Sicherheit

Mehr Kameras für die Polizei im Bahnhofsviertel Frankfurt

+
Auch diesen unübersichtlichen Bereich im Kaisersack hat die neue Überwachungsanlage im Blick. Foto: Monika Müller
  • schließen

Nach jahrenlangem Zaudern modernisiert die Stadt Frankfurt die Kameraüberwachung im Bahnhofsviertel. Polizei demonstriert Leistungsfähigkeit der Kameras.

Ziemlich genau sechs Jahre nach einem Magistratsbeschluss hat die Stadt Frankfurt die Videoüberwachung im Bereich Kaiserstraße/Moselstraße modernisiert. Die fünf Kameras liefern von dieser Kreuzung im Bahnhofsviertel nun ebenso gestochen scharfe Bilder, wie sie der Polizei bereits ein paar Meter weiter an der Kreuzung Taunusstraße/Elbestraße sowie an Hauptwache und Konstablerwache zur Verfügung stehen. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sah sich die neue Anlage am Montag gemeinsam mit Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) und Verantwortlichen der Polizei an. Nach jahrelangen Diskussionen sei nun „endlich gehandelt“ worden, sagte Josef.

Nach der unlängst ins Leben gerufenen Waffenverbotszone in den Nachtstunden ist es binnen kurzer Zeit der zweite Schritt für mehr Sicherheit im Bahnhofsviertel. Thomas Schmidl, der Leiter der Abteilung Einsatz im Frankfurter Polizeipräsidium, zeigte sich zufrieden. „Wir registrieren eine gewisse Aufbruchsstimmung im Bereich der Sicherheitspolitik.“ Die Polizei habe lange für eine Modernisierung der veralteteten Anlagen geworben.

Ordnungsdezernentin Rinn wies darauf hin, dass lange Wartezeiten nicht immer nur auf das Zaudern der politisch Verantwortlichen zurückzuführen sei. Ein Jahr lang sei nun gewerkelt worden, bis der Mast mit den fünf Kameras endlich stand. Bei den vielen Untersuchungen spiele vor allem der Untergrund eine wichtige Rolle. Noch schwieriger gestalte sich daher etwa die Modernisierung der Kameraüberwachung auf dem Bahnhofsvorplatz. Bei einem der geprüften Standorte gibt es laut Rinn „erhebliche Zweifel“ an der Standsicherheit. An einem anderen Standort seien die vorhandenen Kabelschächte im Untergrund schlicht nicht ausreichend groß. Die Videoüberwachung für den Bahnhofsvorplatz soll daher nun auf der anderen Straßenseite, im Kaisersack, platziert und in den nächsten Monaten finalisiert werden, sagte Rinn.

Die Polizei lud im Anschluss an die Besichtigung ins Präsidium ein, um zu demonstrieren, wie leistungsfähig die neuen Kameras sind: Die Anlage an der Ecke Elbestraße kann ein Gesicht noch bis zur Straße „Am Hauptbahnhof“ gestochen scharf heranzoomen. In einem gestellten Szenario zeigte die Polizei, wie die Kameras in der täglichen Praxis helfen könnten. So beobachtete ein Polizist in der Leitstelle bei den einlaufenden Bildern aus der Kaiserstraße eine Person, die sich verdächtig bewegte und offenbar nach Tatgelegenheiten Ausschau hielt. In der Folge stahl der Mann, in Wahrheit ein Polizeibeamter in Zivil, eine Tasche. Der Beobachter in der Leitstelle fragte nun eine verfügbare Streife an und lotste die Beamten in Richtung des sich vom Tatort entfernenden Täters.

Den Grünen im Römer war es am Montag vorbehalten, den Jubel über die zusätzlichen Superkameras ein bisschen einzudämmen. Im Koalitionsvertrag sei festgehalten, die Notwendigkeit der bestehenden Kameraüberwachungssystem alle zwei Jahre zu überprüfen, mahnte Christoph Rosenbaum, der sicherheitspolitische Sprecher der Fraktion.

„Ich fordere deshalb, alle bestehenden öffentlichen Videoüberwachungssysteme auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen, indem Nutzen und Verhältnismäßigkeit abgewogen werden“, sagte Rosenbaum. In einem Bericht seien valide Belege dafür anzubringen, ob eine Videoüberwachung die Sicherheitslage verbessert. Die Polizei lieferte bereits am Montag Zahlen für die Überwachungsanlagen an der Hauptwache und der Konstablerwache. An der Hauptwache seien im vergangenen Jahr 117 Straftaten mit Hilfe der Kameraüberwachung registriert worden. In 24 Fällen führten die Bilder direkt zum Täter, in 40 Fällen lieferten sie immerhin noch Bilder von Tatverdächtigen für eine mögliche Identifikation.

Im Bereich der Konstablerwache seien die Zahlen noch eindrucksvoller. Die Polizei präsentierte einen knapp zweiminütigen Zusammenschnitt von den Tumulten an der Konstablerwache in der Silvesternacht, um darzulegen, wie überlegen die Digitalkameras gegenüber dem menschlichen Auge als Zeuge seien. Von der neuen Anlage in der Kaiserstraße erhoffen sich die Beamtinnen und Beamten daher noch mehr Hilfe bei der Aufklärung von Straftaten. Schließlich handele es sich beim Bahnhofsviertel um den größten Kriminalitätsschwerpunkt in Hessen.

Von Oliver Teutsch

Kommentare