Mainkai gesperrt

Mainkai-Sperrung ab Montag: Umleitungen erzeugen „null Wirkung“, dafür aber Zorn

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Umleitungsroute durch Sachsenhausen: Lastwagen sollen den gesperrten Mainkai via Mörfelder Landstraße umfahren.
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Der Mainkai wird ab Montag für acht Wochen gesperrt. Damit soll die Masse an Autos in der Frankfurter Innenstadt reduziert werden. Kritiker befürchten ein Verkehrschaos.

Frankfurt - Montagmorgen (11. Juli) um sieben Uhr soll es so weit sein: Dann wird der Mainkai zwischen Alte und Untermainbrücke in Frankfurt gesperrt. "Dann werden Schilder und Poller aufgestellt", heißt es aus dem Mobilitätsdezernat. Die wichtige Ost-West-Straße am Flussufer mitten in der Innenstadt ist dann für acht Wochen dicht.

Autos und Laster sollen den gesperrten Mainkai diesmal weiträumig umfahren. Das sieht das Umleitungskonzept der Stadt vor. Bei der ersten Sperrung 2019/20 hatte sich der Umfahrungsverkehr vor allem in die Straßen des nördlichen Sachsenhausen ergossen, dort für Stau und Proteste von Anwohnern gesorgt.

Mainkai-Sperrung in Frankfurt: IHK fürchtet Probleme für Wirtschaftsverkehr

Autos will Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) diesmal per Beschilderung und aktualisierten Navi-Daten von Westen her über den City-Ring, von Osten her über Alleen- und Anlagenring umleiten, beschildert als U10. Lastwagen sollen über die U20 zwischen West- und Osthafen einen Bogen über Stresemannallee, Mörfelder Landstraße, Seehofstraße und Osthafenbrücke fahren.

Dieses Konzept "bildet die Verkehrs-Realität nicht richtig ab", kritisiert die Industrie- und Handelskammer (IHK). Sie befürchtet verschärfte Probleme für den Wirtschaftsverkehr. "Auch wenn das Dezernat knapp 100 Umleitungsschilder aufstellen lassen will, gehe ich davon aus, dass die vielen ortskundigen Verkehrsteilnehmer wieder auf nahe gelegene Parallelstrecken wie die Berliner Straße oder die Straßen in Sachsenhausen ausweichen werden", sagt IHK-Präsident Ulrich Caspar. Auf diesen Strecken sei aber mittlerweile die Leistungsfähigkeit durch die Wegnahme von Fahrspuren reduziert worden. "Das führt unweigerlich zu Staus." Transportfirmen müssten deswegen mehr Fahrzeuge einsetzen. "Die Mainufersperrung wird diese Situation weiter verschärfen", warnt Caspar.

Straßensperrungen in Frankfurt: Koalition will den Mainkai künftig stets in den Ferien sperren

"Dieses Konzept wird null Wirkung erzeugen", befürchtet Herbert Schmoll von der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich". Ortsunkundige würden weiter auf dem kürzesten Weg an ihr Ziel fahren "und sich einen Dreck um Umleitungsschilder scheren". Die Masse an Fahrzeugen in der Stadt werde durch die Mainkai-Sperrung nicht reduziert, nur umverteilt. In Sachsenhausen erzeugt die Lkw-Umleitung viel Zorn in der Bürgerschaft und allen politischen Lagern bis hin zu Linke und Grüne. Auf Stadt-Ebene verteidigt die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt die neuerliche Mainkai-Sperrung, auch die Linke unterstützt sie. "Wenn es notwendig wird, müssen wir nachjustieren", räumt FDP-Politiker Uwe Schulz allerdings ein.

Die längeren Fahrstrecken durch die Umleitungen konterkarierten zusätzlich das Bemühen der Stadt um bessere Luft, warnt IHK-Präsident Caspar. Durch die Mehremissionen verschlechtere sich die Luftqualität und es könnten erneut Fahrverbote drohen. Die Koalition will den Mainkai künftig stets in den Ferien sperren und die Straße bis 2026 ganz entwidmen. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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