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Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee können am Mittwoch in Kassel fallen. Die Stadtreiniger und die KVG haben sich darauf vorbereitet.
Kassel – Ob Tief Gertrud ab Mittwoch in Kassel und Nordhessen für ein Schneechaos sorgen wird, darüber konnte Meteorologe Jürgen Schmidt, Geschäftsführer des Diensts Wetterkontor, am Montagmorgen noch keine hundertprozentige Aussage machen. Es sehe aktuell so aus, als ob Kassel in dem Bereich liegen werde, in dem ab Mittwochmittag mit starkem Schneefall zu rechnen ist.
Bis zu 30 Zentimeter könnten dann in Nordhessen bis in die Nacht zum Donnerstag fallen, sagt Schmidt. Genauere Prognosen könne man aber erst am Dienstag abgeben. Fest stehe aber, so Schmidt: „Kassel bleibt auf der kalten Seite.“
Wie auch immer: Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) ist auf starken Schneefall vorbereitet. „Gerade nach den Erfahrungen mit dem Wintereinbruch im Februar 2021 haben wir uns auf künftige ähnliche Ereignisse vorbereitet“, so KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Sicherheit habe Vorrang. „Das gilt für die Sicherheit unserer Fahrgäste in Fahrzeugen und Haltestellen sowie für unser Fahrpersonal und selbstverständlich auch für unsere Fahrzeuge.“
Der Winterdienst ist bei der KVG klar geregelt, auch die Stadtreiniger werden eingesetzt. Darüber hinaus hat das Verkehrsunternehmen Verträge mit insgesamt fünf Baufirmen geschlossen, die sich bei Bedarf bereit halten, um die Schienenstrecken im Stadtgebiet Kassel von Schnee zu räumen. Zusammen mit den Stadtreinigern und den Baufirmen habe man eine Winterdienst-Prioritätenliste erstellt, so Hamdad. Demnach werden zuerst die Betriebshöfe von Schnee und Eis befreit, damit Busse und Bahnen überhaupt hinein- und herausfahren können. Dann folgen Straßenbahn-Hauptstrecken, vor allem vom Betriebshof Wilhelmshöhe zur Innenstadt und Betriebshof Sandershäuser Straße bis Innenstadt.
Darüber hinaus halte die KVG eigene Winterdienstfahrzeuge in Bereitschaft: dazu gehören ein Unimog und ein Lkw (jeweils mit Räumschild und Salzsilo) sowie ein Radlader mit Räumschild. Diese setze man in Bereichen mit sogenannten besonderen Bahnkörpern ein (ohne Pkw auf den Gleisen), zum Beispiel in der Wilhelmshöher Allee oder Leipziger Straße ein. Da Rasengleise beziehungsweise Rasengleisabschnitte, etwa in der Wilhelmshöher Allee, nicht mit schweren Fahrzeugen befahren werden können, stehe eine Straßenbahn bereit, die mit einem Räumschild ausgerüstet werden kann.
Darüber hinaus seien zur Prävention bei angekündigtem Frost zwei Niederflurbahnen mit Glycerinsprühanlage und mit Raufreifbügeln ausgestattet. „Diese Bahnen waren in den vergangenen Wochen bereits mehrfach im Einsatz, um Oberleitungen von Eis und Raureif freizuhalten beziehungsweise Eis und Reif von den Oberleitungen zu entfernen“, so Hamdad. Ebenfalls lasse man bei starkem Schneefall oder starkem Frost präventiv eine dieser Bahnen nachts im Streckennetz zum Freifahren von Rillen und Weichen.
Auch bei den Stadtreinigern ist man gerüstet. Am Montagmorgen ist die Frühschicht bereits um 3 Uhr mit 14 Räum- und Streufahrzeugen ausgerückt, um die Strecken des ÖPNV, verkehrswichtige und gefährliche Streckenabschnitte, Fahrradstraßen sowie auf der Fahrbahn verlaufende Radfahr- beziehungsweise Schutzstreifen zu räumen und zu streuen, teilt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger, mit.
Insgesamt seien ab 4 Uhr 127 Mitarbeiter im Winterdiensteinsatz gewesen. Die 23 Arbeitsgruppen sind ausgerüstet mit Schneeschiebern und Streugeräten um die Ampelübergänge, Zebrastreifen, wichtige Überwege, Tunneleingänge zu den Unterführungen, öffentliche Treppen sowie die Ein- und Ausstiege an den Straßenbahnhaltestellen zu sichern. Unterstützung bekommen die Teams von den 30 Kleintraktorfahrern, die die Flächenräumung an größeren Haltestellen übernehmen.
Darüber hinaus sorgten die Kleintraktorfahrer für den Winterdienst auf öffentlichen Gehwegen vor städtischen Grundstücken. Seit der Mittagszeit war die Spätschicht mit den Räum- und Streufahrzeugen im Einsatz. Die Spätschicht endet um 21 Uhr, kann aber bei Bedarf bis 24 Uhr verlängert werden. Möglicherweise ist das am Mittwoch erforderlich.
Von Ulrike Pflüger-scherb

