubt werden und an der Oberfläche treiben“, sagt Rose. „Das wird oft genutzt, um seltene Fische zu zählen.“ Das Problem: Für Welse dieser Größe sei eine so große Stromstärke nötig, dass das die anderen kleineren Fische töten könnte.
Die Idee, mit Elektrobefischung gegen den Wels vorzugehen, werde deshalb erst mal nicht weiter verfolgt, sagt Bürgermeister Michael Hanke. Im Moment gibt es hessenweit eine große Welspopulation, habe der Hessische Fischereiverband Bürgermeister Michael Hanke mitgeteilt. Auch der Landkreis und das Regierungspräsidium (RP) seien informiert. „Beide können der Gemeinde derzeit nicht helfen“, sagt Hanke. Das RP könne lediglich die Elektrobefischung anordnen. Diese könne zwar jemand vom Fischereiverband übernehmen, der habe aber dieses Jahr keine Zeit mehr.
Wels frisst Badesee in Beiseförth leer: Fisch versuchte Frau anzusaugen
Wie Hanke geht auch Rose davon aus, dass das Tier oder die Tiere mit einer Größe von 30 bis 60 Zentimetern vor Jahren bei Hochwasser aus der Fulda in den Naturbadesee gekommen sind. Das Gewicht variiere sehr stark, sodass sich das des im Naturbadesee gesichteten Raubfisches nicht schätzen lasse. Die Tiere könnten bis zu 3,5 Meter lang werden.
Die Tiere seien eine invasive Art, also je nach Welsart aus unterschiedlichen Teilen der Welt in die hiesigen Gewässer geraten. Die Raubfische bedrohten nun die heimischen Tiere. „Deshalb dürfen sie auch nicht wieder ausgesetzt werden, sondern müssen verwertet werden“, erklärt der Vorsitzende.
Für Menschen sieht Rose aber keine große Gefahr. „Mir ist nur ein Fall bekannt, in dem ein Wels versucht hat, eine Frau anzusaugen, aber da ist nichts weiter passiert“, sagt er.
Sollte aber etwas passieren seien je nach Bereich, Campingplatzbetreiber Thomas Folli oder der Angelsportverein, der einen Teil des Sees gepachtet habe, verantwortlich, erklärt der Bürgermeister. (Fabian Becker)
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