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„Sowas habe ich in 40 Jahren Feuerwehrarbeit nicht erlebt. Das ist wirklich geschichtsträchtig“, sagt Thomas Vogler, Stadtbrandinspektor der Stadt Vellmar. Auch drei Tage nach dem schlimmen Unwetter, das Vellmar am Donnerstagnachmittag mit voller Wucht getroffen hat, ist er noch spürbar erschüttert.
Vellmar/Fuldatal – Mit 285 Einsätzen in 26,5 Stunden blicken die Vellmarer Feuerwehr und deren Unterstützer aus umliegenden Wehren unter anderem aus Immenhausen, Hofgeismar, Ahnatal, Zierenberg und Calden auf Tage zurück, die „wir alle erstmal verdauen müssen“, sagt Vogler. Normalerweise verzeichnet die Vellmarer Wehr 180 bis 200 Einsätze im ganzen Jahr.
Während die Kameraden unterwegs waren, um Keller auszupumpen, umgestürzte Bäume von Straßen zu entfernen und sich um abgedeckte Dächer kümmerten, konnten sie sich um ihre Familien und ihr eigenes Hab und Gut nicht kümmern.
„Das ist eine sehr schwierige Situation gewesen“, sagt Vogler. „Die Keller der Einsatzkräfte waren ja ebenfalls vollgelaufen, die Autos teilweise zerstört. Trotzdem sind alle Kameraden losgefahren, um anderen zu helfen. Die ganze Mannschaft hat am Tag des Unwetters wirklich Höllisches geleistet. Das ist eigentlich gar nicht in Worte zu fassen.“
Zwar sei ein hoher materieller Schaden entstanden und auch das Stadtbild sei nicht mehr dasselbe wie vorher. „Aber das Wichtigste ist, dass niemand ernsthaft verletzt wurde“, sagt der Stadtbrandinspektor. Eine Person wurde leicht verletzt, als auf der Holländischen Straße ein Baum auf ein fahrendes Auto fiel.
Schwer vom Unwetter getroffen waren neben zahlreichen Privathäusern auch Möbel Bolte, Rossmann, der Reitverein Vellmar, das Autohaus Bibbig, das Hallenbad und die Ahnatal-Schule. Der Herkules-Getränkemarkt war auch betroffen, ist aber seit Samstag wieder offen.
Die Fuldataler Feuerwehr hatte während und nach dem Unwetter ebenfalls alle Hände voll zu tun. 115 Einsätze und in der Spitze 130 Kameraden haben von Donnerstagnachmittag bis Freitagfrüh „alles getan, was wir konnten“, sagt der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Daniel Degenhardt. „Als dann erstmal das Schlimmste im Griff war, ging es ab Freitagmorgen um 7 Uhr aber direkt weiter mit umgestürzten Bäumen und vollgelaufenen Kellern.“
Auch Degenhardt sagt, dass es für die Einsatzkräfte eine besonders schwierige Situation gewesen sei, das eigene Haus und die Familie zurückzulassen und erstmal anderen zu helfen. Auch sein eigenes fast neues Auto, das sonst in der Garage geparkt ist und am Unwettertag an der Feuerwache stand, ist stark beschädigt.
„Wir werden an dem Ereignis alle noch länger zu knabbern haben“, sagt er. „Mental war es eine große Belastung.“ (Theresa Novak)