VonVolker Niesschließen
Der Fuldaer Bahnhof ist bei Straftaten, bei denen Messer und andere gefährliche Gegenstände eingesetzt werden, in Nord- und Mittelhessen zum Schwerpunkt geworden. Die Gewaltbereitschaft und die Zahl der Straftaten steigen, sagt die Bundespolizei.
Fulda - „Immer öfter kommen bei Straftaten an Bahnhöfen Messer und andere gefährliche Gegenstände zum Einsatz – gerade am Bahnhof in Fulda“, erklärt Maximilian Irmen, Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz. Sie ist zuständig für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Bundespolizei hat deshalb für den Fuldaer Bahnhof (und den Bahnhof in Frankfurt) am kommenden Wochenende ein Waffenverbot verhängt.
Waffenverbot an Bahnhöfen - immer mehr Messerattacken in Fulda
„Die Zahl der Straftaten, bei denen Messer eingesetzt wurden, hat sich 2022 im Vergleich zum Vorjahr in unserem Zuständigkeitsbereich auf knapp 100 Fälle fast verdreifacht“, berichtet der Sprecher. Bezieht man auch den Einsatz anderer gefährlicher Gegenstände ein – wie Schreckschusswaffen, Baseballschläger oder Pfefferspray – so hat sich die Zahl 2022 im Bereich der Bundespolizeidirektion Koblenz auf mehr als 200 verdoppelt. „In diesem Jahr setzt sich der Anstieg fort“, erläutert der Sprecher.
Zu den sieben Inspektionen der Direktion Koblenz gehört Kassel, und zur Inspektion Kassel gehört das Revier im Bahnhof Fulda. „Im Jahr 2022 haben wir in Nordhessen eine mittlere zweistellige Zahl an Straftaten registriert, bei denen Waffen oder gefährliche Gegenstände eingesetzt wurden“, rechnet Irmen vor. „Innerhalb Nordhessens ist der Bahnhof Fulda zweifellos der Schwerpunkt.“ Warum das so ist, lasse sich kaum sagen. Möglicherweise spiele die Nähe zu Frankfurt eine Rolle.
Ibrahim Aras, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kassel, ergänzt: „In der Langzeitbetrachtung kommt es am Fuldaer Bahnhof regelmäßig zu Gewaltdelikten. Das Gewaltpotenzial nimmt zu.“
Aber auch die Bundespolizei in Kassel hat keine Erklärung dafür, warum ausgerechnet Fulda zum Schwerpunkt für Straftaten mit Messereinsatz geworden ist. Die Bundespolizei nennt aber Beispiele aus den vergangenen Wochen:Die Polizei nahm einen Ladendieb und einen Rauschgifthändler fest, die jeweils ein Messer bei sich trugen. Bei einem schweren Raub hatte der festgenommene Täter eine Teleskopstange dabei.
Waffenverbot an mehreren Bahnhöfen
Die Bundespolizei hat für die Zeit von Freitag, 16. Juni, 15 Uhr, bis Sonntag, 18. Juni, 20 Uhr, eine Allgemeinverfügung erlassen. Sie verbietet jedermann das Mitführen von Waffen, Messern und gefährlichen Gegenständen wie Baseballschlägern oder Pfefferspray im Fuldaer Bahnhof.
Auch das gerade gekaufte Küchenmesser und das Taschenmesse sind an diesen Tagen im Fuldaer Bahnhof absolut tabu. „Wir wollen mit der Verfügung die Sicherheit der Reisenden präventiv erhöhen. Es gibt keinen aktuellen Anlass dafür“, sagt Ibrahim Aras, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kassel.
Zuwiderhandlungen gegen die Verbote können einen Platzverweis, ein Bahnhofsverbot oder einen zukünftigen Beförderungsausschluss nach sich ziehen. Auch ein Verfahren nach dem Waffengesetz ist möglich.
Ähnliche Verbote gelten am Wochenende auch an anderen Bahnhöfen in Deutschland - etwa in Frankfurt, Saarbrücken und Mainz. Die Bundespolizei kündigte zudem verstärkte Kontrollen an. Ob die temporären Waffenverbote wirken, soll im Anschluss ausgewertet werden.
Beschränkt sich der Anstieg der Zahl der Messerangriffe allein auf den Bahnhof? Oder ist auch der Bahnhofsvorplatz betroffen? Für die Plätze außerhalb des Bahnhofs ist das Polizeipräsidium Osthessen zuständig.
Klar ist: Der Bahnhofsvorplatz gehört zu den Orten, an denen sich die Menschen unsicherer fühlen als an anderen Orten der Stadt. Bei einer großen Umfrage 2022, an der sich knapp 750 Fuldaer Bürger beteiligten, nannten viele Befragten den Bahnhofsvorplatz einen „Angst-Ort“ – obwohl dort die Zahl der Straftaten von 250 im Jahr auf einen zweistelligen Wert gefallen war, wie der damalige Polizeipräsident Günter Voß berichtete. Auch jetzt sind die Zahlen des Polizeipräsidiums Osthessen deutlich weniger alarmierend als die der Bundespolizei. Polizeisprecher Dominik Möller erklärt: „Eine Auswertung unserer Daten hat für den Bereich des Bahnhofsvorplatzes keine signifikanten Auffälligkeiten im Hinblick auf ein gesteigertes Kriminalitätsaufkommen ergeben.“
Video: BKA-Präsident plädiert für Waffenverbotszonen in Innenstädten
So wurden 2022 in diesem Bereich insgesamt 35 Straftaten registriert. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang um zwei Fälle. Es gibt im Landkreis Fulda auch keine große Zahl an Messerattacken, teilt Polizeisprecher Möller mit: 2022 wurden im gesamten Landkreis Fulda – außerhalb der Bahnhöfe – 1252 Fälle von Straßenkriminalität, also grob gesagt, Straftaten unter freiem Himmel, registriert. Davon wurde 33-mal ein Messer eingesetzt. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 2,6 Prozent.
