Ein Bebauungsplan soll die gewerbliche Widmung von 74,5 Hektar Fläche zementieren. Die Bürgerbeteiligung läuft noch bis Anfang April.
Für André Schneider vom Schwanenhof, dem Einsiedlerhof am Höchster Weg, sind es schlechte Nachrichten: „Wir verlieren zehn Prozent der von uns bewirtschafteten Flächen.“ Nach den Regelungen des Bebauungsplans Industriepark Höchst Süd werden die Äcker zwischen Leunastraße, Schwanheimer Knoten und dem Südteil des Industrieparks verschwinden. Allerdings nicht sofort: Der Plan befindet sich in der „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“. Und Bauanträge liegen der Stadt bisher noch keine vor.
Der Bebauungsplan setzt lediglich auf kommunaler Ebene das um, was im Regionalen Flächennutzungsplan seit 2010 festgeschrieben ist: Die Flächen sind für gewerbliche Nutzung reserviert. Sie gehören in vollem Umfang der Industriepark-Betreibergesellschaft Infraserv Höchst oder ihren Kommanditisten. Dort befinden sich Gebäude, hauptsächlich Forschungseinrichtungen und Büros, drei Tore, ein großer Lkw-Parkplatz vor Tor Süd, Pkw-Parkplätze, eine Tankstelle, das neue Umspannwerk, Straßen und das berühmte „Bügeleisen“, das geschwungene, in Garnier-Farben bemalte Tor an der Zufahrt zum Tor Süd. Innerhalb des Werkszauns gehört gar eine große, gärtnerisch betreute Grünanlage mit Teich dazu.
Absehbar sollen im Gültigkeitsgebiet des Bebauungsplans ein weiterer Lkw-Parkplatz und ein Rechenzentrum gebaut werden. „Mehr ist uns derzeit nicht bekannt“, sagt Torsten Röschlau vom Stadtplanungsamt in der Sitzung des Ortsbeirats 6 (Frankfurt-West) am Dienstag. Die Aufstellung des Bebauungsplanes diene der „Bevorratung mit Flächen“, biete dem Industriepark Höchst also die Chance auf ein Wachstum nach Süden.
Das Plangebiet wird im Osten von der Leunastraße (und der künftigen Trasse der Regionaltangente West) sowie im Süden vom Kelsterbacher Weg und den Zubringern zur B 40 begrenzt. Im Westen grenzt es beim gerade neu errichteten Umspannwerk an die Kelsterbacher Stadtgrenze; nördlich verläuft der Geltungsbereich durch das eingezäunte und bereits bebaute Betriebsgelände des Industrieparks Höchst. Das Bebauungsplangebiet ist insgesamt mehr als 74,4 Hektar groß; rund 10 Hektar davon bewirtschaftet der Schwanenhof.
Östlich der Leunastraße und südlich der B 40 liegen zwei Naturschutzgebiete: Sowohl die Schwanheimer Düne als auch der Schwanheimer Wald haben den europäischen Status des Flora-Fauna-Habitats (FFH) und sind unbedingt zu schützen. Sie werden vom Bebauungsplan flächenmäßig nicht tangiert, könnten aber auf die spätere Bebauung Auswirkungen haben.
Die 58,5 Hektar große Schwanheimer Düne etwa ist für ihre Sand- und Magerrasenflächen bekannt. Industrieabgase sind oft sehr stickstoffhaltig; Stickstoff ist ein Dünger – der Eintrag des Stoffes würde das FFH-Gebiet gefährden, weshalb solche chemischen Produktionen besonderen emissionsschutzrechtlichen Bestimmungen unterliegen würden und nicht einfach ohne weitere Prüfungen gebaut werden könnten.
Bis zum 4. April läuft nun ein Zeitraum der Bürgerbeteiligung. Der Bebauungsplan kann unter https://is.gd/S5h4FP online eingesehen werden, aber auch montags bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr im Atrium des Stadtplanungsamts, Kurt-Schumacher-Straße 10. Alle rechtzeitig eingegangenen Einwände werden geprüft und gegebenenfalls eingearbeitet.
Der Bebauungsplan ist im Prinzip eine Angebotsplanung: Ob die Flächen zum Teil oder in Gänze bebaut werden oder vielleicht mangels Interessenten doch noch zehn oder zwanzig Jahre lang beackert, entscheidet letztlich der Markt.